Judas - zu Unrecht verdammt?
Eine Sache hat mich immer wieder über Jahre beschäftigt, nämlich der Umgang mit Judas, der ja als der Erzverräter gilt, einer unverzeihlichen Sünde schuldig, mit einer speziellen Einzelzelle in der Hölle... aber war das, was er getan hat, denn wirklich so schlimm...?
Ganz provokativ könnte man sagen: Ohne Judas Verrat hätte es keine Erlösung gegeben, die Menschheit wäre weiterhin verdammt... sollte man da also nicht eher dankbar sein...?
Denn Jesus war ja bereits klar, dass er sterben würde... er hätte sich, wäre er weiterhin nicht erkannt worden, vermutlich nicht aus Jersusalem geschlichen, um seinem Schicksal zu entgehen. Er hätte sich vermutlich am nächsten Tag selbst dem Gericht gestellt, weil er ja bereit war, sein Schicksal zu erfüllen. Was schadet es dann also, wenn Judas mal schnell noch die Gelegenheit wahrnimmt, ein paar Silberstücke zu verdienen... wenn Jesus doch eh in den Fängen der Häscher landen wird...?
Sicher, moralisch ganz bestimmt nicht die feine Art. Andererseits, unter Berücksichtigung aller Umstände - war dies denn tatsächlich der schlimmste Verrat der Geschichte, also so verdorben, dass es quasi zum Synonym des Verrats wurde?
Es gibt ja auch andere Geschichten... dass Jesus etwa Judas selbst beauftragt hat, bis hin zur Behauptung, in Wahrheit sei sogar Judas für ihn ans Kreuz gegangen... allerdings ohne Belege, und daher nichts als Spekulation.
Dennoch - dass Jesus vor Gericht gestellt werden musste war Teil des Plans, und das ist aus christlicher Sicht nicht zu bestreiten.
Und Judas wusste ja auch, dass Jesus hier sein Schicksal erwartete - warum also ist sein Handeln als so verwerflich dargestellt worden? Gut, sich mal eben schnell bereichern zu wollen ist nicht gerade nett... aber ist das derartig schlimm, dass es als die verdammenswerteste Tat überhaupt dargestellt werden muss, wo es doch letztlich zur Erlösung führte...?
Da ist mir die Begründung nicht ganz klar... wie seht ihr das...?
@lucan-7 In Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" nötigt Jesus seinen Freund Judas, ihn zu "verraten". Den Film finde ich hinsichtlich des Themas sehr klug und habe dessen "Aussage" nicht wirklich was Substantielles hinzuzufügen.
In Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" nötigt Jesus seinen Freund Judas, ihn zu "verraten". Den Film finde ich hinsichtlich des Themas sehr klug und habe dessen "Aussage" nicht wirklich was Substantielles hinzuzufügen.
Es ergibt ja auch Sinn. Irgendwie musste Jesus ja an seine Häscher übergeben werden, und Judas war halt das Werkzeug dazu. Deshalb sehe ich da auch keinen echten "Verrat"... Jesus konnte Judas, wenn er dann nichts davon wusste, höchstens den Zeitpunkt zum Vorwurf machen. Die biblische Geschichte legt allerdings nah, dass Jesus seine unmittelbare Verhaftung ohnehin erwartete.
So bleibt dann wohl vor allem das Bedürfnis des Publikums nach einem "Schuldigen", für den sich Judas dann halt anbietet. Womit Judas dann vom Erfüllungsgehilfen zum Sündenbock wurde...
Die Motivation von Judas wird in den Evangelien unterschiedlich wiedergegeben.
Im Matthäus-Evangelium hat er es für Geld getan. Im Lukas-Evangelium wurde er vom Satan ergriffen und hat daher das Geld angenommen. Das ist gerade für die Schuldfrage durchaus ein wichtiger Punkt. Im Matthäus zeigt Judas Reue und brachte das Geld zurück und erhängt sich. In den anderen Evangelien wird die Reue nicht erwähnt. Laut Apostelgeschichte starb er bei einem Unfall auf dem Acker, den er vom Geld gekauft hat. Sprich: Es gab damals verschiedene Mythen um Judas. Welche nun stimmt, ist für deine Frage aber durchaus ausschlaggebend.
Im Matthäus-Evangelium kann man eine Reue finden, und er bestraft sich selbst für sein Handeln. Reue könnte mit Vergebung einhergehen.
Im Lukas/Apostelgeschicht wurde er für sein Handeln durch den Unfall bestraft. Hier ist eine Vergebung nicht Vermutbar.
