Theologie als Wisse...
 
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Theologie als Wissenschaft und verwandte Themen

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In diesem Thread soll die Diskussion weiter geführt werden, die im Thread Ewigkeit (erahnen) hier endete.

Ich antworte gleich auf den letzten Post von Lucan:

Das ist ein Autoritätsargument. Es zählt aber nur der Inhalt. Theologie ist keine Wissenschaft, weil sie weder ihre Quellen verifizieren kann noch ergebnisoffen ist.

Eine Wissenschaft kann nicht ergebnisoffen sein über die Existenz des Objekts ihrer Untersuchung. Außerdem muss sich jede Wissenschaft aus Quellen speisen. Ich hatte das schon bei der Mathematik erläutert. In der Mathematik sind die Quellen das was wir im Außen (die Natur) und das was wir im Innen (unser Geist) beobachten. In der Theologie sind es vor allem die Schrift und persönliche Erfahrung.

sie kann noch nicht einmal eindeutig definieren, was "Gott" überhaupt ist.

Mit dem gleichen Argument kannst Du die Mathematik ablehnen, weil sie z.B. nicht einmal eindeutig definieren kann, was die Fläche unter einem Funktionsgraphen ist. Oder was eine Menge ist oder was eine Zahl ist. Es gibt verschiedene Definitionen und jede hat ihre Vor- und Nachteile. Aufgrund unseres beschränkten Verstandes kann es wahrscheinlich auch nicht anders sein, genauso in der Theologie.

Es ist nicht möglich, Gott in irgendeiner seriösen Wissenschaft zu berücksichtigen.

Theologie wurde aber über Jahrhunderte als seriöse Wissenschaft angesehen. Erst kürzlich kam man auf die Idee, dass sie nicht seriös sei. Sind wir alle plötzlich so viel klüger geworden? Ich glaube eher nicht.

Aber es scheitert ja schon daran, dass es überhaupt an einer Definition fehlt, was Gott überhaupt ist - also wie man "Gott" von "Nicht-Gott" unterscheidet.

Wie oben erläutert, das Problem hast Du in der Mathematik auch und in anderen Wissenschaften sowieso. Meine Meinung dazu: Alles was real ist, lässt sich nicht zugleich widerspruchsfrei und vollständig definieren. Analog zum Satz von Gödel, dass jede hinreichend reichhaltige mathematische Theorie nicht zugleich widerspruchsfrei und vollständig sein kann.

 

Wenn es aber nicht möglich ist, eindeutig zu sagen: "Das ist Gott!" und "Das ist nicht Gott!" - dann kann auch nicht sinnvoll über ihn gesprochen werden.

Was meinst Du denn mit "das"? Würdest Du gerne auf etwas zeigen und sagen "Das ist Gott"? Verstehe ich nicht. Definitionen von Gott gibt es ja in der Theologie. Und sogar darauf aufbauende Gottesbeweise. Aber wie gesagt, keine Definition bildet das zu Definierende wirklich ab. Außer wir sagen von vorn herein, dass es sich um etwas nur Erdachtes handelt und keine Entsprechung in der Realität hat.

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Jack-Black
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@suchender_2-1 Ist die Theologie eine empirische oder eine nicht-empirische Wissenschaft? Du nimmst immer wieder die Mathematik als Vergleichsbeispiel, eine Wissenschaft, die sich eigentlich nur mit von Menschen ersonnenen Konzepten beschäftigt, weswegen sie auch als Strukturwissenschaften gezählt wird (die Informatik und manche ökonomischen Wissenschaften zählen meines Wissens auch zu diesen). Ich gehe also davon aus, dass die Theologie dann Deiner Position zufolge zu den nicht-empirischen Wissenschaften zählt, was auch zu dem passt, was Du in Deinem Austausch mit Lucan schon an Ansichten vertratest.

In der Mathematik selbst geht es stets nur um logisch konsistente Aussagen, beispielsweise:

Wenn 2+2=C, dann C=4.

Unabhängig von ihren jeweiligen sozio-kulturellen Hintergründen können sich Mathematiker rund um die Welt i.d.R. darauf einigen, ob ein solche Aussage wahr sei oder nicht. Manche dieser Aussagen sind zugegebenermaßen derartig kompliziert, dass man sich bisher noch nicht darüber einigen konnte, ob sie wahr seien oder nicht: sie werden dann als Annahmen bezeichnet und es werden teilweise hohe Preise dafür ausgelobt, dass jemand ihr Zutreffen oder Nicht-Zutreffen beweist.

Ähnliches lässt sich auch für andere Strukturwissenschaften sagen.

Nun meine Frage: Wie läuft das in der Theologie? Gibt es da vom sozio-kulturellen Hintergrund der Wissenschaftler unabhängige Beweisverfahren, nach denen man wahre von unwahren theologischen Behauptungen unterscheiden kann? Könntest Du Beispiele dafür bringen und könntest Du des weiteren darlegen, wie einige Kernaussagen der (interessanterweise nach Konfessionen von einander getrennten) Theologien bewiesen werden könnten?

Beispiel: Eine Grundannahme der christlichen Theologie ist ja die Dreieinigkeit von Jehova, Jesus und Heiligem Geist. Gibt es - analog zur Mathematik - theologische (Beweis-)Methoden, mittels denen die theologische scientific community vom Zutreffen, bzw. vom Nichtzutreffen dieser Annahme überzeugt werden könnte? Ließe sich der entsprechende Beweis so formalisieren, dass er von Computern auf seine Fehlerfreiheit überprüft werden kann (was ja in der modernen Mathematik üblich ist)?

Eine Grundannahme der islamischen Theologie ist ja, dass Mohammed den Koran durch den von Allah autorisierten Erzengel Gabriel/Dschibril persönlich diktiert bekam. Wie ließe sich diese Annahme - unabhängig vom soziokulturellen Hintergrund der theologischen Fachleute - beweisen oder widerlegen?

 

jack-black antworten
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@jack-black Dass die Mathematik nur von Menschen ersonnene Konzepte untersucht, muss man so nicht sehen. Und viele Mathematiker sehen es auch nicht so. Sie denken da eher an so etwas wie platonische Ideen. So sagen zum Beispiel einige Mathematiker, dass gewisse elementare Definitionen der Mathematik falsch seien. Aber wie kann denn eine Definition falsch sein? Damit meinen sie, dass die Definition nicht die platonische Idee, die sie in ihrem Geist sehen, 1-zu-1 ausdrückt.

Unabhängig von ihren jeweiligen sozio-kulturellen Hintergründen können sich Mathematiker rund um die Welt i.d.R. darauf einigen, ob ein solche Aussage wahr sei oder nicht.

Das ist richtig und das macht einen Teil der Schönheit dieser Wissenschaft aus. Man weiß, dass eine einmal bewiesene Aussage für alle Zeiten bestehen bleibt. Man schafft sozusagen Werke für die Ewigkeit.

 

Nun meine Frage: Wie läuft das in der Theologie? Gibt es da vom sozio-kulturellen Hintergrund der Wissenschaftler unabhängige Beweisverfahren, nach denen man wahre von unwahren theologischen Behauptungen unterscheiden kann? Könntest Du Beispiele dafür bringen und könntest Du des weiteren darlegen, wie einige Kernaussagen der (interessanterweise nach Konfessionen von einander getrennten) Theologien bewiesen werden könnten?

Kurt Gödel hat daran geglaubt, dass man Theologie auch streng axiomatisch betreiben kann genauso wie Mathematik. Als Beispiel hat er seinen Gottesbeweis hinterlassen, der ja inzwischen von einem Computerprogramm überprüft wurde. Also prinzipiell spricht nichts dagegen und es ist denkbar, dass man auch einen dreieinigen Gott so definieren kann, dass man seine Existenz logisch aus wenigen Axiomen ableiten kann. Die Frage ist dann halt, inwieweit man die Definition für zutreffend hält und ob man an die Axiome glaubt. Aber dieses Problem haben auch die Platoniker unter den Mathematikern.

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Kurt Gödel hat daran geglaubt, dass man Theologie auch streng axiomatisch betreiben kann genauso wie Mathematik. Als Beispiel hat er seinen Gottesbeweis hinterlassen, der ja inzwischen von einem Computerprogramm überprüft wurde.

...und immer noch nicht den biblischen Gott "beweist"... sondern allenfalls "irgendwas", in dem manche Leute "Gott" sehen wollen.

 

 

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Ja, aber mehr kann man ja auch von dieser Methode nicht erwarten. Dass es einen echten Gottesbeweis nicht gibt, darüber dürften sich so ziemlich alle einig sein.

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Bei Gottesbeweisen geht es ja auch nicht darum irgendeinem Ungläubigen zu beweisen, dass Gott existiert. Es geht vielmehr um das Ausloten von Grenzen. Wie weit kann ich mit der Logik gehen? Was kann ich von Gott erfassen? Und welche Argumente sind kein gültiger Grund, an Gott nicht zu glauben?

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Bei Gottesbeweisen geht es ja auch nicht darum irgendeinem Ungläubigen zu beweisen, dass Gott existiert. Es geht vielmehr um das Ausloten von Grenzen. Wie weit kann ich mit der Logik gehen? Was kann ich von Gott erfassen?

Inwiefern hat das, was immer da auch erfasst wird, denn etwas mit "Gott" zu tun, wenn Gott überhaupt nicht definiert ist?

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Gott ist doch im Rahmen eines Gottesbeweises definiert. Sonst könnte man den Beweis doch gar nicht führen.

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Gott ist doch im Rahmen eines Gottesbeweises definiert. Sonst könnte man den Beweis doch gar nicht führen.

"Gottesbeweise" argumentieren lediglich für "Irgendwas", das dann als "Gott" definiert wird.

Dass es zunächst eine Definition gibt, was genau "Gott" ist - und zwar in Bezug auf eine Religion! - welche dann "bewiesen" wird... das gibt es nicht.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Christliche Gottesbeweise nehmen in ihren Definitionen natürlich Bezug auf den christlichen Gott, indem sie ihn zum Beispiel mit Allmacht und Allwissenheit ausgestattet sehen. Aber dass so etwas wie die Dreieinigkeit in der Definition enthalten ist oder aus ihr folgt, ist mir jetzt auch nicht bekannt. Aber genauso wenig könnte man einen Menschen definieren und nur mit Hilfe der Logik notwendig wahre nicht-triviale Aussagen über ihn ableiten. Oder aus wenigen Axiomen ableiten, dass er existiert.

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Jack-Black
(@jack-black)
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@suchender_2-1 Dass die Mathematik nur von Menschen ersonnene Konzepte untersucht, muss man so nicht sehen.

vs.

Damit meinen sie, dass die Definition nicht die platonische Idee, die sie in ihrem Geist sehen, 1-zu-1 ausdrückt.

 

 

Also prinzipiell spricht nichts dagegen und es ist denkbar, dass man auch einen dreieinigen Gott so definieren kann, dass man seine Existenz logisch aus wenigen Axiomen ableiten kann.

Dass Gödel einen Gottesbeweis (über dessen Aussagewert* die Meinungen... nun ja... geteilt sind 😀 ) formulierte, ist keineswegs eine hinreichende Voraussetzung dafür. Mach doch bitte mal einen Vorschlag, wie sich ein dreieiniger Gott, bzw. eben speziell dieser christliche dreieinige Gott aus "wenigen Axiomen" ableiten ließe. Und bitte: bennene doch mal einen einzigen islamischen Theologen, der einen solchen Ansatz dann auch für überzeugend hält. Gern auch mit Quellenangabe.

 

 

 

 

 

*Nehmen wir mal das (ich verwende diese Publikation als Quelle) Axiom1

 Jede Eigenschaft ist entweder positiv oder negativ.

und wenden es an einen konkreten Einzelfall (da hier von allen Eigenschaften die Rede ist, sind wir völlig frei in der Wahl unseres Beispiels) an. Ist die Eigenschaft, rein blau zu leuchten, positiv oder negativ? Wie steht es mit der Eigenschaft, rein rot zu leuchten: positiv oder negativ? Gibt es ein Argument dafür, dass die eine Eigenschaft positiv, die andere hingegen negativ sei? Ich würde sagen: nein. Denn für "rein rot" ließe sich ebenso ein Frequenzbereich des Lichts angeben wie auch für "rein blau".

