Bibellesen zweitrangig
So gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:
- In den ersten 1500 Jahren der Kirchengeschichte besaßen die wenigsten Menschen eine eigene Bibel oder konnten lesen. Dennoch hatten sie einen festen Glauben, denn dieser entsteht primär durch das Hören der mündlichen Verkündigung: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17).
- Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
- Ohne die Auslegung durch die Gemeinschaft und fundierte Begleitung führt das alleinige Lesen schnell zu Missverständnissen und Fehlern: „Dabei müsst ihr vor allem bedenken, dass keine Prophetie der Schrift eine Sache privater Auslegung ist“ (2. Petr 1,20).
- Christus wird für den Einzelnen vor allem im gemeinsamen Sakrament erfahrbar, was das gedankliche Studium von Texten weit übertrifft: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Kor 10,16).
- Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
- Am Ende zählt für die Rettung nicht das theoretische Textwissen, sondern das praktische Tun und die gelebte Nächstenliebe im Alltag: „Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).
- Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt; die tragende Säule der Wahrheit ist daher die Gemeinschaft: „...die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Fundament der Wahrheit“ (1. Tim 3,15).
- Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
- Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
- Jesus selbst hat seinen Jüngern keine Bücher hinterlassen, sondern den Heiligen Geist, der die Gemeinschaft der Glaubenden auch ohne geschriebenes Wort leitet und erinnert: „Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26).
Geht es euch ähnlich?
Veröffentlicht von: @holger-fSo gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:
[...]
Geht es euch ähnlich?
Mir persönlich ist das Selber-Lesen der Bibel in Ruhe und in meinem eigenen Tempo und mit Grundtext-Wortstudien schon wichtig und keineswegs zweitrangig - sowohl alleine als auch zu Zweit oder im Hauskreis. Und ich denke, damit bin ich in guter Gesellschaft:
Die Brüder aber schickten sogleich während der Nacht Paulus und Silas nach Beröa, wo sie sich nach ihrer Ankunft in die Synagoge der Juden begaben. Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte. Es wurden deshalb viele von ihnen gläubig, auch nicht wenige der angesehenen griechischen Frauen und Männer. (Apostelgeschichte 17,10-12)
Auch wenn das gemeinschaftliche Hören früher, als nur wenige Menschen lesen konnten oder eine Bibel besaßen, der übliche Zugang zum Wort Gottes war, heißt das ja nicht, dass das für alle Zeiten so bleiben sollte. Gott wacht doch über Sein Wort und sicher auch darüber, dass spätere Generationen mit anderen Lebensgewohnheiten "ihren" Zugang dazu finden würden. Predigten und Auslegungen werden dadurch nicht überflüssig, sondern ergänzt; und auch das Gemeinschaftliche bleibt weiterhin Kern gelebten Glaubens.
Mir persönlich ist das Selber-Lesen der Bibel in Ruhe und in meinem eigenen Tempo und mit Grundtext-Wortstudien schon wichtig und keineswegs zweitrangig - sowohl alleine als auch zu Zweit oder im Hauskreis. Und ich denke, damit bin ich in guter Gesellschaft:
Mir auch! Um es zu konkretisieren: Die täglichen katholischen Lesungen sind für mich Grundlage für meine Bibelstudien geworden…
Deine „Grundtext-Wortstudien“ in allen Ehren. Aber welchen Wert haben sie für andere Christen? Vor allem, wenn sie zu anderen Ergebnissen führen?
Sind für dich verschiedene Ergebnisse von „Grundtext-Wortstudien“ überhaupt ein Problem?
Hallo Holger,
hier wurde schon einiges zu deinen "Thesen" gesagt, da möchte ich nicht wiederholen.
Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass ich keine guten Erfahrungen mit Christen gemacht habe, die sich wenig mit Gottes Wort beschäftigt haben, bzw dachten, sie kämen ohne aus.
Für mein persönliches Glaubensleben möchte und werde ich auf keinen Fall drauf verzichten.
In den ersten 1500 Jahren der Kirchengeschichte besaßen die wenigsten Menschen eine eigene Bibel oder konnten lesen. Dennoch hatten sie einen festen Glauben, denn dieser entsteht primär durch das Hören der mündlichen Verkündigung: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17).
Weshalb man die Messe in den von allen verständlichen Latain abhielt. Den Gottesdienst liturgiesierte, und Volksglaube sehr eigenartige Blüte trieb und Aberglaube allgegenwärtig war, während man ablassbriefe kaufe um seine Seele vor dem Fegefeuer zu retten.
Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
Namenseregiester, Chroniken, Gesetzestexte, Ritualgesetze, eigenen sich herrvorragend als Gottesdiensterlebnisse, weshalb sie ja auch jeden Sonntag vorgelesen werden.
Die komplizierten Schachelsätze eines Paulus sind auch herrvorragend dafür geeignet vorgelesen zu werden. Liturgien wurden ja einfach so erfunden die hat es ja nicht gebraucht man konnte ja einfach den für alle verständlichen Text vorlesen.
Ohne die Auslegung durch die Gemeinschaft und fundierte Begleitung führt das alleinige Lesen schnell zu Missverständnissen und Fehlern: „Dabei müsst ihr vor allem bedenken, dass keine Prophetie der Schrift eine Sache privater Auslegung ist“ (2. Petr 1,20).
Die Auslegung durch die Gemeinschaft, hat ja immer die richtige Auslegung hervorgebracht, Marcion, Arius, Nestorius waren ja einfach nur individuuen und keine kirchenübergreifende Gemeinschaften.
Christus wird für den Einzelnen vor allem im gemeinsamen Sakrament erfahrbar, was das gedankliche Studium von Texten weit übertrifft: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Kor 10,16).
Weder noch.
Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
Sowohl als auch.
Am Ende zählt für die Rettung nicht das theoretische Textwissen, sondern das praktische Tun und die gelebte Nächstenliebe im Alltag: „Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).
Eine Rettung die man natürlich dann erhällt wenn man aus pflichbewusstsein und tradition eine Messe besucht und ab und an ein wenig Spendet.
Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt; die tragende Säule der Wahrheit ist daher die Gemeinschaft: „...die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Fundament der Wahrheit“ (1. Tim 3,15).
