Gehorsam gegen die Orbrigkeit: Wie ist Röm.13., 1ff zu verstehen?
Ich würde gerne ein Thema diskutieren, was mir immer wieder die gleichen Kopfschmerzen bereitet. Nämlich die Frage des Verhaltens gegenüber dem Staat und seinen Repräsentanten, ob man sich politisch engagieren soll, ob man ggf. gegen den Staat vorgehen soll, etwa wie im Widerstand gegen den Hitlerfaschismus. Es geht um das Verständnis von
Röm.13, 1-7: 1. Ein jeder soll sich der obrigkeitlichen Gewalt unterordnen! Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; die da bestehen, sind von Gott angeordnet. 2. Wer sich daher gegen die staatliche Gewalt auflehnt, lehnt sich gegen die Anordnung Gottes auf; wer sich aber gegen diese auflehnt, zieht sich das Gericht zu. etc. .Dazu gehört dann auch Steuern zahlen etc. …
Siehe auch in Verbindung mit Tim.1,1 ff:
1.Erinnere sie, der obrigkeitlichen Gewalt untertan, gehorsam und zu jedem guten Werk bereit zu sein, …
Gegen diese affirmative Haltung zum Staat steht Apg.5, 27 ff, in der sich die Apostel weigern, dem Predigtverbot nachzukommen mit den Worten „… Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Vers 29). Nach Röm.13,1 hat Gott die Obrigkeit doch eingesetzt.
Wie lassen sich die Widersprüche auflösen? Gibt es eine Grenze des Gehorsams gegen den Staat? Wie soll man darüber denken, wenn jemand sich weigert Steuern zu zahlen, weil ein Teil des Geldes in Waffen für die Ukraine und Israel fließen. Ist nicht sogar ziviler Ungehorsam Pflicht?
Veröffentlicht von: @herbertdie Frage des Verhaltens gegenüber dem Staat und seinen Repräsentanten
Lieber Herbert.
Vor allem sollen wir für unsere Obrigkeiten beten. Das beruhigt unseren Geist und führt uns in eine gefestigte Grundhaltung:
Hast du dir mal den Schütz-Satz angehört, den ich verlinkt habe?
Es ist eine Vertonung von 1. Timotheus 2,2.
"[Betet für] die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit."
Ein Hinweis des Paulus bzgl des Gemeindegebets.
Veröffentlicht von: @marthaEs ist eine Vertonung von 1. Timotheus 2,2.
"[Betet für] die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit."
Ein Hinweis des Paulus bzgl des Gemeindegebets.
Hat das jemals etwas gebracht.?.wie ein ruhiges, stilles Leben.?..Frömmigkeit und Ehrbarkeit.?Wohl kaum.
@blumenwiese
Hat das jemals etwas gebracht.?
Um das zu entscheiden müssten wir uns anschauen, wie es einem Land bzw. den Christen ergangen ist, und sie beteten, und wie es dem Land in der gleichen Situation ergangen ist, und die Christen haben nicht gebetet.
Dürfte methodisch schwierig sein 😉
Veröffentlicht von: @hkmwk@blumenwiese
Hat das jemals etwas gebracht.?
Um das zu entscheiden müssten wir uns anschauen, wie es einem Land bzw. den Christen ergangen ist, und sie beteten, und wie es dem Land in der gleichen Situation ergangen ist, und die Christen haben nicht gebetet.
Dürfte methodisch schwierig sein 😉
Nunja, ich gehe davon aus, dass überall Christen leben, die dafür beten, da es ja biblisch ist.
Vielleicht geht es in diesen Gebeten weniger darum, dass es etwas nützt, sondern dass Christen einfach Gehorsam sind.
@blumenwiese
Du hattest gefragt, ob es was gebracht hat. Ich habe darauf hingewiesen: Das kann man nicht wissen.
Haben die verschiedenen Gebetsinitiativen in den 80-er Jahren etwas gebracht, oder wäre die Mauer auch ohne sie gefallen? Wer weiß das schon?
Damit war deine Frage sinnlos (höchstens geeignet, Zweifel zu säen).