Entweder ist die Eigenschaft, in einem (beliebigen) Frequenzbereich zu leuchten, positiv oder sie ist negativ. Nur was bedeutet hier überhaupt "positiv" und was "negativ"? Ich finde die Eigenschaft, rein rot zu leuchten, positiv: sie beschreibt nicht  die Inexistenz eines Effekts, sondern dessen Existenz. Daher plädiere ich dafür, sämtliche Arten des "reinen" farblichen Leuchtens als positive Eigenschaften zu verstehen.

Und nun schauen wir uns die Definition für Gott an:

Original: A God-like being possesses all positive.
Übersetzung: Ein Individuum ist genau dann göttlich, wenn es alle positiven
Eigenschaften besitzt.

 

Rein rot zu leuchten bedeutet, nicht rein blau zu leuchten; ich hoffe, das leuchtet ein... 😉 Falls ein denkbares Individuum genau dann göttlich ist, wenn es alle positiven Eigenschaften besitzt, so ließe sich ableiten, dass sowohl die Eigenschaft, rein rot zu leuchten, als auch die Eigenschaft, rein blau zu leuchten, ihm zukommt. Somit besäße dieses denkbare göttliche Individuum zwei positive Eigenschaften, die einander allerdings wechselseitig ausschließen. Wie kann ein Wesen, dessen ihm notwendig zukommenden Attribute (Eigenschaften) einander ausschließen, existieren?! Hhmm... 🤔 🤨 

 

jack-black antworten
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@jack-black 

Ist für mich teilweise etwas zu kompliziert.

Ich nehme mal die Eigenschaft 'Entschlossenheit'. Ich kann entschlossen Menschen retten oder töten.

Ich denke, in dem Augenblick, wo wir es schaffen, Gott vollkommen zu definieren und damit vollkommen zu erfassen, in dem Augenblick haben wir ihn auch widerlegt, weil Göttliches nicht erfassbar ist.

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Jack-Black
(@jack-black)
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@chey Ist für mich teilweise etwas zu kompliziert.

Das ist ja der Witz bei solchen "Beweisen", wie dem von Gödel oder dem von Leibniz: Ständig werden die als Belegbeispiele von Apologeten in Diskussionen wie dieser vorgebracht. Man verlässt sich drauf, dass niemand es wagt, ihre Qualität zu bezweifeln, weil es ja so großartige Köpfe waren, die sie sich ausdachten, und weil sie so kompliziert sind/wirken, dass Kritiker die in ihnen steckende Zirkellogik oder die Unsinnigkeit der Axiom-Wahl nicht bemerken oder nicht zu benennen wagen. Es wird auf die intellektuelle Bescheidenheit der potentiellen Kritiker spekuliert, darauf, dass sie sich sagen: "Hhmm... ich durchschaue das nicht, das ist so kompliziert, vielleicht ist es am Ende doch alles richtig und ich bin bloß zu simpel gestrickt, es begreifen zu können?"

Damit laufen solche komplizierten Argumente von berühmten Köpfen, wie - nach meiner persönlichen Erfahrung - so ziemlich jedes scheinbar rationale Argument für die Existenz Gottes, dann doch am Ende immer wieder auf das Autoritätsargument hinaus: Wenn Gödel, der große Mathematiker, es hinkriegte, einen ontologischen Gottesbeweis zu konstruieren (mit mehr oder minder frei gewählten Axiomen und Definitionen), dann wird das ja wohl stimmen und dann lassen sich für die gänzlich anders definierten Götter der Religionen dann gewiß auch "denkbare" Beweise finden...

Ich nehme mal die Eigenschaft 'Entschlossenheit'. Ich kann entschlossen Menschen retten oder töten.

Ja, genau: Man könnte das Problem des von Gödel gewählten Axioms an allen möglichen "konkreten" Eigenschaften durchdeklinieren. Und ich verrate Dir was: Stets wird Dir dann der Proponent des Beweises offen oder verklausuliert erklären, dass Du hier nicht verstanden habest, was im Sinne dieses Gottesbeweises eigentlich eine positive Eigenschaft sei.

Es muss ja übrigens auch, damit der Beweis klappt, vorausgesetzt werden, dass (notwendige) Existenz eine positive Eigenschaft sei. Warum denn überhaupt? Die Nichtexistenz von Zahnschmerz ist meines Erachtens eine echt positive Eigenschaft meiner Kauwerkzeuge... Warum handelt es sich bei der Existenz von Zahnschmerz dann also im Sinne das Arguments um eine negative Eigenschaft? Weil Zahnschmerz nicht notwendig existiert. Woher wissen wir das? Weil wir Zustände kennen, in denen kein Zahnschmerz existiert: wir haben empirische Belege dafür, dass Zahnschmerz nicht immer (also notwendigerweise) da ist. Aber huch! - da haben wir jetzt empirische Belege zuhilfe genommen, dabei möchte aber der Gödelsche Beweis schön sauber im metaphysisch-ontologischen Bereich bleiben, unangreifbar durch irgendwelche Messungen...

 

Ich denke, in dem Augenblick, wo wir es schaffen, Gott vollkommen zu definieren und damit vollkommen zu erfassen, in dem Augenblick haben wir ihn auch widerlegt, weil Göttliches nicht erfassbar ist.

 

Naja, das Problem (Gott vollkommen zu definieren), möchte man mit solchen ontologischen Beweisen ja gerade vermeiden. Strategien, Existenzargumente für Gott gegen es zu immunisieren, kennen wir seit spätestens Anselm von Canterbury (dessen hinlänglich bekannter Gottesbeweis in der oben verlinkten Publikation auch erwähnt wird): man behauptet einfach, Gott sei das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden könne - so erspart man sich das anstrengend aufwendige Aufzeigen dieser Grenzlinie mit einem Definitionstrick, indem man nun alles, was sich Großes gedacht werden kann, als Nicht-Gott definiert hat.

Den Du so ähnlich übrigens hier selbst schon als Argument anwendest, mit der Formulierung: "weil Göttliches nicht erfassbar ist".

Allerdings läuft, soweit ich Dich verstehe, Dein Argument ja darauf hinaus, dass sich Gott nicht definieren und fassen lasse, und dass sich daher ausserhalb rein formaler Systeme (wie der Mathematik) nichts sinnvoll (d.h. logisch konsistent) über ihn aussagen und somit: wissen ließe. Weswegen - korrigiere mich bitte, falls ich Dich falsch verstehe - Theologie keine eigene Wissenschaftsdisziplin ist.

Und das sehe ich ebenso. Der Gödelsche Gottesbeweis ist ein mathematisches Theorem, kein theologisches. Über den Gegenstand Gott wurde in den vergangenen zig Tausend Jahren ja denn auch entsprechend wenig neues Wissen geschaffen: Gottesbeweise wie der von Leibniz oder Gödel oder Anselm sind kein Wissen über Gott, sondern nur logische Kalküle, die möglicherweise aufgehen, wenn man ihre Axiome als gültig erachtet. Da handelt es sich dann allerhöchstens um neues mathematisches Wissen oder um das Wissen um einen weiteren Anwendungsfall für Logik.

jack-black antworten
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@jack-black  Ich habe eigentlich zu Gottesbeweisen weiter oben schon alles gesagt. Du baust Strohmänner.

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Jack-Black
(@jack-black)
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@suchender_2-1 Ich habe eigentlich zu Gottesbeweisen weiter oben schon alles gesagt.

Alles gleich? 😯 Na dann... 😀

Okay, zur Sicherheit nochmal nachgefragt: Stimmst Du zu, dass Gödels Gottesbeweis nicht als Argument dienen kann zu behaupten, es existiere ein Gott, über den konkretes Wissen geschaffen werden kann?

jack-black antworten
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Beigetreten : Vor 4 Jahren

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@jack-black  Ich kann auch gerne nochmals die wesentlichen Punkte wiederholen, die ich hier alle schon, teilweise mehrfach, geschrieben habe:

- Gottes Existenz ist nichts, was die Theologie beweisen muss oder beweisen kann. Der Gegenstand einer Wissenschaft wird als gegeben vorausgesetzt. Die Physik beweist auch nicht, dass es unbelebte Materie gibt, auch wenn es Menschen gibt, die die ganze Natur als belebt und beseelt erfahren.

- Gottesbeweise dienen nicht dazu, irgendeinem Ungläubigen Gott zu beweisen. Oder einem Andersgläubigen zu beweisen, dass er an den falschen Gott glaubt. Sie dienen dazu Grenzen auszuloten. Wie weit kann ich mit dem Verstand gehen? Was ist Gott nicht? Welche Argumente von Atheisten sind nicht gültig?

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Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

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@suchender_2-1 Ich glaube zu verstehen, was Du meinst. 

Als gläubiger Mensch kann ich Gott nicht beweisen. Das schließt aber nicht aus, dass es ihn gibt. Und es schließt nicht aus, dass er von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich erlebt und erfahren wird - von jedem so, wie es ihm passt. 

chai antworten
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@chai  Das sehe ich auch so.

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Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

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@suchender_2-1 Gottes Existenz ist nichts, was die Theologie beweisen muss oder beweisen kann. Der Gegenstand einer Wissenschaft wird als gegeben vorausgesetzt.

Ja, okay. So, wie ja der Gegenstand der Yetilogie vorausgesetzt werden kann und der Gegenstand der Feenologie, der Alienologie und der Homöopathie. Alles profunde Wissenschaften, die unbedingt Aufnahme in unser Universitätswesen in Form eigener Fakultäten erhalten sollten...

 

Die Physik beweist auch nicht, dass es unbelebte Materie gibt, auch wenn es Menschen gibt, die die ganze Natur als belebt und beseelt erfahren.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Die Physikwissenschaften brauchen nicht die "Existenz" von Materie, ob nun unbelebt oder belebt, beweisen. Ihr Gegenstand ist nicht "die Physik", sondern jeweils einzelne physikalische Gegenstände: Strömungen, Elektrizität, Elementarteilchen usw. usf.. Ihr Ausgangspunkt sind jeweils empirisch belegbare* Phänomene (daher gehört sie zu den empirischen Wissenschaften - Du hattest Dich bisher ja nicht dazu durchringen können, zu entscheiden, ob die Theologie zu diesen empirischen Wissenschaften gehöre oder zu den Strukturwissenschaften - vielleicht kannst Du anhand dieses Streitpunkts erkennen, dass die Beantwortung dieser Frage nicht ganz unerheblich für den Rest der Diskussion ist), sie entwickelt Modelle, mittelst denen solche Phänomene verstanden werden können - und dann lassen sich diese Modelle i.d.R. mathematisch/formal auf Konsistenz überprüfen und in einem weiteren Schritt dann auch noch die Übereinstimmung weiterer empirischer Daten überprüfen mit dem, was laut Anwendung der Modelle an weiteren empirischen Daten zu erwarten wäre. So wird zusätzliches Wissen geschaffen hinsichtlich dieser einzelnen physikalischen Gegenstände.

Und zwar gänzlich unabhängig vom soziokulturellen Background der an solchem Vorgehen beteiligten Wissenschaftler (auch diesen Aspekt beschweigst Du auffallend).