Ach stimmt hatte ich vergessen 4/5 der Bibel enstand ja erst nach dem Erlösungswerk Christi.
Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
Uriella kann dir da nur Zustimmen, ihr Badewasser gibt es immer noch zu kaufen.
Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
Und rein spritiueller Glaube ohne feste Verankerung in der Schrift, hat natürlich zu jederzeit immer Menschen zu Gott geführt.
Jesus selbst hat seinen Jüngern keine Bücher hinterlassen, sondern den Heiligen Geist, der die Gemeinschaft der Glaubenden auch ohne geschriebenes Wort leitet und erinnert: „Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26)
Stimmt die 24 Bücher die bereits da waren, waren nicht für die Jünger gedacht, darum haben sie nicht darin gelesen, haben nicht daraus Zitiert, haben ihr Handeln nicht danach gerichtet, haben sich in Diskusionen nicht darauf gestützt und haben sie generell ignoriert. Ganz abgesehen davon das Jesus selbst 10 Wörter auf zwei Steintafeln geschrieben hat.
Wie du merkst ist dies ein sehr sarkastischer Kommentar zu deinem Beitrag. Während du zwar einige gute Punkte anbringst die manchmal nicht genug betonung finden, ist die Summe deiner Lommentare und die Absolutheit mit der sie verfasst sind und die generelle Aussage die du machst faktisch und praktisch falsch.
>>Weshalb man die Messe in den von allen verständlichen Latain abhielt. Den Gottesdienst liturgiesierte, und Volksglaube sehr eigenartige Blüte trieb und Aberglaube allgegenwärtig war, während man ablassbriefe kaufe um seine Seele vor dem Fegefeuer zu retten.<<
1 Erstens sprichst du richtigerweise in der Vergangenheitsform.
2 Zweitens war Latein genau die Sprache, in der sich über Jahrhunderte über Sprachbarrieren hinweg verständigen konnte.
3 Drittens wurde die Homilie (Predigt) - was dich freuen dürfe - schon immer in der Landessprache Deutsch gehalten.
4 Viertens: die Lesungen wurden oft/ meist nach der lateinischen Liturgiefassung noch einmal in Deutsch verlesen.
5 Fünftens besteht das sog. Ordinarium (Kyrie, Gloria etc.) aus wenigen Texten, deren Sprache egal ist. Da sie sich in jeder Messe wiederholen, versteht man sie auch in Frankreich, im Sengal oder in Timbuktu.
6 Sechstens empfinden viele noch heute die lateinische Messe als überaus angemessen, da sie die Heiligkeit und Würde der Messfeier auf besondere Weise auszudrücken vermag.
7 Zum katholischen Volksglauben würde ich dann doch gerne einige Beispiele des nicht weniger bemerkenswerten, blütentreibenden protestantischen Volksglaubens anfügen.
Da gab es z.B. den Kult um die „Unverbrennlichkeit“ von Lutherbildern: Bei Stadtbränden warfen Gläubige Porträts Luthers in die Flammen, um das Feuer abzuwehren. Ähnlich wurde die Lutherbibel als Fetisch verwendet, indem man sie zum Schutz vor Hexen in die Wiegen von Babys legte.
In bestimmten protestantischen Kreisen hat sich das sog. „Bibelstechen“ sogar bis in die Gegenwart erhalten, wobei mit einer Nadel orakelhaft das passende Bibelwort „erstochen“ wurde/ wird…
>> Namenseregiester, Chroniken, Gesetzestexte, Ritualgesetze, eigenen sich herrvorragend als Gottesdiensterlebnisse, weshalb sie ja auch jeden Sonntag vorgelesen werden.
Die komplizierten Schachelsätze eines Paulus sind auch herrvorragend dafür geeignet vorgelesen zu werden. Liturgien wurden ja einfach so erfunden die hat es ja nicht gebraucht man konnte ja einfach den für alle verständlichen Text vorlesen.<<
Solche Texte sind dermaßen unwichtig, dass sich dafür Theologen interessieren, ggf. auch besonders disponierte Laien, sicher aber nicht in die sonntäglichen Lesungen gehören…
>>Die Auslegung durch die Gemeinschaft, hat ja immer die richtige Auslegung hervorgebracht, Marcion, Arius, Nestorius waren ja einfach nur individuuen und keine kirchenübergreifende Gemeinschaften.<<
Welche Grundaussage willst du damit untermauern? Dass eine Auslegung in der Tradition einer Kirche (egal welcher) völlig sinnlos ist und die (nämlich unbedingt „meine“) individuelle Interpretation immer vorzuziehen wäre?
>>Eine Rettung die man natürlich dann erhällt wenn man aus pflichbewusstsein und tradition eine Messe besucht und ab und an ein wenig Spendet.<<
Das ist dermaßen antikatholisches Geschwätz, dass ich das einfach einmal so stehen lasse.
>>Ach stimmt hatte ich vergessen 4/5 der Bibel enstand ja erst nach dem Erlösungswerk Christi.<<
5/5
>>Uriella kann dir da nur Zustimmen, ihr Badewasser gibt es immer noch zu kaufen.<<
Was soll das?
>>Und rein spritiueller Glaube ohne feste Verankerung in der Schrift, hat natürlich zu jederzeit immer Menschen zu Gott geführt.<<
Aus welchem meiner 10 Punkte meinst du denn das herauslesen zu können? Ich könnte dir aus dem Stand von Christen berichten, die lediglich einen Bibelvers zum Maßstab für ein ganz neues spirituelles und der Nächstenliebe geweihtes Leben gemacht haben. Mit deiner Idealvorstellung eines Christen, der sich ohne Kirche und kirchliche Überlieferung in stubenhockerischer Manier eigenständig eine „feste Verankerung in der Schrift“ meint erarbeiten zu müssen, ist kirchengeschichtlich und auch aktuell der absolute Ausnahmefall. In der Heiligen Schrift finde ich diese individuelle Sichtweise überhaupt nicht…
>>gute Punkte anbringst die manchmal nicht genug betonung finden<<
Genau um die geht es doch. Thesenartige Punkte sind ausdrücklich zur Diskussion gedacht und keine apodiktischen Aussagen. Ich bin ziemlich überrascht, dass dich die vielen biblischen Selbstverständlichkeiten derart triggern… 😳
Was du als biblische Selbstverständlichkeiten bezeichnest sind Partialwahrheiten, sie sind Wahr aber eben nur ein Teil der Wahrheit.