Deine Empfehlung für ungerechte Herrscher zu beten, hat mich im ersten Moment herausgefordert, dann aber habe ich gedacht, dass das genau dem entspricht was Feindesliebe ausmacht. Bleibt dennoch die Frage offen, ob ggf. ein Attentat auf einen Despoten vor Gott erlaubt wäre. Man kann argumentieren, dass man im Sinne der Nächstenliebe den Tyrannen davor bewahrt, weitere Sünden zu begehen (ist ernst gemeint, nicht zynisch). Ich denke, wenn jemand innerlich davon überzeugt ist und sich im Einklang mit seiner inneren Stimme befindet, wäre das o.k.
@ alle: Vielen Dank für die rege Diskussion. Sie spiegelt die vielen Fragen die mir durch den Kopf ganz gut wieder. Leider bin ich bei den Antworten nicht weiter, aber die eine oder andere Frage kann ich nunmehr klarer formulieren bzw. in einen Zusammenhang stellen, was – eine gute Frage ist die halbe Antwort – wohl helfen könnten Klarheit zu gewinnen.
Ich fange mal mit einem Punkt an. „Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; die da bestehen, sind von Gott angeordnet.“
Einige verstehen das in Sinne von eingesetzt, andere im Sinne von zugelassen. Gibt es zwischen beiden Auffassungen einen signifikanten Unterschied? Die Varianz der Übersetzungen umfasst beispielsweise „… angeordnet / eingesetzt / verordnet
Die zweite Frage lautet, ob es bei „staatlicher Gewalt“ um die Institution ´Regierung` an und für sich handelt oder um den je konkreten Machthaber geht. Letzteres wäre bei parlamentarischen Demokratien schwer einzuordnen. Ist Merz eine staatliche Gewalt im gemeinten Sinne?
2 Wer sich daher gegen die staatliche Gewalt auflehnt, lehnt sich gegen die Anordnung Gottes auf; wer sich aber gegen diese auflehnt, zieht sich das Gericht zu.
Einige habe ja darauf hingewiesen, dass staatliche Gewalt, die sich selbst gegen Gott auflehnt, nicht unter dieses Gebot fallen kann. Diese Ansicht scheint mir durch den folgenden Vers bestätig:
3 Denn die Regierenden sind nicht ein Schrecken für gute, sondern für schlimme Taten. Willst du vor der Staatsgewalt ohne Furcht sein, so tue das Gute, und du wirst Anerkennung bei ihr finden (andere Übersetzungen sprechen von Lob erhalten / gelobt werden)
Damit wird ´Regierende` im Sinn von ´gerecht regieren` definiert. Ein ungerechter Herrscher, der umgekehrt eine Schrecken für die Guten und kein Schrecken für die Schlimmen ist, ist im Sinne des Evangelium keine von Gott eingesetzte Obrigkeit. Und kann keinen Gehorsam verlangen. (z.B. Sir.4, 27: Unterwirf dich nicht dem Toren und ergreife nicht Partei für einen Mächtigen.
Auch kann ich nicht verstehen, dass „Willst du vor der Staatsgewalt ohne Furcht sein …“ dem wörtlich Sinn nach dem Verständnis von Nachfolge Jesus entspricht, der mehrmals vor den negativen Folgen öffentlicher Anerkennung und Prestigesucht (Anerkennung bei ihr finden.) Wieso sollte Jesus empfehlen, sich um staatliche Anerkennung zu bemühen?
Quintessenz: Keine staatliche Macht hat Anspruch auf Gehorsam und Gefolgschaft, nur weil sie die Machtposition inne hat. Es hängt definitiv von ihrer Qualität ab. Und die muss jeder Untertan beurteilen, bevor er sich zum Gehorsam oder Widerspruch oder gar Widerstand entscheidet.
Die Erkenntnis scheint trivial, ist es aber nicht, wenn man auf den ersten und zweiten Weltkrieg zurückblickt, wo die beiden Amtskirchen mit diesem Argument von ihren Kirchengläubigen Staatsraison bis in den Tod als Soldat gefordert haben.
Der letzte Punkt, ´Bemühen um Anerkennung von staatlicher Autorität` bringt mich auf den Gedanken, dass man diese Apostelaussage auch im Sinne des Steuergleichnis (Mt.22,17) verstehen kann. Dann wäre die staatliche Autorität der ´Zwang des Faktischen`, der die irdischen Lebensbedingungen ausmacht und die Aussage Paulus`gemahnt daran, die profanen Lebensumständen nicht a priori zu verteufeln, sondern ihnen die gebührende Beachtung zu schenken. Dann würde „Willst du vor der Staatsgewalt ohne Furcht sein …" , dass man das Weltliche und das Geistig in ein rechtes Gleichgewicht bringen muss. So z.B. dass man hier ein ´weltliches` Internetforum hat, dass man gut für die eigene geistige Entwicklung nutzen kann und man es nicht von vorherein verteufeln soll. Nach dem Motto, prüfe alles, und was gut ist nutze es dementsprechend.