 

 

*Einer der Kritikpunkte von Frau Hossenfeld - die Du weiter oben ja selbst hier anführtest - mit einigen derzeitigen "wissenschaftlichen" Projekten wie den immer größeren Teilchenbeschleunigern ist ja gerade, dass in denen (so wie ich die Frau verstanden habe) nach rein hypothetischen Teilchen gesucht wird, die nicht im Rahmen funktionierender Theorien benötigt werden (siehe dazu die Antwort von Laplace, als ihn Napoleon, sich auf das System Newtons beziehend, fragte, wo denn in seinem gerade vorgeführten Welt-System Gott seinen Platz habe: "Bürger und Erster Konsul, ich habe dieser Hypothese nicht bedurft.") und bislang auch nicht empirisch keine Wirkungen aufzeigten. Ich bin kein Teilchenforscher, aber ihre Argumentation, dass hier Geld verschwendet werde, weil nach etwas gesucht wird, das womöglich nicht existiert und das vor allem bisher keine meßbaren Auswirkungen auf unsere Welt hat, also im höchsten Grade irrelevant ist (bis auf seine Funktion in rein konstruierten Theoremen), überzeugt mich. Warum wohl? Weil diese bisher nicht detektierbaren und womöglich - qua Nicht-Existenz - nie detektierbaren Teilchen viel mit den Gotteskonzepten, die in den ontologischen Gottesbeweisen eine Rolle spielen, gemeinsam haben.

jack-black antworten
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@jack-black 

Ja, okay. So, wie ja der Gegenstand der Yetilogie vorausgesetzt werden kann und der Gegenstand der Feenologie, der Alienologie und der Homöopathie. Alles profunde Wissenschaften, die unbedingt Aufnahme in unser Universitätswesen in Form eigener Fakultäten erhalten sollte

Das ist die reinste Augenwischerei. Der Unterschied zum Yeti, Feen, Aliens, etc. ist, dass Gott für sehr viele Menschen unbestreitbare Realität ist. Dass sie ihn sogar als realer erleben als vieles andere, was beispielsweise in den Naturwissenschaften untersucht wird. Und dass er eine deutlich spürbare Auswirkung auf ihr Leben hat.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Die Physikwissenschaften brauchen nicht die "Existenz" von Materie, ob nun unbelebt oder belebt, beweisen. Ihr Gegenstand ist nicht "die Physik", sondern jeweils einzelne physikalische Gegenstände: Strömungen, Elektrizität, Elementarteilchen usw. usf..
 

Auch Augenwischerei. Du machst einfach aus der Physik die Physikwissenschaften und das Problem ist erledigt. Außerdem: Der Vergleich von Theologie mit Naturwissenschaften bringt nichts, weil Theologie eben keine Naturwissenschaft ist. Deine ganze Kritik sagt nur eines: Theologie ist keine Naturwissenschaft. Aber das ist trivial.

 

Indem Du der Kritik von Sabine zustimmst, hebelst Du Deine eigenen Argumente übrigens ein Stück weit aus. Weil das nämlich bedeutet, dass die aktuelle Physik eben nicht (mehr) so arbeitet wie Du es oben dargestellt hast und als mustergültig für eine Wissenschaft präsentierst. Ihre Kritik geht ja weit darüber hinaus, dass sie den Bau von weiteren Teilchenbeschleunigern als Geldverschwendung ansieht. Du beschreibst eine Physik, wie sie früher betrieben wurde zu einer Zeit als eben noch Theologie und Philosophie einen großen Stellenwert innerhalb der gesamten Wissenschaftsgemeinde hatten. Waren die Physiker und sonstigen Naturwissenschaftler, die wir heute als die Giganten betrachten, auf deren Schultern wir stehen, so dumm nicht zu erkennen, dass Theologie eigentlich an Universitäten nichts zu suchen hat?

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Veröffentlicht von: @suchender_2-1

 

Das ist die reinste Augenwischerei. Der Unterschied zum Yeti, Feen, Aliens, etc. ist, dass Gott für sehr viele Menschen unbestreitbare Realität ist. Dass sie ihn sogar als realer erleben als vieles andere, was beispielsweise in den Naturwissenschaften untersucht wird. Und dass er eine deutlich spürbare Auswirkung auf ihr Leben hat.

Ich glaube, es ist Irland, wo so viele Menschen Begegnungen mit Trollen und Feen hatten und haben,  dass es sogar staatlich Beauftragte dafür gibt und die Existenz dieser Wesen nicht bestritten wird 

Das müsste dann ja in deinem Sinne sein. Auch dass es dort entsprechende Wissenschaften geben müsste.

Oder aber ist der Unterschied eigentlich nur, dass das Christentum weiter verbreitet ist und mehr Menschen damit sozialisiert werden?

Denn warum sprechen hinduistischen Götter in Indien zu mehr Menschen als hier und christlicherseits ist es umgekehrt?

 

 

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@chey  Ich mache gar keinen großen Unterschied zwischen hinduistischen Göttern und den christlichen Vorstellungen von Gott und anderen Geistwesen. Dass überhaupt so viele Menschen in der Menschheitsgeschichte von Erfahrungen mit einer geistigen Welt berichten (und ich habe derartige Erfahrungen auch gemacht) ist für mich Grund genug darüber zu forschen. Ob man das dann auf Grundlage einer heiligen Schrift macht und sich auf christliche Vorstellungen spezialisiert, oder auf Grundlage anderer Schriften, oder interreligiös, das ist für mich alles in Ordnung.

Es gibt für mich auch einen eindeutigen Beweis für die Existenz der geistigen Welt, der über persönliche Erfahrungen hinaus geht. Das ist der Mathematiker Srinivasa Ramanujan.

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Jack-Black
(@jack-black)
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Beiträge : 6195

@suchender_2-1 Das ist die reinste Augenwischerei.

Nein. Das ist die Anwendung Deiner pauschalen Behauptung

Der Gegenstand einer Wissenschaft wird als gegeben vorausgesetzt.

auf konkrete Beispiele.

Auch Augenwischerei. Du machst einfach aus der Physik die Physikwissenschaften und das Problem ist erledigt.

Nein. Die Physikwissenschaften behandeln physikalische Gegenstände, analog dem die Theologie Gott behandelt. Nur, dasss eben die Theologie keine Wissenschaft ist, weil sie über ihren Gegenstand - Gott - kein Wissen generieren (schaffen) kann. Und ja, hierbei beziehe ich mich auf den klassischen Wissens-Begriff (wahre, gerechtfertigte Überzeugung), der zwar durchaus seine Grenzprobleme (Gettier-Problem z.B.) hat, die aber eher akademischer Natur sind. Wenn man ihn ablehnt, kann man als Alternative nur die Position vertreten, dass es eigentlich überhaupt kein Wissen gebe. Dann verabschiedet man sich allerdings aus dem Diskurs darüber, welche Disziplinen als Wissenschaften anerkannt werden sollten, denn dann muss man sagen: es gibt überhaupt keine Wissenschaften, weil Wissen grundsätzlich nicht erlangt werden kann.

Make your choice!

 

Indem Du der Kritik von Sabine zustimmst, hebelst Du Deine eigenen Argumente übrigens ein Stück weit aus. Weil das nämlich bedeutet, dass die aktuelle Physik eben nicht (mehr) so arbeitet wie Du es oben dargestellt hast und als mustergültig für eine Wissenschaft präsentierst.

Du scheinst nicht zwischen Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb unterscheiden zu können (oder wollen).

 

Waren die Physiker und sonstigen Naturwissenschaftler, die wir heute als die Giganten betrachten, auf deren Schultern wir stehen, so dumm nicht zu erkennen, dass Theologie eigentlich an Universitäten nichts zu suchen hat?

Sie leben in ihrer Zeit mit den zu ihren Zeiten üblichen Vor- und Fehlurteilen. Da ich es nicht so mit der Heiligenverehrung habe, kann ich auch "große Köpfe" wie Newton oder Leibniz aufgrund ihrer zweifelsohne eindrucksvollen Leistungen würdigen, ohne sie deswegen als unfehlbar betrachten zu müssen. Wenn man sich z.B. Leibniz' "Theodicee" durchliest - die ich hier im Forum schon mehrfach verlinkte und dies nun ein weiteres Mal tue... - wird man übrigens bemerken, dass sich Leute wie er schon vor zweihundert Jahren nicht damit begnügten, zur Rechtfertigung ihrer Positionen einfach nur auf irgendwelche "Giganten" zu verweisen: dass Autoritätsargumente schwache Argumente sind, war ihnen damals schon bewußt. 🙂

Auch, wenn es zum damaligen Wissenschaftsbetrieb gehörte, allzu häufig und sozusagen reflexhaft "die Alten" zu zitieren. Eine Unart, die, wenn man Texte von damals liest, kaum weniger hinderlich für einen effektiven Wissenschaftsbetrieb wirkt als das heutige "publish or perish"-Prinzip. (Selbst mein Lieblingsphilosoph Schopenhauer konnte es sich nicht verkneifen, immer wieder seine, eigentlich zur Genüge gehaltvoll originellen, Gedanken dadurch stützen zu wollen, indem er Autoritäten zitierte).

Kurz: nein, jene Giganten waren nicht dumm, aber hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit der Theologie irrten sie sich dennoch (falls sie überhaupt in der Diskussion, die wir hier führen, engagiert waren, was mir nicht mal sonderlich sicher erscheint). So, wie sie sich über allerhand irrten, das sich - dank des Fortschritts der Wissenschaften - heute besser wissen lässt.  Mein Lieblingsbeispiel hierfür: die Besessenheit Newtons von der Alchemie - Dank sei Neal Stephenson, der diese Seite des physikwissenschaftlichen Genies in seinem Barock-Zyklus zu literarischem Leben erweckt...

 

jack-black antworten
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@jack-black 

Nur, dasss eben die Theologie keine Wissenschaft ist, weil sie über ihren Gegenstand - Gott - kein Wissen generieren (schaffen) kann.

Und warum denkst Du, dass sie das nicht kann?

 

Du scheinst nicht zwischen Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb unterscheiden zu können (oder wollen).

Und Du nicht zwischen Theorie und Realität. Du argumentiert mit einer theoretischen Idealvorstellung von Wissenschaft, die aber so in der Welt überhaupt nicht vorzufinden ist. Aber theoretische Debatten will ich nicht führen. Ich kenne den Wissenschaftsbetrieb von innen und habe über 15 Jahre lang meine schmerzhaften Erfahrungen darin gemacht, die gerade aus der Diskrepanz zwischen der Idealvorstellung von Wissenschaft und der Realität resultierten.

 

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@jack-black 

Sie leben in ihrer Zeit mit den zu ihren Zeiten üblichen Vor- und Fehlurteilen. Da ich es nicht so mit der Heiligenverehrung habe, kann ich auch "große Köpfe" wie Newton oder Leibniz aufgrund ihrer zweifelsohne eindrucksvollen Leistungen würdigen, ohne sie deswegen als unfehlbar betrachten zu müssen.

Von Unfehlbarkeit hat niemand gesprochen. Bedenkst Du auch deine eigenen zeitgeist-bedingten Vor- und Fehlurteile?

Wenn man sich z.B. Leibniz' "Theodicee" durchliest - die ich hier im Forum schon mehrfach verlinkte und dies nun ein weiteres Mal tue... - wird man übrigens bemerken, dass sich Leute wie er schon vor zweihundert Jahren nicht damit begnügten, zur Rechtfertigung ihrer Positionen einfach nur auf irgendwelche "Giganten" zu verweisen: dass Autoritätsargumente schwache Argumente sind, war ihnen damals schon bewußt. 🙂

 

Es geht mir nicht darum, auf eine Autorität zu verweisen. Eine einzelne Person wäre tatsächlich nicht besonders überzeugend. Es geht vielmehr um die Mehrheit der Wissenschaftler vergangener Zeiten.

 

Kurz: nein, jene Giganten waren nicht dumm, aber hinsichtlich der Wissenschaftlichkeit der Theologie irrten sie sich dennoch

 

Was Du so viel besser beurteilen kannst als sie selbst...

Mein Lieblingsbeispiel hierfür: die Besessenheit Newtons von der Alchemie

Ich verstehe nicht, was die Leute immer an der Alchemie auszusetzen haben. Diese Diskussion habe ich schon mal mit Lucan geführt. Ich zitiere aus Wikipedia:

 

Die alchemistischen Vorstellungen beruhten auf den damals gängigen und verbindlichen Naturphilosophien. Auch wenn manche der damaligen Vorstellungen abwegig erscheinen mögen, so führte doch die Theoriebildung über die Wandlungen der Stoffe in der praktischen Laborarbeit hin zur modernen Naturwissenschaft. In der Alchemie erlangte das Experiment einen gänzlich neuen Stellenwert für eine prinzipiell antiaristotelisch ausgerichtete Wissenschaft.[40] Der Übergang von der Alchemie zu den heute noch gängigen Materialwissenschaften wie der Metallurgie, der pharmazeutischen und der medizinischen Forschung geschah teilweise fließend, gewisse alchemische Traditionen wurden allerdings obsolet oder neu- und umgewertet.[41]

 

 

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Jack-Black
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@suchender_2-1 Es geht mir nicht darum, auf eine Autorität zu verweisen. Eine einzelne Person wäre tatsächlich nicht besonders überzeugend. Es geht vielmehr um die Mehrheit der Wissenschaftler vergangener Zeiten.