Das die Bibel in den 1500 jahren die du ansprichst, vermeindlich nicht gelesen wurde (du blendest hier all die Disidenten Bewegungen auf Vorreformatoren aus), liegt zu einem grossen Teil am der Analphabetisierung der Befölkerung und der bewussten Zugangsbeschrenkung der Kirche zum Wort Gottes.
Ist es nicht bezeichnend, dass das römische Deutungsmonopol implodierte als die Massen lesen lernten und die Bibel breit verfügbar wurde. Luther war ja nicht der erste Reformator, Luther hat eine solche Breitenwirkung eben weil sich die Befölkerung nun ein eigenes Bild machen konnte, weil jeder sehen konnte das sie von der Kirche angelogen wurden (ja bewuste wortwahl). Würde die römische Deutung mit der Bibel konvergieren, dann hätte diese die öffentliche Beuruteilung überstanden. Denn es war ursprünglich nicht im intresse Luthers sich von der Kirch abzuspalten.
Ja nicht die Bibel lessen, in der Gemeinschaft, der Messe und in den Sakramenten kann man Gott erleben, da passiert der (einzig) Wahre Gottesbegegnung. Lies ja nicht ohne sorgefältige Anleitung und Erklährung die Bibel, da könnten dir noch komische Gedanken kommen, lass es am besten ganz sein wir wissen schon was Gut für dich ist. Wir haben die Autorität der Vikars Gottes auf Erden und die Tradtion der Kirche auf die wir uns stützen können.
Das ist der Vibe der bei deinen 10 Punkten rüber kommt und das ist der Vibe der mich Triggert. Sorry nein. Die R"K"K hat als eine von vielen Kirchen einiges positives aber auch viel negatives hervorgebracht.
In der heutigen Zeit gibt es schlicht keinen Grund die Bibel nicht selbst zu lesen. Jeder der an einer Beziehung zu Jesus interssiert ist sollte sich mit dem Wort Gottes ausseinandersetzen, und sich nicht auf die Tradition einer nicht wirklich katholischen Kirche stützen.
Deine Sichtweise will ich dir nicht nehmen. Die ist vermutlich gut begründet, so wie es uns mit unseren bescheidenen Möglichkeiten denn gelingen kann…
Du sprichst Luther an und ich denke, dass nur wenige Katholiken widersprechen würden, dass die Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten sehr zu bedauern ist. Ich für meinen Teil sehe mich da durchaus in der Pflicht, den einen oder andern ökumenischen Gedanken „in die Welt“ zu setzten…
Lass mich aber so offen sein, dir klar zu kommunizieren, dass du einen Antikatholizismus vor dir herträgst, bei dem ich mich gelegentlich frage, wer dir den „eingetrichtert“ hat.
Vor meinem Eintritt in die Katholische Kirche (womit ich selbst am allerwenigsten gerechnet hätte) war ich über 30 Jahren konfessionslos, habe mich aber mit allen möglichen theologischen Themen befasst. U.a. mit Kirchengeschichtsschreibung, also der Frage, wie kirchengeschichtliche Fakten in ein bestimmtes konfessionelles Gesamtbild eingefügt werden. Da mir keine Konfession besonders nahe stand, waren meine Überlegungen neutral, analytisch, wertfrei und in die historische Gesamtentwicklung eingebunden. Die Quintessenz ist nicht überraschend: Jede Konfession hat in ihrer Zeit Gutes und Schlechtes hervorgebracht. Wäre es anders, müsste man ja schon aus „historischen Gründen“ die eine oder andere Konfession für „die richtige“ halten. Dem ist aber leider nicht so. Je älter die Darstellungen der Kirchengeschichte sind, desto kritischer werden „die anderen“ dargestellt und man selbst im hellen Licht…
In deinen Beiträgen nehme ich immer wieder wahr, dass du ein mE eindimensionales Kirchengeschichtsbild im Kopf hast, das lange überholt ist, eigene Schattenseiten unterbelichtet, der eigenen konfessionellen Selbstvergewisserung dient und kaum ökumenetauglich ist…
Du sprichst Luther an und ich denke, dass nur wenige Katholiken widersprechen würden, dass die Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten sehr zu bedauern ist. Ich für meinen Teil sehe mich da durchaus in der Pflicht, den einen oder andern ökumenischen Gedanken „in die Welt“ zu setzten…
Wie gesagt Luther selbst wollte ursprünglich keine Spaltung, sondern eine Reformation der Kirche, und es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie das die meisten seiner Thesen im Konzil von Trient adressiert wurden und die Kirche sich dort Reformiert hat. Luthers Kritik an der römischen Kirche war berechtigt und eine Reformation nötig. Dass die römische Kirche sich reformiert hat, geschah aber nur wegen des Druckes von aussen.
Ökumene geschieht dann, wenn sich jeder Kirche in dieser Ökumene als eine von vielen auf Augenhöhe mit den anderen sieht.
Lass mich aber so offen sein, dir klar zu kommunizieren, dass du einen Antikatholizismus vor dir herträgst, bei dem ich mich gelegentlich frage, wer dir den „eingetrichtert“ hat.
Mein Antikatholizismus ist sehr partiell und spezifisch, ich bin nicht generell gegen die Kirche oder gegen alles was aus der römischen Kirche stammt.
Dieses Beharren auf dem Deutungsmonopol durch den Klerus ist eines davon. Eines der Mittel dieses Monopol aufrechtzuerhalten ist dieses Narrativ; dass die Bibel vom Laien nicht wirklich verstanden werden kann, und zu falschen Interpretationen führen wird. Grundsätzlich ist darin ein Funken Wahrheit enthalten, dass das uninformierte Lesen der Bibel wilde Blüten treiben kann, beweist die Geschichte ja zur Genüge.