Was denkt ihr zum letzten Gedanken?
es drängt mich, dir zu antworten - aber da ich gleich einen Termin habe, wird meine Antwort eher kurz und knapp sein.
Ich stimme deinen Überlegungen weitestgehend zu - und auch die Fragen bleiben.
Eine Frage meinerseits wäre, in welcher Situation der Apostel damals war, als er dies schrieb.
Die zweite Frage ist, ob wir brutale Diktatoren und Obrigkeiten, die sich nicht an Gesetze halten und Menschenrechte missachten, ebenfalls als "von Gott eingesetzt" anerkennen müssen (MEINE Antwort: "NEIN").
Beten kann (und soll) ich aber trotzdem für sie - diesem Wunsch stimme ich uneingeschränkt zu.
Klar wäre auch, dass es ohne eine "Obrigkeit" wohl zu (noch mehr) Gewalt, gegenseitiger menschlicher Missachtung, ausgelebtem Egoismus, Recht des Stärkeren usw. kommen würde, dass also die Obrigkeit grundsätzlich akzeptiert und auch in ihrem Handeln unterstützt werden sollte.
Deine Empfehlung für ungerechte Herrscher zu beten, hat mich im ersten Moment herausgefordert, dann aber habe ich gedacht, dass das genau dem entspricht was Feindesliebe ausmacht.
Wenn du als Minderheit unter einer Regierung leben musst, die dich allenfalls duldet, ist es einfach klug, möglichst deinen Frieden mit ihr zu machen.
Vermutlich wollte Paulus, dass seine jung gegründete Gemeinde wachsen und gedeihen kann.
Leider erst unter Konstantin durften die Christen ihre Religion in Freiheit ausleben. Er wusste es zu schätzen, dass sie sich um die sozialen Belange des Volkes kümmerten.
Bleibt dennoch die Frage offen, ob ggf. ein Attentat auf einen Despoten vor Gott erlaubt wäre. Man kann argumentieren, dass man im Sinne der Nächstenliebe den Tyrannen davor bewahrt, weitere Sünden zu begehen (ist ernst gemeint, nicht zynisch). Ich denke, wenn jemand innerlich davon überzeugt ist und sich im Einklang mit seiner inneren Stimme befindet, wäre das o.k.
👆
Dazu sah ich letztens einen Film (Netflix, 2018) über Walraven van Hall, einen niederländischen Bankier, der den Widerstand während der deutschen Besatzung der Niederlande finanzierte.
Als er die ersten Pläne dazu schmiedete und seine Frau fragte, wie sie darüber denkt und ob er das tun soll, sagte sie sofort: "Nein. Natürlich bin ich dagegen."
Und dann, nach einer längeren Pause: "Aber natürlich musst du es tun."
Sie hat ihren Mann gekannt und sein Tun respektiert. Sie wusste, dass es ihn umtreiben würde, wenn er seiner inneren Stimme nicht folgen würde.
Er hat viel Gutes und wirklich Grosses bewirkt. Und wurde dennoch kurz vor Kriegsende ganz profan verraten und erschossen.
"Wenn du als Minderheit unter einer Regierung leben musst, die dich allenfalls duldet, ist es einfach klug, möglichst deinen Frieden mit ihr zu machen.Vermutlich wollte Paulus, dass seine jung gegründete Gemeinde wachsen und gedeihen kann."
Ich denke, dass Paulus sich genau von so einem Gedanken hat leiten lassen - Danke für diesen Blick, den ich sehr einleuchtend finde. Er zeigt dann auch, wie biblische Texte ihren "Sitz im Leben" haben und man daraus kein zeitloses und kontextloses Pauschal-Gebot machen kann.
L'Chaim
Danke für diesen Blick, den ich sehr einleuchtend finde. Er zeigt dann auch, wie biblische Texte ihren "Sitz im Leben" haben und man daraus kein zeitloses und kontextloses Pauschal-Gebot machen kann.