Das Problem beim Autorititäsargument ist kein quantitatives, sondern ein qualitatives.

Was Du so viel besser beurteilen kannst als sie selbst...

Genau. 🙂

 

Ich verstehe nicht, was die Leute immer an der Alchemie auszusetzen haben.

Ich hab überhaupt nix an ihr auszusetzen. Dennoch würde ich heutzutage als Personaler im pharmazeutischen Bereich jemanden, der sich in seinen Bewerbungsunterlagen als Alchemisten bezeichnet, eher aussortieren und mir zuerst die Bewerbungen jener, die Abschlüsse in Chemie vorweisen können, anschauen.

 

Die alchemistischen Vorstellungen beruhten auf den damals gängigen und verbindlichen Naturphilosophien.

Fettung von mir. Danke für die Bestätigung! 🙂

 

jack-black antworten
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@jack-black  Das Autoritätsargument ist nichts, was innerhalb der realen, gelebten Wissenschaft keine Bedeutung hätte, ganz im Gegenteil. In der Mathematik haben zum Beispiel neben Theoremen Vermutungen eine ganz große Bedeutung. Vermutungen kann aber nicht einfach jeder äußern. Da hängt es ganz stark davon ab, welche Autorität einem Mathematiker zugesprochen wird. Und solche Vermutungen beeinflussen teilweise ganz stark den Verlauf einzelner mathematischer Disziplinen über Jahrhunderte. Berühmte Beispiele sind die (inzwischen bewiesene) Poincare-Vermutung und die (nach wie vor unbewiesene) Riemannsche Vermutung. Manchmal ist es sogar so, dass eine Vielzahl an Arbeiten veröffentlich wird, die alle mit dem Satz beginnen: "Unter der Annahme, dass die XY-Vermutung richtig ist, ... "

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Also was ich damit sagen möchte: Die Wissenschaftstheorie, über die Du so gut bescheid weißt, ist ja ganz nett, aber hat oft mit der realen Wissenschaft nicht viel zu tun. Dort nämlich werden Fortschritte auf ganz andere Art und Weise erzielt als es die Theorie suggeriert. Da haben beispielsweise Autoritätsargumente und persönliche Weltbilder eine große Bedeutung. Die Wissenschaftstheorie sagt nun vielleicht: Das gehört alles nicht in die Wissenschaft. Das müssen wir loswerden und überwinden, um ganz ergebnisoffen Wissen über die Welt zu generieren. Aber die Realität macht auf mich zumindest einen ganz anderen Eindruck.  

 

Die alchemistischen Vorstellungen beruhten auf den damals gängigen und verbindlichen Naturphilosophien.

Ja und? What is present now will later be past, um Bob Dylan zu zitieren.

 

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Jack-Black
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@suchender_2-1 Vermutungen kann aber nicht einfach jeder äußern. Da hängt es ganz stark davon ab, welche Autorität einem Mathematiker zugesprochen wird.

 

 Autoritätsargument

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@jack-black Ich sehe nicht, was grundsätzlich schlecht an einem Autoritätsargument sein soll, zumindest in der Mathematik. Außerhalb der Mathematik mag es ja Scheinautoritäten geben, aber innerhalb der Mathematik ist sehr klar, wer wirklich Ahnung hat.

Auf Autoritäten zu vertrauen ist übrigens die einzige Möglichkeit heutzutage selbst seriös Mathematik zu betreiben. Denn kein Mensch wäre in der Lage, jedes Theorem, das er verwendet, eigenhändig auf seine Gültigkeit zu überprüfen. Da müsste man dann schnell hier mal und da mal ein halbes Jahr investieren, um einen Bruchteil seines eigenen Beweises zu überprüfen. Und nein, das Peer-Review System hilft da nicht. Die allermeisten in Fachzeitschriften veröffentlichten Papers enthalten schwerwiegende Fehler. Bei jedem Paper, das ich von Anfang bis Ende gelesen und überprüft habe, war es so, und die Autoren haben es mir bestätigt. Entweder wussten sie bereits davon, hatten aber kein Interesse es der Öffentlichkeit mitzuteilen, oder ich konnte sie davon überzeugen. Also, was bleibt für eine Möglichkeit? Auf die Namen der Autoren zu schauen und sich ein Bild davon zu verschaffen, was deren Reputation ist, und zusätzlich darauf zu schauen, wer sie zitiert und wie es um deren Reputation steht. Je mehr gute Leute ein Paper gelesen haben und seine Resultate sogar selbst verwenden, desto wahrscheinlicher sind die Resultate darin korrekt.

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Jack-Black
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@suchender_2-1Ich sehe nicht, was grundsätzlich schlecht an einem Autoritätsargument sein soll, zumindest in der Mathematik.

Na gut, daran werde ich wohl nichts ändern können.

jack-black antworten
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@jack-black 

Ja, für mich ist Theologie allenfalls eine Untergruppe der historischen Wissenschaften oder der Philosophie. Dort würde ich auch eine Berechtigung sehen.

Letztlich ist dieser Streit aber offen. Wenn man sich mal im Web umschaut, gibt es aus dem religiösen Raum die pro Argumente, die man auch bei den entsprechenden Universitäten findet, wo man aber leicht ein Eigeninteresse unterstellen kann. Die Contra Argumente kommen aus dem religionskritischen oder atheistische Bereich,  ebenfalls leicht erklärbar.

Ich denke, wenn die Atheisten hier klug wären, würden sie für die Theologie als Wissenschaft argumentieren.  Ich kenne keine andere Maßnahme,  die so viel Glauben bis in die Grundfesten zerstört wie ein Theologie-Studium an einer normalen Universität. 

 

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Lucan-7
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@chey 

Ich denke, wenn die Atheisten hier klug wären, würden sie für die Theologie als Wissenschaft argumentieren.  Ich kenne keine andere Maßnahme,  die so viel Glauben bis in die Grundfesten zerstört wie ein Theologie-Studium an einer normalen Universität. 

Da ich Wissenschaftsfeindlichkeit für ein großes Problem unserer Zeit halte (Ich sage nur: Klimawandel) denke ich nicht, dass es wirklich klug wäre, den Begriff weiter aufzuweichen.

lucan-7 antworten
Jack-Black
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@chey Ich denke, wenn die Atheisten hier klug wären, würden sie für die Theologie als Wissenschaft argumentieren. Ich kenne keine andere Maßnahme, die so viel Glauben bis in die Grundfesten zerstört wie ein Theologie-Studium an einer normalen Universität. 

Das wäre ein rein stategisches, selbst wieder ideologisch motiviertes Vorgehen, von dessen praktischer Effektivität ich nicht mal überzeugt wäre. Als Atheist möchte beispielsweise ich aber ohnehin lieber intellektuell redlich sein, und nicht aus taktischen Erwägungen heraus Positionen vertreten, die ich inhaltlich falsch finde*.

Dass das Theologie-Studium an einer normalen Universität so sonderlich viel Glauben "bis in die Grundfesten zerstört", halte ich übrigens eher für ein in evangelikalen Kreisen kursierendes Gerücht und Vorurteil (das gegen eine Konkurrenz - die Landeskirchen nämlich - im religiösen Wettbewerb zielt)  als eine Tatsache. Ich kenne persönlich mehrere, auch evangelisch-lutherische Geistliche (Pastoren), deren Glaube das Universitätsstudium recht schadlos überstand, bzw. die, falls sie innerlich denn doch vom Glauben abgefallen sein sollten (was ich nicht behaupte, sondern nur als Möglichkeit in Betracht ziehe), dies doch ziemlich geschickt zu kaschieren vermögen im Rahmen ihres Broterwerbs...

 

 

 

*In der Diskussion über Islamunterricht an staatlichen Schulen hörte ich vor Jahren mal ein Interview mit einem Politiker der Grünen, dessen Dialektik so ähnlich ging: Die Kinder aus muslimischen Haushalten, die in der Schule Islamlehre als drögen Unterricht mitmachen müssen, für den sie Namen und Zahlen auswendig lernen und Hausaufgaben erledigen müssen, würden dann keinen Bock mehr haben, auch noch ausserhalb der Schule sich mit diesem ganzen Religionskram zu beschäftigen. Per Verpflichtung im schulischen Zusammenhang würde dem Islam der Nimbus des Besonderen genommen - das habe doch bei dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht in den Schulen bisher auch recht gut geklappt. Im ersten Moment dachte ich mir so: Gar nicht doof und eigentlich sogar richtig smart, diese Idee: wer in im Schul-Islamunterricht Koransuren büffeln muss, wie er die Hauptexportartikel südamerikanischerr Zwergenstaaten im Erdkundeunterricht büffeln muss, verliet vielleicht wirklich die Lust auf mehr davon...

Je länger man darüber nachdenkt, desto falscher und zweckrationalistischer erscheint einem aber dieses Argument. Es war nicht das Pflichtfach (konfessionsorientierter) Religionsunterricht, das für den schwindenden Einfluß der christlichen Religion hierzulande sorgte. Und wenn man so argumentiert, dass Schüler, die sich mit einem Gegenstand in der Schule beschäftigen müssen, im Normalfall in ihrer "Freizeit" keinen Bock mehr darauf haben, dann sollte man im Sinne der Bildung am besten keine wichtigen Fächer mehr in den Schulen unterrichten...

jack-black antworten


Tatokala
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Veröffentlicht von: @lucan-7

Man könnte sagen, dass Sozialkunde auf Psychologie basiert, Psychologie auf Biologie, Biologie auf Chemie und Chemie auf Physik

So wie du das sagst, hört sich das nach einem baumartigen Modell an...aber ob das so ist? Ist vielleicht subjektiv...

Ich glaube mich zu erinnern, daß auch schon mal gesellschaftswissenschaftliche Erkenntnisse auf Naturwissenschaftliche Dinge übertragen wurden... mit Erfolg...

Jeder Wissenschaftler hält natürlich sein Fach für das Wichtigste.😅

tatokala antworten
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@tatokala  Klar, die Wissenschaften befruchten sich gegenseitig. Auch in der Mathematik sind schon erfolgreich Ideen aus der Physik oder Biologie angewandt worden, um Probleme zu lösen, die mit der jeweiligen Physik oder Biologie gar nichts zu tun haben.

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Lucan-7
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@tatokala 

So wie du das sagst, hört sich das nach einem baumartigen Modell an...aber ob das so ist?

Ist natürlich grob vereinfacht, aber durchaus anschaulich.

 

 

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
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Hier wird sehr viel zerredet.

chai antworten


GoodFruit
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@suchender_2-1 Die reine Wissenschaft gibt es nicht mehr - zumindest nicht in Deutschland. Wissenschaft bedeutet, dass sich Menschen frei und ohne dogmatische Begrenzungen dem Gewinn von Wissen widmen können, unsere Vorstellung von der Welt erweitern oder konkretisieren.

An einer verschulten Universität, wo zeitlich keine Freiräume bleiben, sich frei selbstgewählten Themen zu widmen, weil man von fremdbestimmten Lehrinhalten, Prüfungen und Ausarbeitungen komplett ausgelastet ist, kann ein wissenschaftliches Mindset keinen Raum mehr haben.

Von daher ist die Frage, ob Theologie nun denn Wissenschaft sei oder nicht, obsolet. "Die Wissenschaft" gibt es nicht mehr.

Aber wir haben immer noch Vorstellungen von dem, was Wissenschaft mal war oder was Wissenschaft sein kann. Diese Vorstellungen sind nicht der Wissenschaft selbst zu eigen. Sie kann sich genauso wenig aus sich selber heraus definieren, wie sich ein Herr Münchhausen selber kaum am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen haben dürfte.

