Inwiefern ist Gott allmächtig?
Das ist eine Frage, die sich hier eigentlich ständig aus fast allen Diskussionen ergibt... einerseits heisst es, dass Gott "allmächtig" sei, und das bedeutet: Nichts geschieht ohne seinen Willen, und alles was geschieht, entspricht seinem Willen - sonst würde es ja nicht geschehen.
Andererseits heisst es immer wieder: Gott will dies nicht, Gott will das nicht. Gott will, dass wir frei sind, und dann eben auch die Konsequenzen tragen. Auch dann, wenn er diese Konsequenzen gar nicht wünscht - obwohl er sie doch selber festgelegt hat.
Es ist auch erstaunlich, was in Diskussionen immer wieder an Aussagen kommen... Gott "kann dies nicht, weil...", Gott "wünscht nicht, dass...", Gott "will, dass es anders ist..." - alles Dinge, die im Grunde aussagen: Gott ist gar nicht allmächtig.
Oder aber, als Konsequenz: Gott ist allmächtig - und deshalb ist alles ganz genau so, wie er es will.
Das erlebe ich in der christlichen Lehre aber praktisch gar nicht (Bei den Juden ist das wohl wieder ein wenig anders). Denn da heisst es immer wieder:
"Gott ist allmächtig, und er will nicht, dass dieses oder jenes geschieht oder dass die Welt so ist, wie sie ist!"
Das erscheint mir allerdings absurd. Wie seht ihr das? Ist Gottes Allmacht überhaupt begründbar bzw. mit der christlichen Lehre zu vereinen?
Veröffentlicht von: @chaiDu solltest ja auch schon rausgefunden haben, dass es DIE Theologie nicht gibt.
Und nicht jeder, den er für einen Theologen hält, war auch einer. Ich bin / war z.B. keiner … aber gerade weil ich einst einen Beruf hatte, von dem die Bibel keine sonderlich hohe Meinung zeugt, bin ich in meinem Glauben fest … und dieser Glaube hat mich in schwierigen und vermeintlich ausweglosen Situationen aufrecht und am Leben gehalten.
Veröffentlicht von: @sternIch weiss ehrlich gesagt nicht, wie man sich diese Frage nicht stellen kann.
Was ich Lucan geantwortet habe, bezieht sich auf das, was hinter der Frage steckt, und wer sie aus welchem Grund, mit welcher Haltung und in welchem Kontext stellt.
Es macht - ich drücke es mal zugespitzt und krass aus - einen Unterschied, ob die Frage aus Leid, Schmerz und tiefster Sehnsucht nach Gottes Hilfe gestellt wird, so wie sie uns von jüdischer Seite aus dem Erleben der Shoah entgegen kommt - oder ob diese Frage eher dort zu verorten ist, wo mal wieder launig am "Stammtisch" oder im "philosphischen Zirkel" die Gottesfrage dran ist, die im ersten Kontext mit einem palavernden Abwinken, im zweiten Kontext mit versonnenem Tiefsinn endet ...
Ja, man kann an dieser Frage verzweifeln ... oder sie "in die Luft werfen" und mal schauen, was runterfällt ...
Darum geht es mir - und Lucan selber mag und muss sich (nach all den Jahren seiner Präsenz und seiner Dispute hier) die Frage der eigenen Motivation & Erwartung hier im Forum stellen - nicht mehr und nicht weniger.
L'Chaim
Veröffentlicht von: @sternAlso lass uns das mal begraben. Ich habe kein Interesse daran, hier Partei ergreifen zu müssen.
Das können wir gerne tun. Mein letzter Satz dazu nun ist: ›Du musst(est) nicht Partei ergreifen, Du wollest es. Aber das trage ich Dir nicht nach und es habe es bereits vergessen.‹
Du musst(est) nicht Partei ergreifen, Du wollest es.
Das stimmt.
Ich habe leider noch keine Möglichkeit entdeckt, wie ich Geschehnisse verhindern kann, die aus meiner Wahrnehmung heraus gegen die hier herrschende Gemeinschaft gerichtet sind, ohne Partei zu ergreifen. Vielleicht schenkt mir Gott ja da noch Weisheit, das in seinem Sinn zu handhaben.
Dass Gott in der Bibel nicht als Allmächtiger, sondern als Pantokrator (Allherrscher, Allerhalter) bezeichnet wird, lässt sich gut verstehen:
Alles "beschreibt ... eine vorhandene, aber nicht definierbare Anzahl von Dingen". Es geht also um die Verfügbarkeit über vorhandene Dinge. Der Begriff All meint das Universum, "das sich bis ins Unendliche strecken und damit sämtliches Existierende beinhalten soll". Für beide Zitate habe ich Wikipedia genutzt, da es allgemein verfügbar ist.
Die Bibel spricht also von Gott als dem Allherrscher über die vorhandenen Dinge und dem Allerhalter der vorhandenen Dinge. Das passt durchaus mit den klassischen Bild des Vaters zusammen, dem "Versorger", das Christus uns offenbart hat.
Allmächtiger wird von Christen meiner Erfahrung nach in konkreten Situationen verwendet, um die Hoffnung in Gottes Wirken auszudrücken.
Die Nacht war ruhig und der Schlaf war gut. Die Erkenntnis kam im Traum. Herr, Du prüfst mich, und ich halte der Prüfung stand … denn Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Du bist der allmächtige Gott, mein Stecken und mein Stab.
»Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der da leugnet, daß Jesus der Christus ist? Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.« — 1. Johannes 2:22