Moment, Moment. Nicht so schnell.
In meinem ersten Posting an Herbert schrieb ich von einer Grundhaltung.
Und die beinhaltet tatsächlich generell Gebet für die Obrigkeit.
Das erschließt sich aus dem Kontext im von mir bereits zitierten Timotheusbrief, in dem Paulus erklärt, warum wir für die Oberhäupter beten sollen: "Gott will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen".
Und vllt dachte Paulus dabei auch an Sprüche 21, die da beginnen mit: "Des Königs Herz ist in der Hand des HERRN wie Wasserbäche; er lenkt es, wohin er will."
😉 ... Die zitierten Sätze finden trotzdem meine Zustimmung, weil sie meines Erachtens eine Erklärung bieten, warum Paulus in Römer 13 das Verhältnis zur Obrigkeit so darstellt.
Das "Gebet FÜR die Obrigkeit" ist ein glattes Terrain: Die Trump-Fundis um Paula White - wie abstoßend - ließen sich ablichten dabei, wie sie inbrünstig für den Präsidenten beteten. Auch die russchisch-orthodoxen Kirchführer beten für Putin um Segen und Gelingen ... Und die DC taten es, sogar im Dank für das "Gottesgeschenk" A.H.
Wenn wir dagegen dafür beten, dass Regierende von bösen Taten lassen, zur Einsicht in das Gute kommen, weise und verantwortungsvoll handeln - das sollten wir immer tun! Völlig d'accord.
Doch nun: Heisst für die Obrigkeit beten auch u.U. zu Gott flehen, dass er Mächtige vom Thron stürzt? Und dafür sorgt, dass sie ihren Macht verlieren? - Ja, ich denke, auch das kann geboten sein. Und Bonhoeffer wird sicher auch in Gottes Hände gelegt haben, dass es gelingt, das Attentat auf den Führer.
L'Chaim
Ja, es geht ums Dienen ... es geht darum, die Liebe, das Licht dahin zu bringen, wo es dunkel ist. Es geht darum, Jesus zu vertrauen und ihm zu folgen.
Großartige Geschichten von großartigen Menschen zeugen davon.
🙂
Veröffentlicht von: @herbertIst nicht sogar ziviler Ungehorsam Pflicht?
Klar doch. Ich zahle schon seit paar Jahren keine GEZ mehr.
Mit Wut im Bauch 😘
Die drohen schon seit Jahren, meine Tür einzutreten mit Hilfe der Staatsgewalt.
Jedes Jahr zum Geburtstag bekomme ich nen Drohschreiben von der GEZ.
Ich habe ihre Drohbriefe an die oberste Instanz weitergereicht 😊
Nee, bisher nix. Kann auch daran liegen, dass es jeden Tag mehr werden und die mit den Repressalien nicht mehr hinterher kommen.
Aber der Bademantel liegt schon bereit 😛
Veröffentlicht von: @plueschmorsWenn aber eine Obrigkeit nicht tut, was sie von Gott her tun soll, dann ist sie auch nicht als solche zu achten.
Das finde ich nicht so ganz klar. Aus dem AT ist bekannt, dass Gott Könige eingesetzt hat, die das auserwählte Volk mit ´harter Hand regiert haben`, damit ihm klar wurde, was es für Folgen hat, wenn man sich von Gott abwendet. Obrigkeit achten, bedeutet nicht automatisch eine affimative Haltung. Wenn die Obrigkeit schlecht ist, heißt sie beachten eher ´darauf achten was sie tut` und dass kann ggf. auch subversive Konsequenzen haben.
Ich weiße nochmal darauf hin, wie sich die beiden Amtskirchen bereits vor dem ersten Weltkrieg auf dieser ideologischen Grundlage, egal wie der Herrscher regiert, wir müssen ihm als Untertan gehorsam sein, eine erhebliche Mitschuld an beiden Weltkriegen trägt.
@herbert Ich weiße nochmal darauf hin, wie sich die beiden Amtskirchen bereits vor dem ersten Weltkrieg auf dieser ideologischen Grundlage, egal wie der Herrscher regiert, wir müssen ihm als Untertan gehorsam sein, eine erhebliche Mitschuld an beiden Weltkriegen trägt.