Dazu bedarf es Distanzen, die außerhalb des Kontextes stehen - und die finden wir in geisteswissenschaftlichen Disziplinen.

Ohne Experten für Weltbilder dümpelt eine Naturwissenschaft, die einige für die alleinig gültige Wissenschaft halten, im luftleeren Raum ohne wirkliche Bestimmung, ohne wirklich für ein Weltbild verwertbare Struktur. Wenn ein Blick von Außen nicht mehr möglich ist, geht der Überblick verloren.

So sehe ich denn eine Notwendigkeit für Geisteswissenschaft.

Die Naturwissenschaften sind in der Renaissance wiederentdeckt worden. Ausgelöst wurde das durch Schriften des griechischen, Epikur nahestehenden Dichters Lukrez, der in seinem Werk "De rerum natura" hypothetische Naturvorstellungen beschreibt und daraus ein Menschenbild formuliert, das Teil dessen ist. Inhaltlich war das Werk, das im 1. Jh. vor Christi Geburt entstand, nie wirklich ernst genommen worden. Man hatte es bestenfalls exemplarisch für Studien der lateinischen Sprache verwendet. Das änderte sich mit der Renaissance. Es begann eine Phase der Naturforschung, die zeigen sollte, dass Lukrez Vorstellungen von der Natur so abwegig gar nicht waren. Lukrez plante übrigens auch noch ein Werk über die Götter zu verfassen. Das aber ist heute nicht verfügbar. Entweder ist es verloren gegangen oder Lukrez hat es nicht mehr schreiben können.

Der Gedanke der Naturwissenschaft ist ein aus der Philosophie heraus geborener Gedanke und Naturwissenschaft braucht immer eine philosophische Einordnung, um im historischen wie inhaltlichen Sinne das Weltbild beeinflussend werden zu können.

Die Forderung, die Naturwissenschaft als alleinige Wissenschaft gelten lassen zu wollen, erscheint mir burschikos bis lächerlich. Das hat schon etwas Überhebliches und lässt doch Mangel an Horizont und Weisheit erkennen.

Ich habe also aus meiner Perspektive heraus die Notwendigkeit einer Geisteswissenschaft begründet.

Nun zur Theologie. Theologie ist für mich "Philosophie mit Gottesbild".

Da unsere westliche Zivilisation erheblich durch dieses Gottesbild geprägt ist und viele Menschen gute Erfahrungen mit diesem Gott gemacht haben, macht es auch heute noch absolut Sinn, sich mit diesem Gott auch wissenschaftlich zu beschäftigen.

Ich halte es für absolut notwendig, moderne Erkenntnis (die grade auch von der Naturwissenschaft kommt) in ein theologisches Weltbild einzuordnen. Dabei ist es aber wichtig, übergriffige Forderungen naturwissenschaftlichen Arbeitens, die für geisteswissenschaftliches Arbeiten oft absolut untauglich sind und keineswegs andere Ansätze ausschließen dürfen, abzuwehren.

Geisteswissenschaft kennt eine geistige und eine materielle Welt. Ihre Aufgabe ist es, beide in ein stimmiges Weltbild einzubringen.

Aufgaben einer Theologie als geistige Wissenschaft sehe ich hier:

1) Klarheit über die Wurzeln der Gottesvorstellung vermehren.

a) Biblische Texte in unsere Zeit übersetzen, sodass die damalige Bedeutung klar berücksichtigt ist und die Vielfalt der Perspektiven, die den Worten und Sätzen ursprachlich enthalten ist, möglichst erhalten bleibt.

b) Vermehren des Verständnisses des Wortes durch historische und kulturelle Einordnung in die zu Zeiten der Verfassung der Texte gegebenen Zusammenhänge. Auf dieser Grundlage dann Entwicklung von Perspektiven, was das in unserer heutigen Zeit bedeuten könnte.

c) Erfassung von Gotteserfahrungen in historischen Dokumenten und aktuelle Erforschung in z.B. Interviews von Menschen mit Nahtoderfahrung oder Wundererfahrung, um aus dem Bild, das sich daraus ergibt, Vorstellungen der geistigen Welt zu konkretisieren.

 

2) Das Christentum ist eine Beziehungsreligion. Erkenntnisse über den Aufbau einer Beziehung zu Gott gewinnen.

a) Das Gebet als Weg der Kommunikation mit Gott dahingehend erforschen, dass historische Zeugnisse analysiert werden und praktische Erfahrungen heute gesammelt und strukturiert dokumentiert werden.

b) Studium von Frömmigkeitsstilen, historisch wie aktuell. Dazu gehört sicher auch die Analyse von liturgischen Konzepten.

c) Studium von Gemeindestrukturen, historisch wie aktuell.

d) Aus dem allen heraus der Versuch einer Konkretisierung eines Gottesbildes, um dem Partner in unserer Beziehung klarer fokussiert begegnen zu können.

 

3) Universität (grade heute) ist weniger Wissenschaftsstätte als wie viel mehr Ausbildungsstätte mit klarer Zweckbestimmung auf zukünftige Arbeitnehmertätigkeit. Aus dieser Aufgabe heraus die Vorbereitung von Studenten auf das Leben als Pfarrer oder Diakon.

a) Studium des Menschen in seiner Bedürftigkeit, den möglichen psychologischen Nöten und den Möglichkeiten, hier zu helfen.

b) Das Angebot Christi als Retter in diese Not hinein verstehen und kommunizieren lehren.

c) Das Kennenlernen von Gemeindestrukturen als Elemente zum Bau des Himmelreichs und des Schaffens eines Fundaments sinnerfüllten Lebens vor Ort.

d) Die administrativen Aufgaben eines Pfarrers - inklusive einer kritischen Einordnung und einer Abgrenzung des Aufgabenbereichs hin zu den unnötigen oder von anderen Instanzen zu erfüllenden Aufgaben.

e) Persönlichkeitsbildung und Festigung im Glauben der Studenten, um von einem guten Fundament aus in die Aufgaben des Berufes entlassen werden zu können.

 

4) Historische Theologie als Betrachtung theologischer Themen und Diskussionen bisher, sowie kritische Betrachtung von Missbrauchskonzepten der Theologie als Mittel zu politischer Macht.

 

5) Interdisziplinärer Ansatz.

  Offenheit (Schnittstellen) zu anderen geisteswissenschaftlichen Disziplinen schaffen und auch zu naturwissenschaftlichen Disziplinen, um ein umfassendes Weltbild zu ermöglichen und im Miteinander der Elemente an der Universität einem gemeinsamen Ziel des besseren Verständnisses der Welt und des menschlichen Wirkens darin zu ermöglichen.

 

Das wären so meine Vorstellungen, wie eine sinnvolle Theologie an Universitäten aussehen könnte.

Ich sehe also absolut Aufgaben für die Theologie als Wissenschaft.

Was die hierarchische Einordnung angeht - früher galt Theologie ja mal als die höchste wissenschaftliche Disziplin und heute wird sie oft mit Verachtung betrachtet - so lehne ich die komplett ab. Jede Disziplin sollte so selbstbewusst sein, dass sie ein Dominieren anderer nicht nötig hat und Versuche anderer Disziplinen, sich über andere zu erheben, klar und deutlich ablehnt.

goodfruit antworten
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@goodfruit 

Wissenschaft bedeutet, dass sich Menschen frei und ohne dogmatische Begrenzungen dem Gewinn von Wissen widmen können, unsere Vorstellung von der Welt erweitern oder konkretisieren.

Das sehe ich auch so. Und die großen Denker vergangener Zeiten, die sich u.a. mit Theologie beschäftigt haben und zudem noch große Naturwissenschaftler oder Mathematiker waren, kannten auch keine dogmatischen Begrenzungen. Oft waren ihre theologischen Thesen völlig gegenläufig zur Lehre der Kirchen.

 

Ohne Experten für Weltbilder dümpelt eine Naturwissenschaft, die einige für die alleinig gültige Wissenschaft halten, im luftleeren Raum ohne wirkliche Bestimmung, ohne wirklich für ein Weltbild verwertbare Struktur. Wenn ein Blick von Außen nicht mehr möglich ist, geht der Überblick verloren.

Auch diese Ansicht teile ich. Die beispielsweise vom Physiker Richard Feynman (der der Philosophie sehr ablehnend gegenüber stand) vertretene Idee, dass man als Naturwissenschaftler einfach vorurteilsfrei nachschauen könne, wie die Natur tatsächlich sei, halte ich für eine postmoderne Dummheit. Man bringt immer ein Weltbild und bestimmte Präferenzen mit und es ist sehr gut, wenn man sich dessen bewusst ist. Die großen Wissenschaftler früherer Zeiten (sagen wir vor dem Zweiten Weltkrieg) hatten alle eine tiefe geistige Verwurzelung in der Philosophie und/oder Theologie. Und daraus haben sie geschöpft. Daraus haben sie ihre Ideen entwickelt und ihre Hypothesen gewonnen. Natürlich lagen sie damit nicht immer richtig, wie etwa Einstein, als er aus weltanschaulichen Gründen annahm, dass das Weltall keinen Anfang haben könne. Aber ohne ein vernunftbegründetes Weltbild fehlt komplett die Orientierung.

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Lucan-7
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@goodfruit 

Die reine Wissenschaft gibt es nicht mehr - zumindest nicht in Deutschland. Wissenschaft bedeutet, dass sich Menschen frei und ohne dogmatische Begrenzungen dem Gewinn von Wissen widmen können, unsere Vorstellung von der Welt erweitern oder konkretisieren.

Das Thema hatten wir ja schon öfters, und ich habe wenig Lust das Ganze nochmal neu aufzurollen... ich möchte an dieser Stelle nur noch einmal feststellen, dass es einen großen Unterschied zwischen "Freiheit der Wissenschaft" und "Beliebigkeit von Aussagen" gibt.

Denn wenn ein Mathematiker beschließt, dass er im Namen der "Freiheit" einfach mal annimmt, dass 2+2=5 ist, dann wird in der Folge nur Murks dabei herauskommen.

Und wenn ein Geologe Erdöl suchen soll, und sich dabei auf sein "persönliches Gefühl" verlässt, dann wird er allenfalls ein paar Zufallstreffer landen, aber nicht auf Dauer gegenüber solchen Geologen erfolgreich sein, die systematisch und mit präzisen Methoden vorgehen.

Und das hat nichts mit einem "Dogma" zu tun, sondern damit, was funktioniert und was nicht.

 

Was die hierarchische Einordnung angeht - früher galt Theologie ja mal als die höchste wissenschaftliche Disziplin und heute wird sie oft mit Verachtung betrachtet - so lehne ich die komplett ab. Jede Disziplin sollte so selbstbewusst sein, dass sie ein Dominieren anderer nicht nötig hat und Versuche anderer Disziplinen, sich über andere zu erheben, klar und deutlich ablehnt.

Es ist mir wurscht, ob Theologie sich als die Krönung der Forschung oder sonstwas betrachtet... sie erfüllt keine wissenschaftlichen Kriterien, also ist es keine Wissenschaft. Theologie arbeitet bestenfalls mit Vermutungen als Basis, und heraus kommen am Ende wiederum nur Vermutungen, aber niemals etwas nachweislich Konkretes über Gott.

Das hat mit Wissenschaft nichts zu tun.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Du verwendest den Begriff Wissenschaft im Grunde die ganze Zeit synonym mit Naturwissenschaft. Das führt nicht weiter. Es gibt auch Wissenschaften, die sich anderer Methoden bedienen. Die Mathematik gehört dazu. In der Mathematik gibt es einige historische Beispiele, in denen Dogmen gegen den Widerstand der damaligen Wissenschaftsgemeinde von einzelnen oder wenigen ignoriert wurden und daraus im Laufe der Zeit ein Paradigmenwechsel entstand. Hier sind drei Beispiele:

* Georg Cantors Einführung des aktual Unendlichen. Bis dahin war das Unendliche als etwas, womit man rigoros arbeiten konnte, verpönt und durfte nur als eine etwas unexakte Sprechweise verwendet werden. So sagte zum Beispiel noch Gauß: "So protestiere ich zuvörderst gegen den Gebrauch einer unendlichen Größe als einer Vollendeten, welcher in der Mathematik niemals erlaubt ist." Die von Cantor geschaffene Mengenlehre ist inzwischen die Grundlage jeder mathematischen Disziplin und einem heutigen Studenten der Mathematik würde die Vorstellung einer Mathematik ohne unendliche Mengen als vollkommen absurd erscheinen.

