Ungläubige die am Abendmahl teilnehmen
Wie geht ihr damit um, wenn Menschen, von denen ihr wißt, dass sie noch nicht bekehrt sind, ohne weiteres am Abendmahl teilnehmen?
@learner
1. Da ich keinen göttlichen Durch - und Überblick habe, maße ich mir nicht an, darüber zu befinden, wer würdig und wer unwürdig ist, am Abendmahl teilzunehmen.
2. hat schon einst Paulus geschrieben, dass ein Jeder sich selbst prüfen soll, ob er würdig ist, am Abendmahl teilzunehmen.
Weswegen ich gut daran tue, bei mir selbst zu bleiben und nicht Verantwortung zu übernehmen für Andere.
3. gibt mir diese von mir vermutete unrechtmäßige Teilnahme die Gelegenheit, hinterher ein neues Geschwisterteil zu begrüßen und .mit ihm zu freuen, dass auch er/sie jetzt eine Beziehung zu Jesus und Gott hat.
Wo genau ist jetzt dein Problem?
Grundsätzlich hatte ich schon immer Probleme damit, Menschen, die - wann wo wie auch immer - am Abendmahl teilnehmen wollen, davon auszuschließen ... sei es katholischerseits (Verweigerung für Geschiedene oder Nicht-Katholiken) oder "freikirchlich" ("Nicht-Bekerhrte", "Nicht-Glaubensgetaufte").
Jesus selbst (!) hat ja wohl keinen ausgeschlossen von seiner Tischgemeinschaft - sondern war gerade darin ja so anstößig, dass er "mit Zöllnern und Sündern" zu Tische saß und in deren Häuser eingekehrt sind.
Die Frage, wie das "unwürdig" und "sich selber zu Gericht" in 1. Korinther 12, 27 + 29 einzuordnen ist, verstehe ich im Zusammenhang des Kapitels so, dass Paulus die Korinther dafür kritisiert, dass sie "unwürdig" das Gemeinschaftsmahl feiern, wenn sie (V. 18-22) zerstritten, unversöhnlich, arrogant & ignorant, als rivalisierende Grüppchen und sozial gespalten als & am "Leib des Herrn" Anteil haben wollen (hungrig die einen, die nix haben und die man missachtet ... maßlos, in Fülle & betrunken die anderen, mit 'Hoch die Tassen') - so jedenfalls lese ich den Kon-Text der Paulusworte.
Ich finde es auch traurig, wenn gerade die Sensiblen und Gewissenhaften nach der Abendmahlseinladung sitzen bleiben und sich den Gang selbst verweigern, weil sie sich "unwürdig" fühlen (und dabei bestimmte Verfehlungen oder aktuelle Entfremdungen von Gott in sich tragen) ... Gerade sie sollten doch Vergebung, Zuspruch und Befreiung erleben, weil sie ihrer gerade besonders bedürfen ... Und ich glaube, dass Gott gerade ihnen nicht sagt: "Bleib sitzen und untersteh Dich!"
L'Chaim
Kleiner Einwand. Das 'unwürdig' ist kein Adjektiv auf die Teilnehmer bezogen, sondern ein Adverb zu ihrem profanierenden Umgang mit den Elementen Brot und Wein, d.h. wie normale Mahlzeitenbestandteile gewertet und nicht als Leib und Blut des HERRN.
Veröffentlicht von: @awhlerIch finde es auch traurig, wenn gerade die Sensiblen und Gewissenhaften nach der Abendmahlseinladung sitzen bleiben und sich den Gang selbst verweigern, weil sie sich "unwürdig" fühlen (und dabei bestimmte Verfehlungen oder aktuelle Entfremdungen von Gott in sich tragen) ... Gerade sie sollten doch Vergebung, Zuspruch und Befreiung erleben, weil sie ihrer gerade besonders bedürfen ... Und ich glaube, dass Gott gerade ihnen nicht sagt: "Bleib sitzen und untersteh Dich!"
Meine Vermutung ist, dass es oftmals die 'Falschen' sind, die sich von gewissen Aussagen angesprochen fühlen.
Jesus selbst (!) hat ja wohl keinen ausgeschlossen von seiner Tischgemeinschaft - sondern war gerade darin ja so anstößig, dass er "mit Zöllnern und Sündern" zu Tische saß und in deren Häuser eingekehrt sind.
Siehst du keinen Unterschied zwischen einem Abendessen unter Freunden und dem Abendmahl? Das letzte Abendmahl mit den berühmten Einsetzungsworten war ja kein Abendessen mit Zöllnern und Sündern, sondern ein ganz besonderer Abend nur mit den zwölfen. Nicht mal die Frauen waren dabei.