Ohne Judas Verrat hätte es keine Erlösung gegeben,
Naja, man kann bei allen Geschichten "Hätte, Wenn und Aber"-Fragen stellen können. Ebenso beliebig wie deine "bidirektionalen" Annahmen, könnte man sich alternative Geschichtsstränge ausdenken, die zum gleichen Ergebnis ohne Judas handeln geführt hätten.
Im Matthäus-Evangelium kann man eine Reue finden, und er bestraft sich selbst für sein Handeln. Reue könnte mit Vergebung einhergehen.
Genauer hingesehen:
Judas spricht vor den Hohenpriestern ein klares Bekenntnis zu seiner Sünde:
Mt 27,4 und sprach: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten.
Das verwendete Wort für reuen ist davor in Vers 3 metamellomai... eine emotionale Wallung. Der Schwerpunkt ist ein anderer als bei dem Wort zur Herzensumkehr/Buße zu Gott in Apg 2,38 metanoeo, auf die Taten der Änderung folgen.
Judas ging weg. Die vom Heiligen Geist berührten Männer an Pfingsten, wandten sich zu und handelten auf die Anweisungen des Petrus Vers 41.
Naja, man kann bei allen Geschichten "Hätte, Wenn und Aber"-Fragen stellen können. Ebenso beliebig wie deine "bidirektionalen" Annahmen, könnte man sich alternative Geschichtsstränge ausdenken, die zum gleichen Ergebnis ohne Judas handeln geführt hätten.
Nun, bei einem klassischen Verrat geht es ja darum, dass durch den Verrat ein anderer Ausgang verhindert wird. Hagen tötet Siegfried, der ohne den Verrat noch am Leben wäre. Brutus verrät Cäsar, der damit ums Leben kommt und nicht mehr regieren kann. Verräter öffnen die Stadttore für das feindliche Heer, die die Stadt besetzen.
Verrat ändert den Ausgang einer Handlung auf dramatische Weise. Aber bei Judas ist das nicht der Fall. Der Verrat macht überhaupt keinen Unterschied, denn Jesus hat dieses Schicksal ja bereits erwartet. Es war von Gott so geplant. Hätte Judas nicht gehandelt, dann hätte Jesus sich etwas anderes überlegen müssen, damit die Sache genau so ausgeht.
Im Grunde ist es demnach gar kein Verrat, denn Judas handelt ja nach Plan. Man könnte höchstens noch seine Motivation in Frage stellen, da bleiben aber auch Unklarheiten.
Sprich: Es gab damals verschiedene Mythen um Judas. Welche nun stimmt, ist für deine Frage aber durchaus ausschlaggebend.
Für mich stellt sich die Frage, warum sein Handeln überhaupt als "Verrat" dargestellt wird, obwohl er doch ganz im Sinne Jesu handelt, der diese Verhaftung ja erwartet hat - und auch für unvermeidbar hielt.
Es geht hier also wohl mehr darum, einer Figur eine entsprechend dramatische Rolle zuzuweisen... in diesem Fall, um Jesu Opfer zu unterstreichen.
Meiner Ansicht nach funktioniert das aber nur sehr oberflächlich, deshalb ja mein Einwand.
Vielleicht wäre ohne den "Verrat" Jesus ja am Leben geblieben und die Erlösungstat hätte auf eine andere Art und Weise stattgefunden. Das weißt du ja gar nicht. Wir haben leider keine Parallelwelt in der wir das nachschauen können.
denn Jesus hat dieses Schicksal ja bereits erwartet.
Nun, hier kommen wir jetzt zur Frage in wie weit Jesus und Gott die Zukunft kannten. Und dann ist man wieder in dem Dilemma bzw. einem Paradox gefangen bzgl. der Allwissenheit. Das Fass will ich hier eigentlich nicht aufmachen.
Für mich stellt sich die Frage, warum sein Handeln überhaupt als "Verrat" dargestellt wird,
Judas kannte weder Gottes Plan, noch wusste er, dass der Tod Jesu so eine hohe Bedeutung hat. Dennoch hat er Jesus ausgeliefert mit den Wissen, dass es für Jesus sehr schlimm ausgeht. Entsprechend ist sein Handeln zu betrachten. Du kannst gerne ein anderes Wort finden, dass sein Handeln besser beschreibt. Ich hänge nicht am Wort "Verrat" fest.
