Bibellesen zweitran...
 
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Bibellesen zweitrangig

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Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 455

So gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:

  1. In den ersten 1500 Jahren der Kirchengeschichte besaßen die wenigsten Menschen eine eigene Bibel oder konnten lesen. Dennoch hatten sie einen festen Glauben, denn dieser entsteht primär durch das Hören der mündlichen Verkündigung: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17).
  2. Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
  3. Ohne die Auslegung durch die Gemeinschaft und fundierte Begleitung führt das alleinige Lesen schnell zu Missverständnissen und Fehlern: „Dabei müsst ihr vor allem bedenken, dass keine Prophetie der Schrift eine Sache privater Auslegung ist“ (2. Petr 1,20).
  4. Christus wird für den Einzelnen vor allem im gemeinsamen Sakrament erfahrbar, was das gedankliche Studium von Texten weit übertrifft: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Kor 10,16).
  5. Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
  6. Am Ende zählt für die Rettung nicht das theoretische Textwissen, sondern das praktische Tun und die gelebte Nächstenliebe im Alltag: „Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).
  7. Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt; die tragende Säule der Wahrheit ist daher die Gemeinschaft: „...die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Fundament der Wahrheit“ (1. Tim 3,15).
  8. Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
  9. Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
  10. Jesus selbst hat seinen Jüngern keine Bücher hinterlassen, sondern den Heiligen Geist, der die Gemeinschaft der Glaubenden auch ohne geschriebenes Wort leitet und erinnert: „Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26).

Geht es euch ähnlich?

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143 Antworten
Rafael
 Rafael
Beiträge : 3

@holger-f

In dem Moment, in dem du selbst konkrete biblische Passagen als Referenz und Argumentationsgrundlage heranziehst, beantwortest du die Frage im Grunde schon selbst. Ein Verzicht auf die Schrift ist in diesem Kontext kaum möglich. Für Christinnen und Christen sind und bleiben die biblischen Aussagen schließlich das Fundament ihres Glaubens. Sie bieten nicht nur historische Orientierung, sondern behalten als zentrale Textzeugnisse grundsätzlich eine zeitlose und existenzielle Bedeutung für die Glaubenspraxis.
 
rafael antworten
1 Antwort
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 455

@rafael 

… dann hättest du meine 10 Punkte nicht verstanden 😀

Die Thesen sind doch kein Plädoyer die Bibel NICHT zu lesen, sondern den richtigen STELLENWERT auszuloten, u.a. durch den Hinweis, dass der Gottesdienst/ die Messe der liturgische Ort des „Vorlesens“ und der Homilie ist.

… und dass uns Gott nicht nur in seinem Wort begegnet, sondern auch im Sakrament der Eucharistie/ des Abendmahls. … und dass das Hören auf „das Wort“ auch eine „Gemeinschaftsaktion“ ist und nicht eine bloß private Freude…

holger-f antworten


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 455
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Vielleicht aber auch der Tatsache geschuldet, dass lange Zeit nur wenige Menschen die Kunst des Lesens beherrschten. Vor der Erfindung des Buchdrucks (ca. 1440) und der Alphabetisierung der breiten Masse war die Bibel ein kostbares Gut. Die Menschen konnten Gottes Wort fast nur gemeinschaftlich in der Kirche hören. Das führte natürlich auch zu Entstellungen, da nur wenige am "Original" prüfen konnten, ob das, was die Kirche lehrte, tatsächlich Gottes Wort entsprach. Durch den Buchdruck, die Reformation und die Alphabetisierung wurden die Menschen aus dieser Entmündigung befreit und das Priestertum aller Gläubigen erschlossen.

Absolut d‘accord! Und wir gehören ja zu den Nutznießern dieser Situation. Ich freue mich jedenfalls - Dir wird es ähnlich ergehen - täglich über die mir zugängliche Literatur, schon allein die verschiedenen Bibelübersetzungen sind ein unermesslicher Schatz, um den uns frühere Generationen beneiden würden…

Und dennoch halte ich es nicht für das Wichtigste, dass jede Einzelne sich in ein gewissenhaftes Bibelstudium vertieft. Es ist gleichsam ein Nice-to-have. Obwohl ich selbst sicher zwei bis drei Stunden täglich dem Bibelstudium widme, ist mir die Heilige Messe deutlich wichtiger…

Meine 10 Punkte sind also lediglich dazu da, zu erfahren, wie andere ihre Auseinandersetzung mit der Bibel gewichten, auch und gerade im Verhältnis zu Gemeinschaft, Lehre, Brotbrechen, Gebet, aktiver Nächstenliebe…

holger-f antworten
Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 455
Veröffentlicht von: @adjutante

Da mag ich doch widersprechen. Gott hat immer wieder einzelne Menschen gerufen und berufen. Ich denke da an Abraham, Jesaja, Jeremia, Paulus und viele andere mehr. Bis heute.