Aber ebenso geschichtlich Evident ist, dass das theologische Gebäude der rkk, die öffentliche Überprüfung anhand der Bibel nicht überstanden hat. Der Katechismus (und ja ich habe ihn gelesen) ist heute an einem viel besseren Zustand als noch zu Luthers Zeiten und an vielen Punkten ist die rkk von extremen Positionen abgerückt und der protestantischen Position (oder soll ich sagen der biblischen Position) entgegengekommen. Aber wie gesagt diese Korrektur fand aufgrund äusseren Druckes statt. Gleichzeit sehe ich, wenn ich die römische Position mit der Orthodoxen vergleiche (welche zwar auch ihre Probleme hat), dann steht die Orthodoxe auf einem wesentlich gesünderen biblischen Fundament als dies die römische Kirche tut.
Die Westkirche hat einige Positionen eingenommen (und in einige davon hat der Protestantismus unreflektiert von der römischen Kirche übernommen) welche nicht wirklich einem biblischen Paradigma entspricht. Dazu kommt die Tatsache das wir heute mehr Zeitgenössische Literatur rund um das Leben von Jesus haben, als dies ein Augustinus oder ein Thomas von Aquin hatten. Wir wissen heute mehr über die Zeit zwischen 400 vChr. und 200 nChr. als man noch vor 100 Jahren wusste. Und daraus zeichnet sich ein Bild, das darauf hindeutet, dass die orthodoxe Lesart näher an der biblischen Sichtweise ist als die des Westens.
Ich bin nicht orthodox und habe auch bei dieser Kirche meine Vorbehalte.
Die Quintessenz ist nicht überraschend: Jede Konfession hat in ihrer Zeit Gutes und Schlechtes hervorgebracht. Wäre es anders, müsste man ja schon aus „historischen Gründen“ die eine oder andere Konfession für „die richtige“ halten. Dem ist aber leider nicht so. Je älter die Darstellungen der Kirchengeschichte sind, desto kritischer werden „die anderen“ dargestellt und man selbst im hellen Licht…
Da geb ich dir recht und je älter eine Kirche ist, desto mehr Späne sind geflogen. Ich meine, hier in der Schweiz war die Reformation für mehr Hexenverbrennungen und Hinrichtungen wegen Häresie verantwortlich als die römische Kirche in der langen Zeit davor. Aber darum geht es mir primär nicht einmal. Die Christologie wie sie im römischen Katechismus beschrieben wird oder wie es Papst Benedikt in seinem Buch beschreibt, finde ich sehr gut auch aus der Sicht eines Protestanten, und gleichzeitig klaffen grosse Lücken darin. Alttestamentliche Christologie ist praktisch inexistent, und Maria wird einem Buch über Christologie zu viel Raum gegeben.
In deinen Beiträgen nehme ich immer wieder wahr, dass du ein mE eindimensionales Kirchengeschichtsbild im Kopf hast, das lange überholt ist, eigene Schattenseiten unterbelichtet, der eigenen konfessionellen Selbstvergewisserung dient und kaum ökumenetauglich ist…
Du hast einen Zeitraum von 1500 gesteckt, darauf habe ich mich bezogen und Moderne Entwicklung ausser Acht gelassen. Der Mensch heute lebt und denkt nicht mehr wie ein Mensch vor 1000 Jahren darum kann man die Lebensrealitäten nicht wirklich miteinander vergleichen.
Das ein ungebildetes Leibeigen im Mittelalter das Evangelium und den Glauben allein durch das Gehörte und gesehene Wort aufgenommen hat und das grosse Teile der Bibel so verfasst wurden das sie zum Vorlesen geeignet sind, sind keine Argumente heute nicht mehr die Bibel zu lesen. Ebenso wenig ist die Tatsache der gelebte Glaube in der Gemeinschaft das Ziel eines Christentenlebens ist, ein Grund die Bibel nicht zu lesen. Nur wer ein Deutungsmonopol durch die Kirche aufrechterhalten will, der entmutigt Menschen die Bibel selbst zu lesen.
Und ja ich bin nicht ökumenisch gesinnt, ich bin viel mehr an einer wirklich katholischen Kirche interessiert.
Ich stimme dir weitgehend zu. Ich finde, man sollte die Bibel aus aufrichtigem Interesse lesen und nicht weil man sich irgendeine Erleuchtung von ihr erhofft, und schon gar nicht, damit man sie auf Abruf auswendig rezitieren kann. Weniger ist auch hier oft mehr. Ich denke häufig darüber nach, wie es für die Leute im Mittelalter war, als sie den Inhalt der Bibel nur von Dritten übermittelt bekamen, sie hätten bestimmt gerne ab und zumal die ein oder andere Stelle nachgeschlagen.
@holger-f mir fällt da die Aussage meiner verstorbenen Mutter ein, die im RKK Religionsunterricht lernet dass man die Bibel nicht eigenständig zu lesen habe sondern durcg die dazu berufnenen Personen (Priester) vermittel bekommt. Das war so in den 40er/50er Jahren. Man nahm auch an dass Bibelstudium zu geistiger Verwirrung und psychischen Krankheiten führt. bei uns im Ort gab eine psychisch Kranke (keine Ahnung was genau) und die Krankheit im Dorftratsch auf zu intensives Bibelstudium zurückgeführt wurde.
Na ja, solche Geschichten kenne ich auch spiegelverkehrt…
Gerade der protestantische Ansatz, die „gelehrten“ Pastoren zu haben (im Gegensatz zu den „ungebildeten Dorftrotteln“ der Katholiken), war immer wieder der Anlass, ganz schön die Wahrheit für sich selbst zu beanspruchen, gegenüber anderen Pastoren, Reformatoren, anderen Kirchen, Konfessionen und auch gegenüber dem einzelnen Gläubigen.
