Woher kommt das Bibel-Dogma?
Ich frage mich schon seit vielen Jahren, woher das Dogma kommt, an dem auch viele der hier im Forum aktiven Mitglieder festhalten. Nämlich, dass die Bibel das Wort Gottes ist, alles für die Gläubigen Wichtige darin enthalten ist, es kein darüber hinaus gehendes Wort Gottes gibt (zumindest nicht in schriftlicher Form) und dass sie der (einzige) Maßstab zur Überprüfung von Glaubensinhalten ist.
Bisher konnte mir noch niemand eine Antwort darauf geben. Mir erscheint das sehr seltsam, weil es so viele glauben, aber niemand jemals darüber zu sprechen scheint. Wie ein gut gehütetes Geheimnis, in das ich nicht eingeweiht werden soll. Vergleichbar damit, dass Fußball der tollste Sport und Bier ein leckeres Getränk ist, was mir auch noch niemand erklärt hat. 😉 Vielleicht fällt das aber auch alles in die Kategorie "Entweder Du fühlst es, oder Du fühlst es nicht." Aber dann würde ich gerne zumindest darüber Klarheit haben.
@suchender_2-0
Im Mittelpunkt bei deiner "Hinterfragung" (... was macht die Bibel zu so einer "stabilen Marke"? - von Dogma würde ich nicht sprechen) sehe ich den drei-einigen Gott. Im Glauben wachsen wir ja nicht im (sturen) Festhalten an Glaubenssätzen sondern indem wir uns (immer wieder neu) damit befassen. Gottes Wort ist u.a. ja auch lebendig und es macht lebendig.
Wie uns allen bekannt - bitte korrigiert mich, was Details oder Ungenauigkeiten angeht: 1) Jesus berief sich auf die Heiligen Schriften der Juden, die von Gott und den Erfahrungen des Volks Israel mit Gott zeugen. 2) Nach Jesu Tod entstanden Schriften, die von Jesu Leben, Tod und Auferstehung berichten und die damals entstandene Gemeinden ermutigen und korrigieren.
Es besteht also eine Glaubenstradition, die an "das Wort" gebunden ist. Gott schuf durch Sein Wort. Er spricht zu uns. Er offenbart sich in Seinem Wort und Er ist das Wort. Spannend dabei ist, dass wir mit der Bibel als Richtschnur gleichzeitig geeint sind und dennoch individuell glauben
Nicht zu vergessen: Gott spricht zu uns durch Seinen Geist - aber sicher nicht ausschließlich durch die Bibel. Nur - was Er (uns) Menschen ins Herz gibt, wird sich an bzw in der Bibel messen lassen können.
@seidenlaubenvogel Danke für Deine Worte zum Thema.
Mir geht es bei diesem Thema eher um eine sehr eng gefasste Vorstellung vom Wort Gottes, die nicht meiner Erfahrung mit Gott entspricht. Und diese Vorstellung scheint für viele dogmatisch zu sein.
Was ich verstehen möchte ist, wo diese eng gefasste Vorstellung ihren Ursprung hat und ob es dafür eine nachvollziehbare Begründung gibt. Bisher bin ich beim Thema Ursprung nur bei Luther gelandet ("sola scriptura") und beim Thema Begründung nur bei Gegenargumenten. Also Argumenten dafür, dass die Vorstellung falsch ist. Aber ich bin kein Mensch, der so leicht aufgibt ...
@suchender_2-0
Was du beschreibst sagt mehr über den Menschen als über die Bibel aus. Der Mensch mag es ,(meist) gern verlässlich, sicher und in Schubladen gepackt. Interessanterweise "schenkt" das die Bibel und gleichzeitig fordert sie uns auch heraus, da sie ja durchaus auch "sperrig"
"Eng gefasste Vorstellung vom Wort Gottes" - was genau meinst du damit? Dass nur die Bibel als Wort Gottes gilt? Was meinst du mit "deiner Erfahrung mit Gott"? ... wir machen doch alle "weitere" Erfahrungen (neben wie mit der Bibel) - z.B. mit Predigt oder Gebet, um nur mal zwei Beispiele zu nennen.
@seidenlaubenvogel Leider stellt man ja häufig fest, dass man im Gespräch zu einem Sachthema letztendlich nur etwas über die Menschen erfährt, mit denen man sich unterhält, und nicht über die eigentliche Frage. Ich bin jemand, der sich sehr für Ideen und deren Ursprünge interessiert. Also, wie gewisse Ideen und Vorstellungen in die Welt gekommen sind.