Das ist wohl wahr. Aber das waren die Ausnahmen (von der Regel). Das waren die Gottesmänner und -frauen, durch die Gott in außergewöhnlicher Weise tätig war bzw. werden wollte. 

Mir fallen da viele Namen ein. Meiner nicht…

holger-f antworten
13 Antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 1862

@holger-f es fehlt, ausser in der RKK, eine zentrale Authorität die Dinge festlegen/letztentscheiden kann. Und die dann für den Gläubigen fix sind. In der RKK kann ja der Papst (was er m.W. erst einmal tat, mit der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, ihre Festlegung als Miterlöserin wurde immer mal wieder ins Gespräch gebracht ist aber, noch nicht, nicht festgelegt) Glaubensfragen für alle Zeiten fest entscheiden und als verbindlich festlegen. Wovon kein gläubiger Katholik dann abweichen darf.

der_alte antworten
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 455

@der_alte 

Der Papst verkündet. Die Glaubenswahrheiten entstehen anders bzw. sind als von Beginn an vorhanden gedacht. Das will ich hier gar nicht weiter vertiefen, nur betonen, dass mir seit den wenigen Wochen hier in diesem Forum deutlich geworden ist, wie gut es ist, dass nach einer langen Phase der theologischen Diskussion in der Kirchengeschichte dann auch autoritativ entschieden wurde…

Wenn man nach 2000 Jahren noch darüber streiten muss, was z.B. Taufe und Abendmahl bedeuten könnten, sollten etc. und jeder „Hansel“ meint, seine Privatmeinung als allerletzte Eingebung des Heiligen Geistes verkaufen zu müssen, dann stellen sich mir die Nackenhaare hoch…

Zweinaturenlehre und Dreifaltigkeitslehre sind zwei solche Punkte, über die man doch froh sein kann, dass diese theologischen Pakete geschnürt sind… Aber auch die werden ja von verschiedener Seite immer mal wieder in Frage gestellt…

P.S. Nur der Klarheit halber: Ob ein Konzil oder wer auch immer eine solche Entscheidung letztlich trifft, ist nicht mein Thema. Aber dass das ab einem bestimmten Moment passieren muss, steht für mich außer Frage. Ich vermute, Luther hätte das genauso gesehen… 😀

holger-f antworten
hundemann
(@hundemann)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 692

..........aber ich sehe doch deinen Namen hier überall. Früher hieß Bibel lesen "stille Zeit."

Und Stille ist heute ein kostbares Gut. Für andere Menschen ist Stille gar nichts. Die müssen

immer etwas tun. In der heutigen Medienwelt ist Stille schwer zu finden.......

Zeit des Bibel Lesens, versuchen zu verstehen, des Gebetes, der Meditation.

Zeit um die Bibel zu lesen, aber danach auch Zeit, das Gelesene zu leben.

Wenn ich nur die Bibel lese, und sei keine Auswirkungen auf mein Leben hat........

Selbst habe ich viele verschiedene Bibelübersetzungen. Die Volxbibel, die ich lese, mag nicht

die Genauste sein, aber die Praktische , um das Gelesene auch umzusetzen.

Stille kann uns ernähren, geistlich und körperlich, zu viel Lärm, kann zerstören.

Viele Geräuschkulissen machen wir Menschen uns selbst. Immer laute Hintergrundmusik,

laufend Internet, smartphone. Dann noch die vielen optischen Reize. 

Doch nur in der Stille können wir Gott hören.

 

liebe Grüße,

hundemann antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3616

@holger-f 

Das waren die Gottesmänner und -frauen, durch die Gott in außergewöhnlicher Weise tätig war bzw. werden wollte.

Naja, das Volk Israel wollte ja nicht, dass Gott zu ihnen spricht. Deshalb hat Gott Propheten berufen und eingesetzt.

 

adjutante antworten
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 455

@adjutante

So what?

Zu allen Zeiten hat Gott durch Bevollmächtigte zu seinem Volk gesprochen. Diese autorisierten Personen verrichteten den Dienst im Tempel, lasen in den Synagogen die heiligen Texte und legten sie dort aus. Der Einzelne besaß nur in seltenen Ausnahmefällen eigene Schriften und war daher ganz auf Vermittlung angewiesen…

holger-f antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3616

@holger-f 

So what?

Ja, siehe z.B. nach in 2. Mose 20, 19

Zu allen Zeiten hat Gott durch Bevollmächtigte zu seinem Volk gesprochen. Diese autorisierten Personen verrichteten den Dienst im Tempel, lasen in den Synagogen die heiligen Texte und legten sie dort aus. Der Einzelne besaß nur in seltenen Ausnahmefällen eigene Schriften und war daher ganz auf Vermittlung angewiesen…

Klar. Aber kaufen oder abschreiben konnte man die Schriften wohl schon?

adjutante antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3616

@holger-f

Nachtrag: Nun, ich weiß schon, dass das zur Zeit des AT nicht ganz so einfach war mit eigenen Schriften.