* Die Entdeckung der nicht-euklidischen Geometrien durch Gauß, Bolyai und Lobachevsky: Bis dahin waren Euklids Elemente aus dem 3. Jahrhundert vor Christus das gültige Lehrbuch der Geometrie. Niemand wäre auf die Idee gekommen, die Axiome von Euklid anzuzweifeln, insbesondere das berühmte Parallelenaxiom: Gegeben eine Gerade und ein Punkt außerhalb dieser Geraden, existiert genau eine weitere Gerade durch diesen Punkt, welche die erste niemals schneidet. In den nicht-euklidischen Geometrien gilt dieses Axiom nicht mehr. Stattdessen kann es zum Beispiel gar keine oder unendlich viele solcher parallelen Geraden geben. Ohne nicht-euklidische Geometrien hätte Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie nicht formulieren können und die heutige Mathematik sähe komplett anders aus. Auch eine große Menge moderner Technik würde höchstwahrscheinlich nicht existieren, beispielsweise bildgebende Verfahren in der medizinischen Diagnostik oder Satellitennavigationssysteme. Für Gauß, obwohl er zu seiner Zeit als Europäischer Fürst der Mathematik galt, war übrigens die Veröffentlichung seiner Arbeiten zur nicht-euklidischen Geometrie zu heikel, so dass er anderen den Vorrang ließ.

* Die Entdeckung von chaotischem Verhalten als ubiquitäre Eigenschaft nichtlinearer Systeme: Bis dahin gingen Naturwissenschaftler oft davon aus, dass sie einen Fehler im Aufbau ihrer Experimente gemacht hätten, wenn das gemessene Verhalten nahe legte, dass sich eine Trajektorie nicht einem Gleichgewicht oder einer periodischen Lösung annäherte. Zudem waren die Methoden zur Behandlung nichtlinearer Systeme, wie sie in Fachbüchern abgehandelt wurden, sehr beschränkt. Die Pioniere der Chaostheorie bedienten sich zur damaligen Zeit verpönten Methoden, die nicht als wissenschaftlich galten. Insbesondere argumentierten sie oft mit von Computerprogrammen generierten Bildern, ohne dass sie Beweise vorlegen konnten. Tatsächlich ist bis heute vieles, was man für richtig hält, nicht bewiesen, weil die mathematischen Schwierigkeiten immens sind. Aber dennoch zweifelt niemand mehr an der Wissenschaftlichkeit dieser Theorie und sie gilt neben Quantenmechanik und Relativitätstheorie als die dritte große Revolution des 20. Jahrhunderts im Verständnis der (unbelebten, teilweise auch belebten) Natur.

Das wären also reale Beispiele. Es ist hochgradig irreführend von Dir, wenn Du da mit "2 + 2 = 5" argumentiert.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Die Mathematik gehört dazu. In der Mathematik gibt es einige historische Beispiele, in denen Dogmen gegen den Widerstand der damaligen Wissenschaftsgemeinde von einzelnen oder wenigen ignoriert wurden und daraus im Laufe der Zeit ein Paradigmenwechsel entstand. Hier sind drei Beispiele:

Nur dass es sich bei deinen Beispielen nicht um "Dogmen" handelt, sondern lediglich um Annahmen - denn genau aus den von dir hier genannten Gründen gibt es in den echten Wissenschaften keine "Dogmen". Das ist ein religiöser Begriff.

In den Wissenschaften gibt es lediglich "Axiome", das sind Grundannahmen, die so weit wie möglich reduziert wurden, um überhaupt sinnvolle Aussagen tätigen zu können.

Das wären also reale Beispiele. Es ist hochgradig irreführend von Dir, wenn Du da mit "2 + 2 = 5" argumentiert.

Das bezog sich aus gutem Grund auf Good Fruits Einwände, mit dem ich diese Diskussion auch nicht zum ersten Mal führe.

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@lucan-7 

Nur dass es sich bei deinen Beispielen nicht um "Dogmen" handelt, sondern lediglich um Annahmen -

Das was ich in meinen Beispielen als Dogmen bezeichne, ist vom Prinzip her nicht von den Dogmen der Kirche zu unterscheiden. Da geht es darum, dass bestimmte Methoden und Ansichten als prinzipiell unwissenschaftlich betrachtet wurden.

Deine "echten Wissenschaften" gibt es in der Realität nicht. Die sind nur ein frommer Wunsch.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Das was ich in meinen Beispielen als Dogmen bezeichne, ist vom Prinzip her nicht von den Dogmen der Kirche zu unterscheiden. Da geht es darum, dass bestimmte Methoden und Ansichten als prinzipiell unwissenschaftlich betrachtet wurden.

Offensichtlich nicht, sonst hätten sie ja nicht widerlegt werden können. Du widersprichst dir also selbst.

 

Deine "echten Wissenschaften" gibt es in der Realität nicht. Die sind nur ein frommer Wunsch.

Das, was Wissenschaft ausmacht, und das, was Wissenschaftler tun sind in der Tat zwei paar Schuhe.

Es ist ein Grundirrtum, wenn man annimmt, dass "Wissenschaft" das ist, was Wissenschaftler tun. Wenn Wissenschaftler Murks bauen, dann betreiben sie keine Wissenschaft mehr.

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Es ist ein Grundirrtum, wenn man annimmt, dass "Wissenschaft" das ist, was Wissenschaftler tun. Wenn Wissenschaftler Murks bauen, dann betreiben sie keine Wissenschaft mehr.

Der wahre Schotte, mal wieder.

 

Offensichtlich nicht, sonst hätten sie ja nicht widerlegt werden können. Du widersprichst dir also selbst.

Sie wurden nicht widerlegt. Vielmehr sind diejenigen, die sie vertreten haben, irgendwann gestorben.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Der wahre Schotte, mal wieder.

Nein. Mathematiker bestimmen nicht darüber, was Mathematik ist und wie sie funktioniert.

 

Sie wurden nicht widerlegt. Vielmehr sind diejenigen, die sie vertreten haben, irgendwann gestorben.

Und das macht jetzt genau welchen Unterschied...?

Wenn die vermeintlichen "Dogmen" die Leute nicht überleben, die sie vertreten, dann können sie ja wohl so stark nicht gewesen sein... denn dann waren es nicht die "Dogmen", sondern der Einfluss gewisser Leute, die die Erkenntnisse verhindert haben.

 

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Nein. Mathematiker bestimmen nicht darüber, was Mathematik ist und wie sie funktioniert.

Doch, genau das tun sie. Wenn vor Cantor gesagt wurde, dass Unendlichkeit in der Mathematik nichts zu suchen hat und Cantors Theorie später zum Grundpfeiler der Mathematik wurde, dann haben das die Mathematiker so festgelegt.

Und wenn früher Mathematiker gesagt haben, dass Computer in der Mathematik nicht verwendet werden dürfen und heute Computer sogar Beweise führen, denen man Glauben schenkt, obwohl man sie nicht nachvollziehen kann, dann haben Mathematiker das so bestimmt.

 

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Wenn vor Cantor gesagt wurde, dass Unendlichkeit in der Mathematik nichts zu suchen hat und Cantors Theorie später zum Grundpfeiler der Mathematik wurde, dann haben das die Mathematiker so festgelegt.

Trotzdem haben sie nicht festgelegt, was Mathematik IST und wie sie funktioniert. Sie haben lediglich ihr eigenes Verständnis davon bekundet.

Welches aber von den realen Gegebenheiten abweichen kann, und darüber kann kein Mensch entscheiden.

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Trotzdem haben sie nicht festgelegt, was Mathematik IST und wie sie funktioniert

Doch, das haben sie schon. Wer sollte es denn sonst getan haben? Zum Beispiel haben sich Mathematiker darauf geeinigt, dass das Auswahlaxiom in der Mathematik verwendet werden darf um damit neue Mengen aus alten zu erzeugen, und zwar aus rein pragmatischen Gründen. Weil ansonsten nicht viel von der Mathematik übrig bleiben würde. Gerade das Auswahlaxiom ist es dann aber, dass so verrückte Dinge wie das Banach-Tarski Paradoxon produziert.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Doch, das haben sie schon. Wer sollte es denn sonst getan haben?

Es muss ja nicht "Jemand" sein. Das ist eine Vorstellung, die sich evolutionär erklären lässt, dass immer "Jemand" für alles verantwortlich sein muss. Muss es aber nicht.

Es ist zwar richtig, dass das Konzept der Mathematik eine menschliche Erfindung ist.

Aber über das, was innerhalb diese Konzeptes funktioniert und was nicht - darüber haben wir keine Entscheidungsfreiheit.

Deshalb kann Mathematik auch nicht "festgelegt" werden.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Es gibt aber innerhalb der mathematischen Logik verschiedene Wahlmöglichkeiten. Wir sind da nicht eindeutig festgelegt. Und falls doch, haben wir es auf jeden Fall noch nicht herausgefunden. Möglicherweise treffen wir irgendwann auf einen echten Widerspruch innerhalb des Rahmens unserer Axiomensysteme. Dann wissen wir, dass wir ein echtes Problem haben. Aber solange nicht, dürfen wir glauben, dass das nie geschehen wird. Letztendlich ist es eine Sache des Glaubens.

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GoodFruit
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@lucan-7 Das Thema hatten wir ja schon öfters, und ich habe wenig Lust das Ganze nochmal neu aufzurollen... ich möchte an dieser Stelle nur noch einmal feststellen, dass es einen großen Unterschied zwischen "Freiheit der Wissenschaft" und "Beliebigkeit von Aussagen" gibt.

Nun, das war aber nicht das Problem, das ich angesprochen habe. Ich fordere nicht die Möglichkeit, gefördert "Murks" zu bauen. Ich beklage das Verschwinden der Freiheit in der Wahl der Forschungsinhalte - was noch verstärkt wird, wenn nicht nur die Inhalte, sondern auch die Ergebnisse einem gewünschten Ideal entsprechen müssen. Hier ist das zentrale Problem.

Wer Murks bauen, will, der kann das auch heute tun - da haben wir aus der Warte der Murks Fans wohl kein Problem.

https://www.youtube.com/watch?v=Yk_NjIPaZk4

Man kann sich hier deutsche Untertitel anzeigen lassen. Es handelt sich um das Vorstellen eines Papers, das wirklich nur groben Unfug enthält. Begrifflichkeiten werden durcheinandergeschmissen und in mathematischen Formeln wild kombiniert. Fehler ohne Ende. Von der Peer Reviewern offenbar einfach nur durchgewinkt und nie wirklich kritisch gelesen. Laut Frau Hosenfeld muss das grad öfter vorkommen.

Probleme gibt es, wenn in Bereichen geforscht werden soll, die bestimmten Menschen mit Macht nicht passen. Auch gibt es Probleme mit Beton-Materialisten, denen jegliche Phantasie und Vision für Wissenschaft in Grenzbereichen fehlt. Hier macht sich die fehlende philosophische Breite naturwissenschaftlicher Forscher ungut bemerkbar. Sie sind so einbetoniert in ihrem Ding drin, dass ihr Horizont extrem klein geworden ist und wir folglich in wichtigen Bereichen nicht voran kommen.

Dazu kommt, dass es Studenten heute unmöglich ist, sich frei wissenschaftlich zu bilden und fortzuentwickeln. Sie sind mit Arbeit so zugeschmissen, dass sie kein "Steckenpferd" entwickeln können, kein Studieren von Inhalten, die sie wirklich interessieren und mit Fragestellungen, die noch nie zuvor jemand beackert hat, möglich ist. Überhaupt scheint das eine beliebte Strategie zu sein, freies Denken zu unterbinden.