Dass der Mensch es gerne verlässlich, sicher und kategorisiert mag, ist allzu richtig. Sowohl die Religionen als auch die Philosophie und die Wissenschaften zeigen dies überdeutlich. Interessanterweise zeigen gerade die Naturwissenschaften aber auch, dass unsere Kategorisierungen letztendlich nicht haltbar sind. Je genauer man hinschaut, desto mehr zeigt sich, dass es die klaren Grenzen zwischen den erdachten Kategorien nicht gibt. Wo verläuft zum Beispiel die Grenze zwischen Pflanze und Tier und wo zwischen Tier und Mensch? Auch die Vorstellung, dass man die (materiellen) Dinge überhaupt klar voneinander abgrenzen kann ("Hier steht ein Tisch, darauf liegt ein Apfel und da drüben steht meine Oma"), erweist sich beim genauen Hinschauen als Illusion, wie die Quantenmechanik zeigt. Die Natur ist eigentlich ganz anders als wie wir sie uns vorstellen. Umso mehr denke ich, sozusagen als Analogieschluss, dass Gott eigentlich ganz anders ist als wir ihn uns vorstellen. Denn Gott hat ja diese Welt geschaffen und sie spiegelt seine Gedanken wider. Gott kann ich mir deshalb nicht als einen Gott der Definitionen, Abgrenzungen und Trennungen vorstellen, und ich erlebe ihn auch nicht so. Speziell halte ich die Vorstellung, dass die Bibel in ihrer kanonischen Form das klar von allen anderen Schriften (ob christlich oder nicht) abgegrenzte und eindeutig definierte Wort Gottes sei, für nicht kompatibel mit unserem Verständis von der Wirklichkeit.
@suchender_2-0
Falls du dich mal über jemanden wundern sollte, der dich persönlich angreift, weil du einige Schriftworte im übertragenden Sinn verstehst: Manche beziehen auch das Sola Fide Luthers auf die Schrift und meinen, sie werden nur dann errettet, wenn sie wirklich alles in der Schrift glauben, also wirklich Buchstabe für Buchstabe. Logischerweise ist für sie jeder, der die Bibel nicht buchstäblich versteht, ein Versucher, der Zweifel in ihnen wecken will, um sie von der Errettung abzubringen. Im Extremfall wirst du dann als der Leibhaftige in persona angesehen. Aber wenn man diese Hintergründe kennt, kann man ganz gut damit umgehen.
@suchender_2-0 Wenn man an etwas glaubt, dann ist das so. Wenn man aber diesen Glauben in Frage stellt, dann gibt es wohl Fragen an diesen Glauben. So ist es jedenfalls bei mir. Ein Suchender will irgend etwas finden. Ich bin auch suchend, ewig suchend, so wie mir scheint. Aber was soll ich finden? Nix vielleicht. Oder doch was? Keine Ahnung. Soviel Menschen keine Ahnung haben, solange sind sie z.B. nicht für einen Kapitalismus. Und was soll ich sagen, die Menschen verstehen den Kapitalismus auch garnicht, weil sie kein Geld haben. Nur wenige Menschen verstehen den Kapitalismus, Menschen ohne Kapitalisums können den auch garnicht verstehen. Hm, also an was glaubt man, an den Armut? Oh shit! Ich bin im Jesus-Forum! T'schuldigung für den Kapitalismus...
@suchender_2-0 hallo Suchender,
Danke für die Nachfrage.
Es ist so, das Jesus in der Tat kein Buch in dem Sinn hinterlassen hat. Er hinterließ seine Gemeinschaft die Ekklesia und sandte seinen Geist.
Diese Gemeinschaft fasste ca. 400 Jahre danach die Sammlung von authentischen Schriften der Apostel, zusammen.
Das Buch ist wenn ich es richtig weis zwar die heilige Schrift, aber nicht Gottes Wort. Also nicht in dem Sinn wie zum Beispiel der Koran als vom Himmel gefallen angesehen wird
Jesus ist das lebendige Wort Gottes! Die Schriften sie zeigen von Ihm, man kann ihm darin begegnen. Das Gedächtnis der Frühkirche ist die Tradition.
Was Du meinst ist "Sola Scriptura". Das ist ein neuerer Ansatz von Martin Luther oder seinen Nachfolgern, den man vorher so eigentlich nicht geglaubt hat. Ich halte den nicht für richtig.
Grüße Eddie
Die Schriften zeugen von ihm soll's heißen
@suchender_2-0 ein Interview von Jung und Naiv hat mir viele der Fragen, die du wohl auch hast, beantworten können:
https://www.youtube.com/watch?v=CdkbPOmmTVo
Gruß und alles Gute 🙂
@dacobius Danke! Ich schaue es mir an.
@dacobius Uff, über drei Stunden. Wo im Ganzen wird denn das Thema hier angesprochen?
@lhoovpee îch habe doch genau an einem Zeitpunkt den youtubelink gesetzt andem der Theologe über nicht historische Quellen spricht. Timecode: 14:16
Er sagt[...] es ist ev. nicht historisch was die Quelle sagt, aber wenn wir herausfinden, was der Autor mit
der Aussage für eine Absicht hat, dann haben wir echte Geschichte.[...]
@dacobius
îch habe doch genau an einem Zeitpunkt den youtubelink gesetzt
Der Link enthält kein Timecode. Das Video fängt bei 0:00 an.
Timecode: 14:16
Ok, dann höre ich da mal rein. Danke.