Ich finde es auch traurig, wenn gerade die Sensiblen und Gewissenhaften nach der Abendmahlseinladung sitzen bleiben und sich den Gang selbst verweigern, weil sie sich "unwürdig" fühlen
Geht mir genau so. Ich glaube, sich nicht würdig zu fühlen ist ein gutes Anzeichen dafür, daß man zum Tisch des Herrn laufen sollte 😉
Wobei ich der Meinung bin, dass man der Gemeinde und evtl Gästen schon deutlich kommunizieren muß, was das Abendmahl für eine Bedeutung hat und man nicht einfach so hinspazieren sollte, wenn man keine Ahnung hat, was es für einen Christen bedeutet. Das ist das Mindeste und da hat auch meiner Meinung nach die Gemeinde eine Verantwortung.
Guten Morgen ...
Du schreibst: "Siehst du keinen Unterschied zwischen einem Abendessen unter Freunden und dem Abendmahl? Das letzte Abendmahl mit den berühmten Einsetzungsworten war ja kein Abendessen mit Zöllnern und Sündern, sondern ein ganz besonderer Abend nur mit den zwölfen. Nicht mal die Frauen waren dabei".
Ich versuche eine Antwort ...die hat für mich drei Aspekte, die Dinge zusammenzudenken.
Die Tischgemeinschaft Jesu zu Lebzeiten war ja (Du fragst nach dem Unterschied zum Abendmahl) nicht nur das mit seinen Jüngern ein "Abendessen unter Freunden", sondern Jesus hat die vergebende, annehmende und liebevolle Gemeinschaft (darüber hinaus) immer wieder mit den "Zöllnern und Sündern" gesucht und zu Niemandem gesagt: "Mit Dir will ich keine Tischgemeinschaft!" ... Dass er das getan hat, war gelebte Liebe Gottes für Alle, reines Evangelium, Gnade und barmherzige Zuwendung, Seine Widersacher hat das empört, weil er die Grenzen nicht eingehalten hat ...
Das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern war darüber hinaus tatsächlich nocheinmal etwas spezielles und bessonders. Es war das Abschiedsmahl, das sie als Passah-Mahl gefeiert haben, mit dem Jesus sich und die Seinen in die große Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk (den Exodus aus Ägypten) gestellt hat ... Und es war die von ihm vorgenommene Verknüpfung mit sich und dem Heil, das die Welt in ihm (seiner Hingabe am Kreuz, seinem Fleisch und Blut) finden wird ... Für uns das gestiftete Abendmahl, das wir weiter feiiern "zu seinem Gedächtnis", zur Vergebung unserer Sünden und um Anteil zu haben an seinem Leib ...
Der Bogen von der Tischgemeinschaft Jesu zu Lebezeiten über das letzte besondere Abendmahl mit seinen Jüngern zu uns und unserer Abendmahlspraxis heute, sehe ich darin, dass weiterhin ALLE eingeladen sind und eingeladen bleiben, an seinem Heil Anteil zu bekommen - konkret auch jeder, der in unseren Kirchen und Abendmahlsfeiern kommt und die Gaben annimmt.
Die Verantwortlichkeit zur rechten Anteilnahme liegt zum Einen darin, im Vollzug, in Einladung und Liturgie klar zu benennen, was da gefeiert wird (so die Verlesung des Abendmahltextes, das Bußgebet, das Glaubensbekenntnis bis hin hin zum "Kommt, denn es ist alles bereit! Lasst uns sehen und schmecken, wie freundlich Gott zu uns ist!", so der Text bei uns) ... und zum Anderen liegt die Verantwortung (= die ver.ANTWORT-ung) bei Jedem, der nun kommen darf und nicht ausgeschlossen sein soll, das Mahl ernst zu nehmen und sich hineinnehmen zu lassen in den Zuspruch und die Einladung zum Glauben, zur Nachfolge und zur Teilhabe am Leib Christi, der Gemeinde ...
Puuuh, soviel geschrieben, der Morgenkaffee am PC ist ausgetrunken ... hoffentlich nicht viele Fehler beim Schnelltippen! ;-))
L'Chaim
Puuuh, soviel geschrieben, der Morgenkaffee am PC ist ausgetrunken ... hoffentlich nicht viele Fehler beim Schnelltippen! ;-))
Du hast das gut erklärt, ich denke, dass wir beide dasselbe meinen, es aber etwas anders formuliert haben. So wie Du es sagst, kann ich es auf jeden Fall auch für mich bestätigen 😉
Prost!
Veröffentlicht von: @awhlerDie Frage, wie das "unwürdig" und "sich selber zu Gericht" in 1. Korinther 12, 27 + 29 einzuordnen ist, verstehe ich im Zusammenhang des Kapitels so, dass Paulus die Korinther dafür kritisiert, dass sie "unwürdig" das Gemeinschaftsmahl feiern, wenn sie (V. 18-22) zerstritten, unversöhnlich, arrogant & ignorant, als rivalisierende Grüppchen und sozial gespalten als & am "Leib des Herrn" Anteil haben wollen (hungrig die einen, die nix haben und die man missachtet ... maßlos, in Fülle & betrunken die anderen, mit 'Hoch die Tassen') - so jedenfalls lese ich den Kon-Text der Paulusworte.
Ich sehe das ganz genauso. Danke Dir!
Veröffentlicht von: @chaiMeine Vermutung ist, dass es oftmals die 'Falschen' sind, die sich von gewissen Aussagen angesprochen fühlen.