Zwei Anmerkungen dazu von mir:
1) Wenn die Amtskirchen biblische Inhalte verdrehen, um ein den Herrschern gefälliges Evangelium predigen zu können, dann geben sie dem Herrscher alles. Ihm darf aber nicht mehr gehören, als der Herrscher fordern darf. Dringt der Herrscher in Dinge ein, die Gott gehören (sein Wort, die Wahrheit), dann haben die Kirchen die Aufgabe, dieses Ansinnen abzulehnen. Ja, dem Herrscher zu dienen. Nein, dem Herrscher jede Übergriffigkeit zuzulassen.
2) Der einzelne Christ muss dem Herrscher dienen. Umstürze kann ich christlich nicht legitimiert sehen. Aber ich kann den Dienst so oder so ausfallen lassen. Jesus rät uns:
Mt 10,16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
Klug sein und innerlich aufrichtig sein ist wichtig. Klug sein kann auch bedeuten, dem Herrscher hingegeben, aber tollpatschig oder ungewollt schädigend zu dienen. Wer vom Heiligen Geist geführt wird, der hat so etwas vielleicht schon erlebt: Man agiert mit besten Absichten und dann passiert es unterwegs oder zwischen den Zeilen: Es werden Dinge preisgegeben, Themen angestoßen, die niemals hätten geäußert werden dürfen. Und das können Dinge sein, die die Axt an die Wurzel des Systems legt. Alles aufrichtig ungewollt - aber eben in dieser Ehrlichkeit und Wahrheit für ein Lügensystem fatal.
Man merkt oft viel später, was man da losgetreten hat ...
Veröffentlicht von: @herbertVeröffentlicht von: @plueschmorsWenn aber eine Obrigkeit nicht tut, was sie von Gott her tun soll, dann ist sie auch nicht als solche zu achten.
Ich weise nochmal darauf hin, wie sich die beiden Amtskirchen bereits vor dem ersten Weltkrieg auf dieser ideologischen Grundlage, egal wie der Herrscher regiert, wir müssen ihm als Untertan gehorsam sein, eine erhebliche Mitschuld an beiden Weltkriegen trägt.
Ja, das war/ist eine tragische Tatsache.
Für Karl Barth war es schon vor dem 1. Weltkrieg Ausdruck einer schlimmen Weichenstellung, dass "seine sämtlichen theologischen Lehrer" (mit dem Manifest von 93 Intellektuellen) sich zur Kriegspolitik des Kaisers bekannten!
Und die Synode von Barmen (1934. mit ihrer "Barmer Theologischen Erklärung") war ein Versuch, den "Deutschen Christen" ein christozentrisches Glaubenszeugnis der Verweigerung entgegenzusetzen.
Sind wir Christen nicht heute auch immer wieder gefragt, wie wir mit unserem Glauben ebenfalls zu "Obrigkeits-ergeben" unterwegs sind?
L'Chaim
Veröffentlicht von: @lucan-7Sicher eine interessante Frage... aber eine, mit der ich dich schon in eine Falle laufen lasse, denn genau das ist es ja, was etliche Fanatiker behaupten: Sie selbst haben die Wahrheit erkannt, aber die Welt will es nicht wahrhaben!
Stellt sich also auch die Frage, ob aus der Annahme, es gäbe tatsächlich eine bestimmte biblische Wahrheit, überhaupt etwas Gutes kommen kann...
Davon abgesehen verfügen wir wohl kaum über Methoden, tatsächlich darüber zu entscheiden, wie genau denn nun die "biblische Wahrheit" auszusehen hat. Selbst noch so viele "Heilige Geister" sind sich da bis heute nicht recht einig geworden.
In der Tat eine interessante und auch zentrale Frage. DIe Falle sehe ich nicht. Wenn Fanatiker die Bibel missbrauchen, dann liegt das allein a an den Fanatikern, und b an deren Anhängern, die sich eigene Gedanken ersparen, u.a. aus genau den Argumenten die du folgen lässt.
Bezüglich fehlender Methoden bin ich andere Meinung. Allerdings liegt das Problem, was biblische Wahrheiten sind? Wie du richtig feststellt ist Wahrheit hier nicht eine monolithische Entität, sondern biblische Wahrheit ist ein Prozess der Nachfolge. Daherist für mich klar, dass Wahrheit kein abschließendes Lehrgebäude ist. Im Übrigen heißt biblische Wahrheit weder empirische Wahrheit noch allgemeingültige Wahrheit. In bevorzuge daher eher den Begriff ´Glaubenstatsachen`. Das Gott ein Gott der Liebe ist, kann sich nur erschließen, wenn man sich auf den Weg den Jesus beschrieben hat einlässt.