Und das hat nichts mit einem "Dogma" zu tun, sondern damit, was funktioniert und was nicht.

Was Du da genannt hast, sind in der Tat keine Dogmen und das, was der Geologe da tut, ist keine Forschung, sondern es ist Handwerk, das auf bestimmte Weise funktioniert.

Ich spreche von etwas ganz anderem. 

Ich meine er das hier:

https://www.latimes.com/environment/story/2023-09-12/california-scientist-blasts-climate-change-research

Ein an den Ursachen von Waldbränden von Feuerwäldern in Californien befasster Wissenschaftler, hat sich selbst bezichtigt, die Erkenntnisse in Richtung "Klimawandel" "massiert" zu haben, um überhaupt seine Erkenntnisse in einem Namenhaften Magazin veröffentlichen zu können.

Das Problem ist also folgendes: Es gibt gewissen erwünschte Meldungen, politisch ausschlachtbare wissenschaftliche Erkenntnis, die bevorzugt veröffentlicht wird, während eine ehrliche Veröffentlichung, die den gewünschten Aspekt deutlich weniger betont oder gar konträr zu erwünschten Meldungen steht, kaum zu veröffentlichen ist. Ich denke, Lucan, dass Du mir zustimmen wirst, dass das für Naturwissenschaft im eigentlichen Sinne, ein massives Problem darstellt. Wenn man das nicht ganz schnell wieder in den Griff bekommt, ist die Naturwissenschaft mausetot.

Das sind Dogmen, die da die Wissenschaft treiben und die Verhindern, dass wir erfahren, was wirklich ist - inklusive der Option komplette Fehlentscheidung zu treffen und großen Schaden anzurichten.

Die Naturwissenschaft scheint da derart mit Scheuklappen behaftet zu sein, dass wir von einer Unfähigkeit sprechen können, das, was sie verteidigen müssen, auch zu verteidigen. Wenn da ein Geisteswissenschaftler drüberschaut, dann kann der so etwas viel eher einordnen und Alarm schlagen. Das fehlt leider so gut wie komplett. Selbst eine Theologie könnte hier rettend wirksam werden, da zentrale moralische Prinzipien betroffen sind.

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Lucan-7
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@goodfruit 

Das sind Dogmen, die da die Wissenschaft treiben und die Verhindern, dass wir erfahren, was wirklich ist - inklusive der Option komplette Fehlentscheidung zu treffen und großen Schaden anzurichten.

Du verwechselst "Wissenschaft" mit dem "Wissenschaftsbetrieb".

Wenn Wissenschaftler unsauber arbeiten, dann spricht das nicht gegen die Wissenschaft, sondern gegen die Leute, die sie betreiben.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Wissenschaft ist aber das, was im Wissenschaftsbetrieb passiert. Alles andere sind Luftschlösser.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Wissenschaft ist aber das, was im Wissenschaftsbetrieb passiert.

Nein, ist es nicht.

 

Du verwechselst das mit Religion. Religiöse Inhalte werden allein von Menschen bestimmt. Aber über physikalische Gesetze und Logik kann man nicht bestimmen.

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Nein, ist es nicht.

Wenn es das nicht ist, dann sprechen wir über Luftschlösser.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Wenn es das nicht ist, dann sprechen wir über Luftschlösser.

Das eine ist Wissenschaftstheorie - das andere ist das, was die Menschen daraus machen.

Wenn du das eine nicht vom Anderen unterscheiden kannst, dann kommen wir hier auch nicht weiter.

Wenn Physiker beschließen, nach den Grundsätzen der Alchemie zu arbeiten - dann betreiben sie Alchemie und keine Physik.

Ganz egal wieviele akademische Abschlüsse sie auch haben mögen.

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@lucan-7  Ich kann das sehr gut unterscheiden. Die Wissenschaftstheorie ist aber nicht die heilige Schrift. Sie liegt in vielen Dingen komplett daneben, wenn es darum geht, wie wissenschaftlicher Fortschritt erzielt wird. Zum Beispiel, wie ich bereits in einer Antwort an Jack-Black ausgeführt habe, hat das Autoritätsargument eine wichtige Bedeutung in der Mathematik. Allein durch ihre Autorität haben Mathematiker Forschungsprogramme für ganze Jahrhunderte maßgeblich mitbestimmt. Wenn ein Mathematiker eine Vermutung äußert, hängt es ganz stark von seiner Autorität ab, ob diese ernst genommen wird oder nicht. Ob zum Beispiel Mathematiker ihre Karriere auf der Annahme aufbauen, dass die Vermutung richtig ist.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Die Wissenschaftstheorie ist aber nicht die heilige Schrift. Sie liegt in vielen Dingen komplett daneben, wenn es darum geht, wie wissenschaftlicher Fortschritt erzielt wird. Zum Beispiel, wie ich bereits in einer Antwort an Jack-Black ausgeführt habe, hat das Autoritätsargument eine wichtige Bedeutung in der Mathematik.

Die Autorität einzelner Wissenschaftler ist kein Teil der Wissenschaftstheorie.

Du verwechselst immer noch die Profession mit den Menschen, die sie betreiben.

 

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@lucan-7 

Die Autorität einzelner Wissenschaftler ist kein Teil der Wissenschaftstheorie.

Die kannst Du auch in eine Theorie nicht integrieren. Ich wüsste zumindest nicht wie. Aber in der Realität spielt die Autorität einzelner Wissenschaftler dennoch eine große Rolle beim Erzielen wissenschaftlicher Fortschritte. Nur das kann die Wissenschaftstheorie nicht abbilden, weil es keinen allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Deshalb liegt die Theorie daneben.

Wenn zum Beispiel die berühmte Poincare-Vermutung nicht von Poincare, sondern einem anderen Mathematiker geäußert worden wäre, hätte sich vielleicht niemand dafür interessiert. Dann würden große Teile der heutigen Mathematik ganz anders aussehen oder gar nicht existieren. Denn aus den vielen Beweisversuchen und dem schließlich gelungenen Beweis der Vermutung sind ganz neue Unterdisziplinen von Topologie und Differentialgeometrie entstanden. Zudem wurden Brücken zwischen vorher strikt getrennten Disziplinen gebaut. Wie gesagt, das alles wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn nicht ein einzelner, den man für sehr weitsichtig hielt, diese Vermutung in den Raum geworfen hätte. Poincare selbst hat übrigens Mathematik nicht nach heutigen Standards betrieben. Er war ziemlich schlampig beim Aufschreiben seiner Argumente und ließ viele Lücken offen. Dennoch gilt er als einer der größten Mathematiker, die jemals gelebt haben. In Frankreich ist er so was wie ein Nationalheld. 

Kurz gesagt: Die Realität interessiert sich nicht für Theorien.

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GoodFruit
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@lucan-7 Du verwechselst das mit Religion. Religiöse Inhalte werden allein von Menschen bestimmt. Aber über physikalische Gesetze und Logik kann man nicht bestimmen.

Lucan, versetz Dich mal in die Zeit, in der die komplexen Zahlen entwickelt wurden.

Glaubst Du, dass es heute in der Wissenschaft möglich wäre, eine Lösung für Wurzel aus -2 zu präsentieren?

Es gibt Dinge, die erweisen sich als Unfug. Manche haben es vorher schon gesagt - andere merken es erst, wenn man es probiert hat.

Wenn wir aufhören, waghalsigen Hypothesen zu folgen, um sie zu prüfen, dann blockiert man jeglichen Fortschritt. Man kann dann nur noch den Status Quo optimieren. Das war es.

Ich glaube nicht, dass sich die Menschheit so etwas leisten kann. Wandel, ganz neue Technologie, disruptive Technologien - all das muss möglich sein!

Klar ist das oft ein Wagnis und nicht jede Wagnis lohnt sich. Aktuell sind wir aber so blockiert, dass der Impetus, den die Wissenschaft in die Welt gebracht hat, fast komplett zum Erliegen gekommen ist. Ich achte die Wissenschaft und ihre Möglichkeiten zu sehr, als dass ich sie so in die Bedeutungslosigkeit abgleiten lassen möchte.

Lieferant von sozialistischer Pseudomoral und angsteinflößenden Narrativen ist eine etwas dünne und unehrenhaft Aufgabe für so etwas Großes wie die Wissenschaft. Wir brauchen eine Wissenschaft, die den Kern ihrer Daseinsberechtigung nicht länger leugnet sondern neu lebt.

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Lucan-7
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@goodfruit 

Lucan, versetz Dich mal in die Zeit, in der die komplexen Zahlen entwickelt wurden.

Glaubst Du, dass es heute in der Wissenschaft möglich wäre, eine Lösung für Wurzel aus -2 zu präsentieren?

Sicher ist das möglich. Nennt sich "imaginäre Zahlen", und ich habe damals im Fach Physik selbst damit gerechnet.

Die Dozenten meinten, das sei zwar nicht ganz legitim, sei in diesem Fall aber ein geeignetes Hilfsmittel, um zum richtigen Ergebnis zu kommen (Es ging dabei um das recht komplexe Thema sich überlagernder Schwingungen).

 

Wenn wir aufhören, waghalsigen Hypothesen zu folgen, um sie zu prüfen, dann blockiert man jeglichen Fortschritt. Man kann dann nur noch den Status Quo optimieren. Das war es.

Es geht mir nicht darum, Hypothesen in Frage zu stellen, sondern um die Methode der Überprüfung. Denn dafür gibt es Regeln, und wenn man sich nicht daran hält - dann kommt halt Blödsinn dabei heraus.

lucan-7 antworten
GoodFruit
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@lucan-7 Sicher ist das möglich. Nennt sich "imaginäre Zahlen", und ich habe damals im Fach Physik selbst damit gerechnet.

Ich wollte von Dir nicht wissen, ob Du imaginäre Zahlen annimmst oder ablehnst. Sie sind ja gut eingeführt und in vielen Bereichen wichtiges Hilfsmittel.

Ich wollte Dich bitten, Dich in die Zeit zu versetzen, als dieser Ansatz entwickelt wurde. Damals waren revolutionäre Dinge und Lösungen, wo jeder sagte: geht nicht! an der Tagesordnung.

Das ist heue anders und ich könnte mir vorstellen, dass heute so ein revolutionärerer Ansatz einfach platt gemacht wurde - weil es mit den gültigen Regeln der Mathematik nicht vereinbar ist. Und genau das war es ja in jener Zeit, weil der Raum der reellen Zahlen verlassen wurde und absolutes Neuland betreten wurde.

Versetz Dich hinein und überleg, was Du machen würdest, wenn da jemand käme, der aktuelle Standards deutlich crasht.

Die Offenheit für komplett Neues ist eine Forderung, die ich an jeden Wissenschaftler stelle. Denn wenn das nicht gegeben ist, haben wir es mit einer Person zu tun, die Fortschritt aus wissenschaftskonservativen Gründen blockiert. Solche Menschen muss es als Korrektiv auch geben - aber sie dürfen niemals absolute Macht erhalten.

Das aber ist ein Gleichgewichtsverhältnis, was sich auch innerhalb "gesunder" Wissenschaften einstellen muss.

Unser aktuelles Problem geht ja aber mit politisch-dogmatischen Forderungen und der willentlichen Hingabe der Wissenschaft in diese Zwänge weit über das Problem des Gleichgewichts von Fortschritt und Bewahrung hinaus.

Die Naturwissenschaft scheint mir die neue Theologie zu werden. Ihr wurde die Aufgabe zugedacht, Macht zu begründen, neue Ethik zu legitimieren und Menschen zu manipulieren/ zu leiten und zu regulieren. Das lief bislang oft über die Theologie und er Schaden, den der Glaube und die Theologie dabei genommen hat, ist hier ja öfter Anlass und Inhalt von Threads.

Wenn wir nicht wollen, dass es der Naturwissenschaft ähnlich geht, dann müssen da Grenzen gezogen werden.

Und da tut sich die Geisteswissenschaft deutlich leichter, weil dies Vorgänge betrifft, die sie historisch aus Jahrtausenden kennt und entsprechend einordnen kann.

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Lucan-7
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@goodfruit 

Versetz Dich hinein und überleg, was Du machen würdest, wenn da jemand käme, der aktuelle Standards deutlich crasht.