Genau. Diejenigen, die gebeugt sind und eigentlich dringend diese Gemeinschaft nötig hätten, bleiben dann sitzen, und die "Damen & Herren", die Creme de la creme der Gemeinde geht nach vorne und hat Gesprächsstoff für das nächste Kirchencafé ...
🙄
und die "Damen & Herren", die Creme de la creme der Gemeinde
Wer ist denn die "Creme de la creme" in einer Gemeinde? Das ist nicht sarkastisch gemeint, ich versteh es einfach nicht.
@learner
Bei Katholiken wäre das im weiteren Sinne, die in schwerer Sünde verharren oder es generell nicht ernst nehmen.
Leider kann man das von aussen nicht so einfach beurteilen.
Manchmal fängt man an zu Urteilen, aber man sollte das besser verwerfen.
Kennt man jemanden aber persönlich sollte man eigentlich - um dessen und auch Christi Opfer Willen, ihn darauf zumindest Ansprechend. In jeder Situation ist das aber nicht so einfach.
@learner
Wie geht ihr damit um, wenn Menschen, von denen ihr wißt, dass sie noch nicht bekehrt sind, ohne weiteres am Abendmahl teilnehmen?
Wie wäre es denn mit: "Ich frage sie mal, warum sie denn am Abendmahl teilnehmen wollen?"
Und weil ich sicher bin, dass du dir genau diese Frage bereits gestellt hast, werde ich sie dir gerne beantworten... denn ich war ja einer dieser "Nichtbekehrten", die frecherweise am Abendmahl teilgenommen haben!
Angefangen hat das ganze ja mit meiner Konfirmation, mit der ich auch ganz offiziell die Erlaubnis erhielt, am Abendmahl teilzunehmen.
Damit könnte ich die Sache eigentlich schon beenden, Frage beantwortet, fertig! Aber es wurde ja komplizierter... auf meiner Suche erfuhr ich ja, dass andere Christen das Abendmahl ganz anders verstanden als ich es in der evangelischen Kirche gelernt hatte. Und die Sache in der evangelischen Kirche... na ja, das war ja eh alles nur so pro forma, wirklich "gläubig" fühlte ich mich da nicht.
Aber ich war ja auf der Suche, und so sprach ich unter anderem auch mit Katholiken. Und die sagten mir, dass es vor allem wichtig sei, dass ich den Unterschied verstehe. Würde ich verstehen, was ich da tue, dann sei es auch kein Problem. Und so nahm ich dann am katholischen Abendmahl teil, ausdrücklich auch nach Aufforderung durch den Pfarrer, dass jeder dort willkommen sei... entgegen den Richtlinien der katholischen Kirche, was mich schon damals etwas wunderte.
Dass ich dann auch an anderer Stelle an einem Abendmahl teilnahm, das ein Kardinal austeilte, ging dann aber in dieser Hinsicht, das muss ich einräumen, schon etwas zu weit... ich konnte wohl kaum voraussetzen, dass dieser es genau so sehen würde. Allerdings, so rechtfertigte ich es zumindest vor mir selbst, war ich ja auf der Suche nach Jesus, und dies müsse dann doch, nach katholischer Lehre, eine Gelegenheit sein, ihm nahe zu kommen, so wie ich es ja wollte...
Nachdem aber meine Suche erfolglos blieb nahm ich auch nicht mehr am Abendmahl teil. In mehreren Gottesdiensten - in diesem Fall dann evangelisch und evangelikal - wurde dann auch ausdrücklich gesagt, dass das Abendmahl nur für jene gedacht sei, die fest in ihrem Glauben stehen... was ich dann auch respektierte (Zumal die Leute dort meine Zweifel kannten...).
Ich erinnere mich dann auch an einen weiteren katholischen Gottesdienst, in dem der Pfarrer (Oder Bischof? War schon etwas größer...) nicht müde wurde zu betonen, dass doch niemand außer wahren Katholiken das Recht hätte, am Abendmahl teilzunehmen, und dass kein Nichtkatholik es wagen sollte, dergleichen zu versuchen... er steigerte sich derartig in seine Rede gegen alles Nichtkatholische hinein, dass ich mir schließlich sagte: "OK... hier bin ich wohl unerwünscht!" und daher den Gottesdienst während seiner Rede verließ.
Für mich ist klar, dass ich seitdem nicht mehr am Abendmahl teilnehme, und habe es auch im Gottesdienst, in den ich vor kurzem dank familiärere Umstände nach etwa 20 Jahren geriet, nicht getan.
Ich würde mich dem aber auch nicht verweigern, wenn ich darum - aus welchen Gründen auch immer - gebeten würde und alle Beteiligten meine Einstellung kennen - heißt: Ich würde mich nicht mit Händen und Füssen dagegen sträuben, gerade weil es keine tiefere Bedeutung für mich hat.
Aber ich wüsste nicht, warum das jemand tun sollte und mir fällt auch kein vernünftiger Grund für so etwas ein... das wird also mit ziemlicher Sicherheit nicht passieren.