So ließ der protestantische Pfarrer, mit dem ich im schulischen Religionsunterricht (70er/80er) zu tun hatte, keinen Zweifel aufkommen, dass genau er allein es war, der wusste, wie jeder Bibelvers gemeint war. Ein Absolutheitsanspruch, den man so gerne beim Papst kritisiert…
@holger-f evangelische Sachen dazu kenne ich aus der Kindheit nicht. Meine Mutter war RKK, Vater evangelisch, aber damit sie heiraten durften, d.h. dass sie den Dispens bekamen mussten sie zusichern dass ihre Kinder auf keinen Fall evangelisch werden sondern katholisch getauft werden (wurden sie) und katholisch erzogen (wurden sie). Ohne dass hätte die RKK die Zustimmung zur Heirat verweigert. Ich selbst bin inzwischen ausgetreten, was ja nur steuerrechtlich gilt, damit exkommuniziert und war auch Jahrzehnten in keiner katholischen Kirche mehr. Trotzdem bin ich weiter Mitglied meine Eltern habe mir das für meine Lebenszeit entschieden.
Diese Situationen gab es zu „unserer Zeit“ tausendfach. Aber Vorsicht beim Pauschalurteil. Im 18. und 19. Jahrhundert verboten protestantische Staaten wie Preußen strikt die katholische Erziehung in Mischehen und standen der katholischen regiden Position in nichts nach…
Also: Ja, der Umgang mit konfessionsverschiedenen Ehen war sehr lange ein Ärgernis, das von beiden Seiten befeuert wurde. Was nicht vom Tisch ist, in welcher Konfession die Kinder erzogen werden sollen. Meine Wahrnehmung: die Entscheidung erfolgt seitens der Paare pragmatisch: Der „Kirchgänger“ entscheidet…
Oder sagen wir es etwas amüsierter: Vielen Paaren fällt erst bei ihrer Hochzeitsplanung auf, dass katholisch und evangelisch gar nicht dasselbe ist… 🙃
@holger-f Was die Kinder betrifft:
Ich weiß von einem Onkel (evangelisch) und seiner Frau (katholisch), die wohl 'freundlicherweise' evangelisch heiraten durften, wenn sie versprachen, die Kinder katholisch zu erziehen. Und damit sie das nicht vergaßen, hat die katholische Oma dafür gesorgt, dass das Kind, kaum geboren, katholisch 'notgetauft' wurde, bevor da was verrutschte.
Das Bibellesen aus suchender Haltung heraus kann einen Menschen verändern?
Stimmt das wirklich?
Falls diese Behauptung stimmt, könnte man daraus erschließen das ungläubige Menschen in Gläubige Menschen verwandelt werden können, oder ist das nur ein Wunschdenken?
Das ist kein Wunschdenken.
Und es gibt jemanden, der kein Interesse daran hat, dass Menschen zum Glauben finden. Der möchte natürlich auch das Bibellesen verhindern.
Ich finde deine Nachfrage sehr berechtigt!
Mir sind Leute bekannt, die die Bibel mehrfach durchgelesen haben (aus - wie sie sagten - Bildungsgründen). Muslime, Agnostiker, Atheisten. Glauben hat das Bibellesen bei ihnen aber nicht bewirkt. Im Gegenteil…
Den Glauben an Gott kann nur Gott selbst bewirken! Und dazu begegnet er jedem Menschen auf die ihm gemäße Weise. Das kann der Blick in den sternenklaren Himmel sein, der Blick in die Augen eines Neugeborenen oder eines Menschen, der erkennbar unsere Hilfe benötigt. Das kann die Begegnung mit einem glaubwürdigen Christen sein, der vielleicht gar nichts sagt, aber mit seinem christlichen Verhalten auf Christus aufmerksam macht.
Der Glaube kann auch bewirkt werden durch die Beschäftigung mit „Heilgen“ - egal welcher Konfession. Mutter Theresa von Kalkutta ist da genauso zu nennen wie Dietrich Bonhoeffer oder Edith Stein. Wer sein Leben so für Gott und sein Reich hingibt, der kann etwas in uns auslösen…
Es gibt auch Menschen, denen Bruchstücke ihres verschütteten Glaubens im Alter wieder einfallen, im Leiden daran erinnert werden, dass es da jemanden gibt, der am Kreuz mitleidet. Das kann auch das bewußtes Wahrnehmen einer Ikone, eines Kruzifixes oder der Gang über den Friedhof sein…
Ja, und es kann auch sein, dass man durch das Lesen der Heiligen Schrift zum Glauben kommt. Aber mal ehrlich: Da war doch wohl zuerst der Glaube da und dann das vertiefte Interesse an der Heiligen Schrift. Wer ohne Glauben die Heilige Schrift zur Hand nimmt, wird mehr Gründe gegen den Glauben finden als sich gläubig gewordene Bibelchristen eingestehen…
Ja, und es kann auch sein, dass man durch das Lesen der Heiligen Schrift zum Glauben kommt. Aber mal ehrlich: Da war doch wohl zuerst der Glaube da und dann das vertiefte Interesse an der Heiligen Schrift. Wer ohne Glauben die Heilige Schrift zur Hand nimmt, wird mehr Gründe gegen den Glauben finden als sich gläubig gewordene Bibelchristen eingestehen…
Das stimmt.
Wer nur neugierig ist, wird sie vermutlich weglegen.
Aber wer Gott darin finden will, der wird es auch tun. Und ja, da muss der Glaube an Gott schon da sein.
2. Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
Hab mal nachgeschaut, wie dieser Vers in meiner Bibel geschrieben steht: "Halte an mit Lesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme." Für mich ist das ein wesentlicher Unterschied, ob ich auf das Vorlesen achte oder selbst lese. (Wobei, ich selbst lese auch anderen vor. Dennoch.)
könnte man sagen das dieser Vers dadurch entstanden ist weil nicht jeder in der damaligen Zeit eine Schrift/Bibel zur Verfügung hatte?
Der Vers ist eine Weiterführung eines Hinweises aus dem AT. Einmal im Jahr sollte die Thora ganz vorgelesen werden. Es waren ja erst Schriftrollen, die im Tempel oder in der Synagoge aufbewahrt wurden. Im Buch Esra wird z.B. von einer Ganzvorlesung berichtet, nachdem die Schriften wiedergefunden worden waren nach dem Tempelbau.
Auch das wöchentliche Lesen in der Synagoge ist überliefert. Da wird von Jesus berichtet, dass er aus der Jesajarolle las. Das NT wurde ja erst erlebt. Das gab es ja noch nicht schriftlich.
Ja, das ist richtig. Danke!
Mir war nur dieser eine Vers ins Auge gesprungen und hatte nur diesen nachgelesen.