Doch in der Bibel gibt sehr klare Aussagen dazu, dass nicht nur von autorisierten Personen das Wort weitergegeben wurde, sondern auch immer in der Familie eine Mitverantwortung war:

Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Ihr sollt ihn von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit all eurer Kraft. Bewahrt die Worte im Herzen, die ich euch heute sage! Prägt sie euren Kindern ein! Redet immer und überall davon, ob ihr zu Hause oder unterwegs seid, ob ihr euch schlafen legt oder aufsteht. (5.Mo. 6,4-8)

Auch die Kinder, die seine Unterweisungen noch nicht kennen, sollen genau zuhören, damit sie stets dem Herrn, eurem Gott, in Ehrfurcht begegnen. (5.Mo. 31,13)

Jede Generation soll Gottes Botschaft weitergeben: Höre mein Volk, auf meine Weisungen; Gib acht auf das, was ich dir sage! Ich will euch die Geschichte unseres Volkes vor Augen malen. Was wir gehört und erfahren haben, was schon unsere Väter uns erzählten, das wollen wir auch unseren Kindern nicht verschweigen. Jede Generation soll von den mächtigen Taten Gottes hören, von allen Wundern, die er vollbracht hat und seine Weisungen und Gebote kennenlernen. Sie alle sollen auf Gott ihr Vertrauen setzen und seine Machttaten nicht vergessen. Was er befohlen hat, sollen sie tun. (Aus Psalm 78)

Erziehe dein Kind schon in jungen Jahren - es wird die Erziehung nicht vergessen, auch wenn es älter wird. (Sprüche 22,6)

Einige Eltern brachten ihre Kinder zu Jesus .... (Markus 10, 13-16)

 

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Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 455

@adjutante 

Die Weitergabe bzw. Unterrichtung der nächsten Generation geschah durch mündliche Weitergabe und dem Vorlesen in der Synagoge. Das ist damit vergleichbar, dass ein Christ im Gottesdienst „hört“, das Gehörte im Herzen bewahrt, umsetzt und weitergibt.

Etwas, was mit dem heutigen privaten Bibelstudium vergleichbar ist, gab es nicht. Der einfache Jude hatte weder Zeit noch die notwendige Bildung an theologischen Diskussionen teilnehmen. Die waren den Lehrautoritäten vorbehalten.

holger-f antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3616

@holger-f 

Naja, scheinbar hat es bei Elisa auch schon eine Bibelschule gegeben (2. Könige 6, 1-7) 😉 

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Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 455

@adjutante 

Lies mal 1 Sam 10,5–10 sowie 2 Kön 2,1–7; 4,1–7; 4,38–41; 6,1–7. Dann können wir uns gerne nochmal darüber unterhalten, ob diese „Prophetenschule“ so etwas wie eine Bibelschule war… 🤗

holger-f antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3616

@holger-f 

Den Gedanken fand ich so schön. Jedenfalls wollten sie den Raum zum Wohnen erweitern 😎 

 

Also, diese angegebenen Texte kenne ich ...

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Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 455

@adjutante 

>>Ja, siehe z.B. nach in 2. Mose 20, 19<<

Was soll der Vers im Kontext unserer Diskussion aussagen?

>>Klar. Aber kaufen oder abschreiben konnte man die Schriften wohl schon?<<

Wie stellst du dir das konkret vor? 

holger-f antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3616

@holger-f 

>>Ja, siehe z.B. nach in 2. Mose 20, 19<<

Was soll der Vers im Kontext unserer Diskussion aussagen?

Das war im Blick darauf, dass das Volk lieber Mose zu Gott schickte anstatt selbst zu hören. 

>>Klar. Aber kaufen oder abschreiben konnte man die Schriften wohl schon?<<

Wie stellst du dir das konkret vor? 

Ich dachte z.B. an den Kämmerer, der die Jesaja-Rolle kaufte ... 

 
 
 

 

 

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Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 455
Veröffentlicht von: @arcangel

Ernsthaft, fällt dich nicht auf das deine Liste sowas von unvollständig ist. 

Hast du nicht gelesen, dass das keine Doktorarbeit, sondern eine Diskussionsgrundlage ist? Thesen, zu denen ich gerne auch andere begründete Meinungen hören bzw. lesen möchte? Zum Beispiel deine?

holger-f antworten
Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 455
Veröffentlicht von: @meriadoc

Liest du ein Testament nicht?

Das ist wirklich lustig… 😅😂🤣

holger-f antworten


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 455
Veröffentlicht von: @hundemann

Die Volxbibel

… ist der Hammer. Gelegentlich sehr zu empfehlen! 👍

holger-f antworten
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