Vielleicht wäre ohne den "Verrat" Jesus ja am Leben geblieben und die Erlösungstat hätte auf eine andere Art und Weise stattgefunden. Das weißt du ja gar nicht. Wir haben leider keine Parallelwelt in der wir das nachschauen können.
Dann hätte Judas aktiv den Plan des allmächtigen Gottes durchkreuzt... nach Lukas wäre das sogar Satan persönlich gewesen, der ja in Judas fuhr, um den Verrat zu planen.
Nun, hier kommen wir jetzt zur Frage in wie weit Jesus und Gott die Zukunft kannten.
Während des Abendmahls wurde Jesus sehr konkret... auch während seines Gebetes, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge. Da wird schon sehr deutlich, dass er wusste, was kommen würde.
Judas kannte weder Gottes Plan, noch wusste er, dass der Tod Jesu so eine hohe Bedeutung hat.
Judas war beim Abendmahl dabei, als Jesus seine Ankündigungen machte. Die anderen Jünger mögen vielleicht nicht verstanden haben, was er meinte - Judas musste es eigentlich wissen, bei dem, was er vorhatte.
Dennoch hat er Jesus ausgeliefert mit den Wissen, dass es für Jesus sehr schlimm ausgeht. Entsprechend ist sein Handeln zu betrachten. Du kannst gerne ein anderes Wort finden, dass sein Handeln besser beschreibt. Ich hänge nicht am Wort "Verrat" fest.
Ich würde es "Gottes Plan ausführen" nenne... auch wenn es nur unbewusst war.
Uns steht es gar nicht zu zu urteilen.
Hat Judas bereut? Ja. Sogar so sehr, dass er in den Suizid ging.
Vermutlich hat er den Druck nicht ausgehalten, denn Druck der Verfolgung, der bereits zu spüren war. Sein Glaube nicht genug um ihn zu stützen...
Und in der Folge ist auch Petrus gefallen.
Uns warnt auch die Schrift: Wer zu stehen glaubt sehe zu, dass er nicht falle...
Letzten Endes ging Jesus nicht wegen Judas Verrat ans Kreuz sondern unserer aller Sünden wegen.
Lasst uns Judas als warnendes Beispiel nehmen im Fallen nicht noch mehr Unsinn zu machen. Ich bin sicher: Jesus hätte ihm vergeben. Ob er es hat, ob Judas noch um Vergebung gebeten hat... das wissen wir nicht.
@lucan-7 Ich habe vor vielen Jahren ein Buch gelesen: "Judas,. der Freund ..." Da ging es um ein Bild in einer Kirche im französischen Burgund, wo Christus dargestellt wird, wie er Judas trägt (nach Hause trägt). Ich habe dieses Buch mit großem spirituellem Hweinn gelesen. Die Barmherzigkeit Gottes ist größer als unsere menschlichen Vorstellungen.
Ich tue mich mit de m Verlinken wegen meiner Spasti-Finger schwer. Vielleicht magst du es selbst googeln.
Ich tue mich mit de m Verlinken wegen meiner Spasti-Finger schwer. Vielleicht magst du es selbst googeln.
du meinst das hier:
Da geht es wohl um die Gnade, die so groß ist, dass sie sogar Judas betrifft... beim link gibt es eine kurze Zusammenfassung.
Veröffentlicht von: @adjutanteUm Gläubige zu beruhigen, dass es nicht an ihnen liegt, wenn andere nicht „zum Glauben finden“?
Darum geht es ganz gewiss nicht. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst.
Es ist Gott, der Glauben schenkt und der Mensch, der das wahrnehmen kann, annimmt und darin seinen Weg (bewusst mit Gott - mal mehr, mal weniger) geht oder der das nicht realisiert und den Gott ebenso auf seinem Weg begleitet (ohne das Bewusstsein dafür). Wann sich wer für Gott und Seine Realität öffnet und wie viel er dabei erkennt, erahnt, welche Zuordnungen er trifft, das ist völlig individuell. Es sind nicht wir, die entscheiden und damit festhalten - ich hab es umrissen („bin erlöst“), also ist Gott „auf meiner Seite“.
Die Aussage mit der Entscheidung ist mir bekannt. Ich denke, Glaube ist einerseits komplexer, viel differenzierter und individueller (Herkunft, Prägung, Verständnis, Auseinandersetzung, Vertiefung, Neigung, …) und andererseits viel einfacher (ja/ nein | jetzt/ noch nicht/ nie). Für mich gilt: Ich sehe jeden Menschen von Gott geliebt und über dessen „Stand“ auf seinem Lebens- wie Glaubensweg habe ich nicht zu urteilen.