Wir hatten das letzte Woche im Hebräischunterricht. Ist noch frisch in Erinnerung.
Meine Zeitangabe muss ich korrigieren:
Alle 7 Jahre während des Laubhüttenfestes sollte die ganze Thora gelesen werden.
https://biblehub.com/greek/320.htm
Abschnitt Old Covenant Background
Hintergrund des Alten Bundes
Das öffentliche Vorlesen bildete das Rückgrat des Bundeslebens Israels. Am Berg Sinai hörte das Volk die Verlesung des „Buches des Bundes“, bevor es sich dazu verpflichtete (2. Mose 24,7). Mose wies das Volk an, das Gesetz alle sieben Jahre während des Laubhüttenfestes zu wiederholen (5. Mose 31,10–13). In der Zeit nach dem Exil führte Esra durch das öffentliche Vorlesen und die Auslegung des Gesetzes (Nehemia 8,1–8) diese Praxis wieder ein. Im ersten Jahrhundert waren solche Lesungen zu einem festen Bestandteil des Synagogengottesdienstes geworden und ebneten den Weg für die christliche Verwendung der ἀνάγνωσις. anagnosis
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Danke für die Korrektur, fürs Dranbleiben.
Ob so oder so, das Vorlesen war jedenfalls bereits bekannt.
>>Alle 7 Jahre während des Laubhüttenfestes sollte die ganze Thora gelesen werden.<<
So ähnlich ist es z.B. in der Katholischen Kirche. Die Sonntagsmessen umfassen 60% der Evangelien in drei Jahren, nimmt man die Wochentagsmessen dazu, sind es ca. 90%…
Sie sind fester Bestandteil der katholischen Lesungen und werden in sog. Bahnlesungen gelesen. Ich denke insgesamt bekommt man so knapp 60% der Texte zu hören, bei der Beschränkung auf due Sonntagslesungen ca. 25%.
Der Schwerpunkt der Predigten liegt auf dem Tagesevangelium.
könnte man sagen das dieser Vers dadurch entstanden ist weil nicht jeder in der damaligen Zeit eine Schrift/Bibel zur Verfügung hatte?
Der Brief ist an Timotheus gerichtet. Timotheus war Gemeindeleiter. Er richtet sich nicht an normale Christen. Vorlesen und Lesen meint deshalb das gleiche, Timotheus liest vor der Gemeinde. Daher auch Lesen, Ermahnen und Lehren.
Welche Übersetzung? Lutherübersetzung spricht vom Vorlesen!
Roland Werners „Das Buch“ (meine neueste Übersetzung des NT) ebenfalls. Ebenso: Einheitsübersetzung, Elberfelder, Die Gute Nachricht etc…
Welche Übersetzung? Lutherübersetzung spricht vom Vorlesen!
Roland Werners „Das Buch“ (meine neueste Übersetzung des NT) ebenfalls. Ebenso: Einheitsübersetzung, Elberfelder, Die Gute Nachricht etc…
Aktuell lese ich in der Lutherübersetzung von 1978, da steht lesen. - Und in der Basis Bibel heißt es "das sind deine Aufgaben: die Schriftlesung, die Ermutigung der Gemeinde und die rechte Lehre ..."
Hab jetzt mal ein paar weitere Bibeln aus dem Regal durchgeschaut, das hat sich wieder einmal für mich gelohnt.
Mir liegen vor Luther 1941, 1948, 1953, 1968: "Halte an mit Lesen"
Die Wuppertaler Studienbibel schreibt: "... halte an in der Schriftlesung, in der Ermahnung, in der Unterweisung ..."
Konkordante Wiedergabe 1939: "... gib acht auf das Lesen, den Zuspruch, die Lehre ..."
ebenso die Konkordantes 1980: "... gib acht auf das Lesen, den Zuspruch, die Lehre ..."
Okay, die anderen schreiben vom Vorlesen.
Menge 1949: "... fahre fort mit dem Vorlesen, mit den ermahnenden Ansprachen, mit der Lehrtätigkeit ..."
Elberfelder und revidierte Elberfelder 1975: "Halte an mit dem Vorlesen"
Einheitsübersetzung 1980: "Lies ihnen eifrig aus der Schrift vor, ermahne und belehre sie"
Hoffnung für alle 1983: "...lies du in der Gemeinde aus der Heiligen Schrift vor, ermutige die Christen und unterrichte sie"
Gute Nachricht 2006: "lies wie bisher aus den Heiligen Schriften vor, predige und unterrichte ..."
Volxbibel 2006: "... Mach weiter mit diesen Leseabenden, wo du aus den alten Schriften vorliest. Ermutige die Leute, indem du in Sachen Glauben Unterrichtsstunden gibst ..."
Im griechischen Urtext von 1. Timotheus 4,13 steht das Substantiv ἀνάγνωσις (anágnōsis)…
Im antiken Kontext müsste dieses Wort ganz klar „das Vorlesen“ (bzw. das öffentliche Vorlesen der Heiligen Schrift im Gottesdienst) bedeuten…
Das dürfte auch völlig klar sein, da ein Lesen biblischer Texte im „stillen Kämmerlein“ nicht biblischen Ursprungs, sondern ein Phänomen der Neuzeit ist, ein Ergebnis des Buchdrucks…
Gibt es einen Bibelvers, der das Lesen zu Hause verbietet?
Ist es nicht so, dass die Männer ihren Frauen zu Hause Stille verschafften, damit sie in Ruhe lernen konnten ohne das die Kinder herumtobten? (eine Frau lerne in der Stille)
Das dürfte auch völlig klar sein, da ein Lesen biblischer Texte im „stillen Kämmerlein“ nicht biblischen Ursprungs, sondern ein Phänomen der Neuzeit ist, ein Ergebnis des Buchdrucks…
Na, ich weiß ja nicht. Ich persönlich brauchs. Wenn ich in Psalm 119 lese "... ich freue mich über dein Wort ..." und "dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege" .... Paulus schreibt dem Timotheus, er soll ihm die Bücher und Pergamente mitbringen (waren vermutlich auch Bücher des AT?), dann haben sie doch auch gelesen.