Ein zweites: nach meiner Meinung kann man negative Wahrheit ziemlich bestimmt erkennen. Also dass Hitler keine Obrigkeit ist, die von Gott gewollt war. Warum Gott Hitler zugelassen hat, ist dann eine offene Frage. Da ist eine postive Antwort zu finden ist sicher schwerer und ob es nur eine Wahrheit / Antwort gibt, sei dahingestellt.
Veröffentlicht von: @herbertAlso dass Hitler keine Obrigkeit ist, die von Gott gewollt war. Warum Gott Hitler zugelassen hat, ist dann eine offene Frage.
Die ganze Welt ist doch voller Despoten. Stalin hat 55 Mio Russen erledigt. Sollen die das etwa verdient haben, wenn gesagt wird, dass jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient?
Veröffentlicht von: @plueschmorsIch persönlich hätte aber sicher kein Attentat auf Hitler geplant und noch weniger ausgeführt, da Gottes Wort ja noch gepredigt und der Glaube gelebt werden durfte.
Man sollte unterscheiden, ob die Amtskirche von den Kanzeln ihre Rede schwingen durfte oder ob sie Gottes Wort gepredigt haben. Das war in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg bis nach dem Ende des zweiten bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen definitiv nicht das Gleiche.
Veröffentlicht von: @plueschmorsManche aber bleiben, weil ihnen doch ein Wort zu Herzen geht. Das sind dann für die Außenstehenden die, die man mit Mitleid anschaut.
Und wo stehst du?
Paulus war nicht Jesus. Während ich keine der Aussagen Jesu im geringsten anzweifele, tue ich das bei Paulus durchaus an einigen Stellen. Jesus kam direkt von Gott als Gottes erster Sohn, Paulus war ein ganz gewöhnlicher Mensch. Ich finde das darf man nicht vergessen.
Paulus war ein ganz gewöhnlicher Mensch. Ich finde das darf man nicht vergessen.
Nicht gegen Paulus, den ich persönlich aufgrund seines Einsatzes und tiefen Glaubens sehr schätze.
Aber gerade in "gutchristlichen Kreisen" wird er m.E. oft überbewertet - das grenzt oft schon an Personenkult.
Mancher unserer heutigen Prediger wäre froh, wenn ihm nur ein Bruchteil der Aufmerksamkeit gegönnt würde.
Ich hab grad eine Predigt von Tscharnke angehört wo es um diese Obrigkeit geht und er sagt, die Obrigkeit in Deutschland sei nicht die Regierung, sondern das Volk, das Volk in seiner Gesamtheit.
Artikel 20 Absatz 2 sagt.".alle Staatsgewalt geht vom Volk aus".
Das gesamte Staatswesen in Deutschland ist vom Grundgesetz her auf das Volk hin ausgerichtet.
Sorry, falls es bereits gesagt wurde, ich hab den Thread nicht ganz gelesen.
Das Volk in seiner Gesamtheit steht einzig über der Verfassung und über dem Grundgesetz....
Falls es interessiert, das Video Von Jakob Tscharntke "Christ und Obrigkeit"
@blumenwiese
Ja - Danke für diesen wichtigen Hinweis, der nochmal deutlich macht, wie anders unser Staats-, Gesellschafts- und Regierungs-Kontext (>< Paulus) ist, wenn wir hier den Begriff "Obrigkeit" hin- und herwenden ...
Und ansonsten: Heute ist der 20.Juli!
Erschreckend, wie das missglückte Attentat von Hitler und sein Überleben als "Göttliche Vorsehung", als Segen und Berufung zur Erfüllung seiner weiteren Pläne gedeutet und proklamiert wurde ... Und ich sehe den POTUS hinter dem Pult, mit gereckter Faust und einem "Fight! Fight! Fight!" wieder auftauchend, dieses mittlerweile ikonische Foto, das genau so eine Deutung und Resonanz bei seinen Anhängern gefunden hat!
L'Chaim
Das waren insgesamt über 40 missglückte Attentate auf Hitler.
Da kann man schon auf komische Gedanken kommen.
Ist aber schon bemerkenswert, dass die alle missglückt sind, oder?