Paulus schreibt davon, dass wir einen Schatz in irdenen Gefäßen haben (dabei denke ich nicht nur an ihn, sondern u.a. an die Handschriftenfunde im Qumran). Und genau das springt bei mir über in den Schatz im Ledereinband oder im Paperback, den es zu entdecken gilt. Gottes Wort ist kostbarer als Gold und gibt Kraft und Leben. Es gehört für mich seit meiner frühen Kindheit in meinen Alltag, es ist für mich lebensnotwendig in meiner Beziehung zu Gott.
Du verstehst, dass es nicht um die Frage geht, OB man zu Hause die Bibel lesen darf, soll etc.? Ich tue es ja selbst täglich mehrere Stunden lang mit Begeisterung…
Es geht um die Frage, welchen Stellenwert das individuelle Bibelstudium hat, z.B. im Verhältnis zu Gottesdienst, Gemeinschaft, Abendmahl, Predigt, Lehre etc. Auch auf dem Hintergrund, dass wir ja nur Laien sind…
Ja, ich verstehe.
Für mich ist das Gesamtpaket wertvoll, wobei ich ja mehr alleine als in der Gemeinde bin. Der Blickwinkel auf das Wort Gottes kann sich da und dort verändern. Jedenfalls hat das Wort Gottes immer etwas mit meinem Leben zu tun.
Welchen Stellenwert hat denn für dich die Eucharistie/ das Abendmahl, die Gemeinschaft mit anderen Christen z.B. im Gebet, die Lehre deiner Kirche, Lesungen und Predigt im Gottesdienst, der Einsatz für Bedürftige…
Hmm ... ob ich deine Frage richtig verstehe?
Beim Abendmahl habe ich verschiedene Perspektiven, es ist für mich nicht immer gleich und auch bei der Durchführung gibt es einen unterschiedlichen Bezug. In der Gemeinschaft mit anderen Christen ist mir wichtig, dass ich für andere da bin und ein offenes Ohr habe. Im Blick auf die Predigt ist mir Offenheit wichtig, dass ich wenigstens ein Wort mit nach Hause nehme. Was Bedürftige betrifft, so bin ich da bzw. wir haben ein offenes Haus.
Das klingt doch gut. Das mit dem Abendmahl habe ich nicht verstanden. Wichtig oder nicht so wichtig? Sonntäglich oder nicht? So wichtig wie die Predigt?
Das klingt doch gut. Das mit dem Abendmahl habe ich nicht verstanden. Wichtig oder nicht so wichtig? Sonntäglich oder nicht? So wichtig wie die Predigt?
Das Abendmahl wird einmal pro Monat gereicht oder zu besonderen Anlässen. Ja, für mich ist es wichtig. Ob es für mich so wichtig wie die Predigt ist, da hab ich noch nicht wirklich drüber nachgedacht. Jedenfalls ists feierlich.
@holger-f Die Bibel weist auf die Gefahr hin, missverstanden werden zu können. Mit dem Selbststudium ist es demnach so eine Sache. Mein Eindruck ist häufig, dass Menschen dem eigenen Bibelstudium das höchste Maß gesicherter Erkenntnis zusprechen. Die Einordnung der Texte muss IMHO in der kirchlichen Gemeinschaft erfolgen.
@rafael Die Einordnung der Texte muss IMHO in der kirchlichen Gemeinschaft erfolgen.
Dann natürlich gibt es auch viele biblische Aussagen, die ich mit in die Gemeinde nehme und den Austausch darüber suche oder mich belese, was andere Christen dazu sagen. Auch gute Bibelkommentare sind dazu sehr hilfreich.
@holger-f Es geht um die Frage, welchen Stellenwert das individuelle Bibelstudium hat, z.B. im Verhältnis zu Gottesdienst, Gemeinschaft, Abendmahl, Predigt, Lehre etc. Auch auf dem Hintergrund, dass wir ja nur Laien sind…
Und genau das waren auch die ersten Verkündiger des Evangeliums - die Jünger. Es handelte sich zum Großteil um Fischer. Und ich glaube nicht, dass diese vor ihren Predigten erst Rücksprache mit Gelehrten genommen haben, wie denn die Schriften zu verstehen sind.
Aber hundertprozentig gab es dies „Rücksprachen“. Einige Jahre lang. Und der „Gelehrte“, bei dem sie zuvor 3 Jahre gelernt haben, war Jesus selbst. Eine so gute und wegweisende theologische Ausbildung hatte und hat auch gegenwärtig niemand aufzuweisen…
Also Vorsicht bei der Behauptung, man bräuchte keine „Gelehrten“, um das Wort Gottes zu verstehen. Die Katholische Kirche bzw. das Lehramt käme nie auf eine solche krude Idee, keine Gelehrten zu benötigen…
Wie empfindest du den Teil in der Anfrage von Ise dass die Wissenschaft/aka Gelehrte die Lehre aufgestellt haben, Jesus sei ein entwickelter Mythos,.... evolutioniert.... den Ausdruck finde ich total bezeichnend für den Irrtum...
Auch Gelehrte können sich irren bzgl des auferstandenen HERRN und Pfingsten ausblenden.
Das ist natürlich Unsinn. Aber nur, weil Theologen/ Gelehrte auch Unsinn zu schreiben fähig sind (wie jeder Mensch), spricht das nicht gegen Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit ihrer Existenz.
Wenn ich einmal - was ganz selten vorkommt - ein schlecht schmeckendes Brot beim Bäcker bekomme, spricht das nicht gegen das prinzipiell erfreuliche Vorhandensein von Bäckern / Bäckereien…
Es bleibt also wieder die Hausaufgabe anhand der Schrift zu prüfen und in Beröa zu wohnen. 🙂
Die Beröer waren auf apostolische Autorität (Paulus) angewiesen, ansonsten hätte sie nie „aus den Schriften allein“ heraus erkennen können, dass dort von Christus die Rede war.
Dass das so stimmt, zeigt die Tatsache, dass seitdem Millionen von Menschen dieselben Texte studiert haben wie die Beröer, aber nicht gläubig wurden (Muslime, Atheisten,…)
Ohne den Heiligen Geist könnte Paulus auch nichts ausrichten. Er sagt es ja selbst, dass er nicht mit überredenden Worten der Weisheit kommt.
Joh 16, 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
@holger-f spricht das nicht gegen Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit ihrer Existenz.
Sinnhaftigkeit ja, aber Notwendigkeit? Nein. Theologische Gelehrte können durchaus hilfreich sein, aber Gott kann auch ohne. Es gab und gibt viele Gläubige, die jahrzehntelang um ihres Glaubens willen in Gefängnissen sitzen, kaum oder nie Kontakt mit anderen Gläubigen, geschweige denn mit Gelehrten, haben, aber deren Glauben für alle beispielhaft ist.
Er kann vor allem auch ohne Laien, die sich für Theolohügen halten 🤭😉🥳
Was soll das? Sollten wir nicht sachlich bleiben?
@holger-f Also Vorsicht bei der Behauptung, man bräuchte keine „Gelehrten“, um das Wort Gottes zu verstehen. Die Katholische Kirche bzw. das Lehramt käme nie auf eine solche krude Idee, keine Gelehrten zu benötigen…
Matthäus 11, 25:„Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.“
Ich schätze durchaus Hintergrundwissen durch Forschung. Und eine gute theologische Ausbildung ist auch nicht schlecht. Aber dass man Gelehrte benötigt, um das Wort Gottes zu verstehen, nein, da irrt m.E. das katholische Lehramt sehr, und da hänge ich lieber dieser "kruden Idee" an, wie Du sie nennst. Gott begegnet auch dort Menschen, wo es keine Gelehrten gibt, und manch ein einfaches Mütterchen, das nie eine Hochschule besucht hat, hat einen lebendigeren Glauben als manch ein gelehrter Professor. Warum Gott so klein machen, dass Er unbedingt Gelehrte braucht? Und manchmal kann menschliche Gelehrsamkeit durchaus auch der Weisheit Gottes im Wege stehen.
Und der „Gelehrte“, bei dem sie zuvor 3 Jahre gelernt haben, war Jesus selbst. Eine so gute und wegweisende theologische Ausbildung hatte und hat auch gegenwärtig niemand aufzuweisen…
Steht dieser "Gelehrte" nicht uns allen zur Verfügung, Christus in uns durch den Heiligen Geist?
Also an der Realität kann man wenn man offen ist, schon sehen das die Idee der Heilige Geist und völlige Autonomie jedes Gläubigen reichen aus, so nicht funktioniert.
Das Christentum, also auch wenn man es auf Die eingrenzen würde die an den Dreieinigen Gott glauben, kann sich quasi auf nichts einigen und ist heilos zersplittert, genau das, was laut dem neuen Testament gar nicht sein dürfte. Das sind Fakten.
Wenn Gott das gewollt hätte, frage ich mich warum das Neue Testament nicht grundlegend anders beschaffen ist. Zum Beispiel wie das Dritte bis Fünfte Buch Mose. Da gibt's bedeutend weniger zu Spekulieren.
Das ist mit der Hauptgrund warum ich katholisch wurde. Weil die Schrift eben nicht alleine zu betrachten ist sondern eingebettet in die Ekklesia, die Tradition. Ich habe das neue Testament sehr sehr oft gelesen und es war zum Teil Elementares nicht klar zweifelsfrei zu unterscheiden. Vielleicht war ich auch einfach zu Dumm dazu...
@holger-f Das dürfte auch völlig klar sein, da ein Lesen biblischer Texte im „stillen Kämmerlein“ nicht biblischen Ursprungs, sondern ein Phänomen der Neuzeit ist, ein Ergebnis des Buchdrucks…
Wofür wir als Christen Gott danken können. Es gibt aber doch einige biblische Wegweisungen darauf hin - Wir sollten das Wort in unserem Herzen haben (Psalm 119, 11; Kolosser 3, 16);
5. Mose 6,6–7: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen... und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst.“
Das wird um ein Vielfaches einfacher, wenn wir die Worte nachlesen und uns dadurch ganz intensiv damit beschäftigen können - ohne die Gefahr von Erinnerungslücken oder falscher Erinnerung.
Und bei den Beröern, von denen wir in Apostelgeschichte 17, 11 lesen, dass sie täglich nachforschten, ob die Predigt des Paulus stimmte, denke ich nicht, dass das im Rahmen einer täglichen Predigt geschah.
in den Texten steht nichts vom Lesen im stillen Kämmerlein, von einem privaten Bibelstudium. Die Alphabetisierungsrate dürfte zwischen zwischen 3% und 10% gelegen haben. Es wird um das verkündigte und gehörte Wort gegangen sein. Der Glaube kommt vom Hören.
Edit: Dennoch ist das kein Widerspruch. Christen, die lesen können, lesen die Schrift, unabhängig davon wieviele das sind.
Denkst du auch daran, dass damals Schreiben und Lesen anhand der Schrift unterrichtet wurde? Wie hätte es sonst sein können, dass der 12jährige Jesus im Tempel mit den Schriftgelehrten diskutierte, wenn er die Schrift nicht gekannt hätte?
Und die Pharisäer waren erstaunt über die ungelehrten Jünger und ihre Ausstrahlung, weil sie aus der Gegenwart Jesu kamen.
Sie hatten auch Jesus gefragt, bei wem er studiert habe d.h. wer ihm ein Schulzeugnis ausgestellt und ihn damit autorisiert habe.
Oft drängt sich der Kopf in den Vordergrund, wo aber das Herz gefragt ist.
@deborah71 Mag sein. An der Alphabetisierungsrate (oder sagen wir Analphabetisierungsgrad?) ändert das für mich nichts, jetzt unabhängig von der Ausbildung. Der jüdisch-christliche Zweig hat IMO immer erheblich die Bildung unterstützt.
Und bei den Beröern, von denen wir in Apostelgeschichte 17, 11 lesen, dass sie täglich nachforschten, ob die Predigt des Paulus stimmte, denke ich nicht, dass das im Rahmen einer täglichen Predigt geschah.
Ja, da mußte ich gestern auch dran denken. Auch u.a. an Johannes 5,39, indem Jesus sagt: "Ihr suchet in der Schrift; denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist es, die von mir zeuget"