Ganz einfach: Ich würde ihn nach den Gründen dafür fragen. Sind die Gründe gut und plausibel, dann haben wir etwas Neues. Sind sie es nicht, dann eben nicht.

Ich wollte Dich bitten, Dich in die Zeit zu versetzen, als dieser Ansatz entwickelt wurde. Damals waren revolutionäre Dinge und Lösungen, wo jeder sagte: geht nicht! an der Tagesordnung.

Ja, aber das war halt bevor alles systematisch und gründlich erforscht wurde.

Du kannst nicht erwarten, dass jedes Jahr aufs Neue alles über den Haufen geworfen wird und spektakuläre neue Entdeckungen gemacht werden. Irgendwann lässt das halt auch mal nach, logischerweise.

Je mehr wir erforschen, desto mehr stoßen wir auch an unsere Grenzen, und desto schwieriger wird es, wirklich Neues zu finden.

Das liegt aber in der Natur der Sache.

 

lucan-7 antworten
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@goodfruit 

Glaubst Du, dass es heute in der Wissenschaft möglich wäre, eine Lösung für Wurzel aus -2 zu präsentieren?

Natürlich ist so was wie die Wurzel aus -2 heute Kinderkram in der Mathematik. Aber grundsätzlich sehe ich das auch so. In der mathematischen Disziplin, mit der ich mich am besten auskenne, wurden die letzten großen Forschungsprogramme in den 1960er Jahren aufgestellt. Und die heute besten Mathematiker, die in dieser Disziplin arbeiten, versuchen immer noch die Fragen von damals zu beantworten. Natürlich wird da auch mal was auf größere Objektklassen verallgemeinert und neue Beweismethoden kommen dazu. Aber es gibt keine Person, die mit einer solchen Weitsicht ausgestattet ist wie die Leute, die damals den Paradigmenwechsel ins Rollen gebracht haben.

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@goodfruit  Kurzinfo zu der Entwicklung der komplexen Zahlen:

Es ging dabei nicht um das grundsätzliche Problem, dass Wurzeln aus negativen Zahlen nicht definiert sind. Es ging vielmehr darum, kubische Gleichungen zu lösen, also Gleichungen mit "x hoch 3". Die alten Griechen kannten dafür noch keine Methode, wussten aber von geometrischen Problemen, die auf solche Gleichungen führen. Im Mittelalter wurde in der islamischen Welt eine geometrische Methode entwickelt, um kubische Gleichungen zu lösen, aber keine analytische (also keine Lösungsformel). Der erste, der eine solche Lösungsformel fand, war der Italiener Cardano um 1520. Dies war der erste substantielle Beitrag der europäischen Mathematik zur Algebra, ein echter Triumph über die alten Griechen! Das Problem mit der Formel von Cardano war nur, dass bei manchen Gleichungen innerhalb dieser Formel eine negative Zahl unter der Wurzel auftauchte. Und das sogar bei Gleichungen, für die man die Lösungen kannte.

Etwa 20 Jahre nach Veröffentlichung von Cardano's Formel beschäftigte sich ein Wasserbau-Ingenieur names Bombelli, der nie eine Universität besucht hatte, mit der Formel. Er kam auf die grandiose Idee eine neue Zahl einzuführen, deren Quadrat -1 ergeben sollte. Mit Hilfe dieser Zahl konnte er Cardano's Formel auch für zuvor als unlösbar geltende kubische Gleichungen auswerten und erhielt als Ergebnis gewöhnliche Zahlen, die tatsächlich die Gleichung lösten. Die "imaginäre Einheit" i kürzte sich nämlich heraus und war im Endergebnis nicht mehr präsent. Das war die Geburtsstunde der komplexen Zahlen, die sich in der Form "x plus i mal y" mit x und y aus den reellen Zahlen schreiben lassen. Eine echte mathematische Theorie dazu wurde natürlich erst später von zahlreichen großen Mathematikern wie etwa Leonard Euler ausgearbeitet.

Die heutige Welt gäbe es nicht ohne die komplexen Zahlen. Sie stecken in jeglicher Form moderner Technik, weil außer der klassischen Mechanik alle physikalischen Theorien auf den komplexen Zahlen aufbauen. Alles, was mit Strom zu tun hat, alles was mit Quantenmechanik zu tun hat, zudem spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, und vieles mehr wird mit Hilfe komplexer Zahlen berechnet. Auch jeder Feedback-Regler, sei es im Thermostat, im Auto, im Flugzeug oder sonst irgendeiner Maschine, wird gemäß einer Theorie entworfen, die ohne komplexe Zahlen nicht existieren würde. Zudem baut die ganze Signalverarbeitung (Audio, Video, medizinische Diagnostik, etc.) auf der gleichen Theorie auf.

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GoodFruit
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@suchender_2-1 Ich weiß nicht, ob das Beispiel so gut gewählt war. Mir ging es darum, zu zeigen, wie man mit revolutionären Neuerungen umgeht. Wie neue Erkenntnisse aufgenommen werden.

Und da scheint mir bei vielen heutigen Wissenschaftlern ein konservativer Geist eingezogen zu sein. Man hält sich fest an alter Erkenntnis, an liebgewonnenen Theorien und Weltbildern, die man dann gerne auch dogmenhaft verfestigt und verteidigt.

An sich sind das degenerative Anzeichen. Man hat sich ein Status Quo erarbeitet oder sogar erkämpft - und nun darf das nicht in Gefahr geraten. Dass aber grade ein Veralten eine große Gefahr darstellt, wird gerne übersehen. Ich meine, dass die Naturwissenschaften in der Zeit ihres Aufkommens deutlich frischer und flexibler unterwegs war.

Allein die ganzen Erkenntnisse aus der Welt der Quanten sind so bahnbrechend, dass sie danach schreien, das Weltbild mit zu formen. In immer mehr Bereichen werden quantenphysikalische Wirkmechanismen entdeckt, die Zusammenhänge beinhalten, die in der klassischen Physik unmöglich waren. Man denke nur mal an den Zusammenhalt eines Vogelschwarms oder das Phänomen der Navigation im Vogelzug.

Verschränkten Quanten sind ja keine unmittelbar materielle Verbindung. Es ist das ja über große Strecken verknüpfte Information. Damit sind wir in der Vorstellung dieser Zusammenhänge eher in einer geistigen als in einer materiellen Welt drin. Für Menschen, die eine geistige Welt rundherum ablehnen und sich fest bei Newton einbetoniert haben, ist das ein größeres Problem. Ein überkommenes Weltbild erweist sich als ungenügend.

Und wer einmal verschränkte Quanten in sein Weltbild aufgenommen hat und Beispiele, wo diese wirksam sind, kennt - der wird auch leichter annehmen können, dass da noch viel mehr ist, wir grade erst das Tor zu einer uns bis dahin unbekannten Welt einen Spalt breit geöffnet haben.

Um den Umgang mit einer neuen Erkenntnis zu veranschaulichen, hatte ich die komplexen Zahlen eingeführt, die in der Welt der Mathematik ja sehr wohl eine Tür aufgestoßen haben.

Nun ist das Beispiel denn aber vielleicht auch wieder schlecht, weil es keiner neuen Erkenntnis in der Natur zu Grunde liegt, sondern vielmehr eher ein genialer Rechentrick ist, der weitreichende Möglichkeiten eröffnet.

 

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@goodfruit  Die komplexen Zahlen sind schon mehr als ein genialer Rechentrick. Sonst würde sich die Natur nicht so gut damit beschreiben lassen. Aber lassen wir das Thema.

Das Problem mit der Quantenmechanik ist, dass sie mathematisch so schwierig ist, dass Philosophen sie nicht in ihre Überlegungen über die Welt mit einbeziehen konnten. Überhaupt gab es mit dem Aufkommen der neuen Physik am Anfang des 20. Jahrhunderts vielen Klagen aus der Welt der Intellektuellen, dass dies nicht mehr zu verstehen sei.

Also, ja, ich finde Du hast recht. Die Quantenmechanik müsste viel mehr in die Weltbilder mit einfließen.

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GoodFruit
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@suchender_2-1 Es gibt ja die Aussage, wonach jeder, der behauptet, die Quantenphysik verstanden zu haben, sie ganz sicher nicht verstanden hat.

Das ist einfach etwas, das sich mit unserer normalen Erfahrung von der Welt nicht in Einklang bringen lässt. Und doch gibt es das und es betrifft uns vermutlich häufiger und stärker, als wir uns das vorstellen können.

Interessant fand ich auch die Entdeckung der "Grinsekatze" (nach Alice im Wunderland), die sich jetzt zu Schrödingers Katze gesellt. Der Ausdruck bezieht sich auf Eigenschaften von Neutronen, unbeeindruckt von Umfeld - egal, was um sie herum ist und geschieht, bestehen bleiben. Sie sind wie ein ausgelagertes Informationspaket, das unbeeinflussbar auf das System einwirkt.

https://www.chemie.de/news/149344/die-quanten-grinsekatze.html

 

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@goodfruit  Ja, wir haben aus unserer Sinneserfahrung keine guten Bilder für die Phänomene der Quantenphysik. Ganz spannend finde ich auch ein Experiment, das sich Quantenradierer nennt. Da scheint es so als ob die Kausalität verletzt wird. Das heißt die Wirkung wird vor der Ursache sichtbar. Ist eigentlich nur eine kleine Erweiterung des Doppelspaltversuchs. Auf YouTube gibt es ein Video dazu von Terra X Lesch & Co.

Wer sich ja sehr für die Quantenphysik interessiert (oder interessiert hat) ist der Dalai Lama. Es gab da in der Vergangenheit mehrere Treffen zwischen ihm und Anton Zeilinger (österreichischer Physiker, katholischer Christ und inzwischen Nobelpreisträger). Dabei ist der Dalai Lama wohl zur Erkenntnis gekommen, dass gewisse Teile der buddhistischen Lehre geändert werden müssen angesichts der Resultate der Physik. Ob tatsächlich etwas in der Richtung geschehen ist, weiß ich allerdings nicht.

 

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@lucan-7  Wissenschaft ist ein rein menschliche Unternehmung, davon bin ich überzeugt. Kein Gott entscheidet darüber, was wissenschaftlich ist und was nicht. Und so ändern sich die wissenschaftlichen Methoden im Laufe der Zeit, weil man eben immer wieder neu überlegt, was hilfreich sein könnte und womit man am besten Erfolge erzielt. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass man in Zukunft KI einsetzen wird, um über den Wahrheitsgehalt mathematischer Aussagen zu entscheiden. Und die KI sagt dann vielleicht, dass eine Aussage mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit richtig ist. Und die Mathematiker werden sagen, dass sie das als ein "richtig" akzeptieren. Wenn es so käme (was manche Top-Mathematiker für möglich halten), dann würden wir auch die strenge Logik in der Mathematik stellenweise aufgeben. Weil manche Probleme einfach für unseren Geist so schwierig sind, dass wir da nicht weiter kommen.

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@suchender_2-1 

Und die KI sagt dann vielleicht, dass eine Aussage mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit richtig ist. Und die Mathematiker werden sagen, dass sie das als ein "richtig" akzeptieren.

Kein Mathematiker, der diese Bezeichnung verdient hat, wird eine 95% Wahrscheinlichkeit grundlos als eine 100% Wahrscheinlichkeit annehmen.

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@lucan-7  Der Grund ist ja vorhanden, nämlich dass mit anderen Methoden überhaupt kein Fortschritt erzielt werden kann.

Außerdem: Vor etwa 60 Jahren hätte man gesagt: Kein Mathematiker, der diese Bezeichnung verdient hat, glaubt einem Computer, dass dieser ein Theorem bewiesen hat.

Und vor 120 Jahren hätte man gesagt: Kein Mathematiker, der diese Bezeichnung verdient hat, führt Rechenoperationen mit unendlichen Mengen aus.

 

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Der Grund ist ja vorhanden, nämlich dass mit anderen Methoden überhaupt kein Fortschritt erzielt werden kann.

Kein Grund, sich selbst zu belügen. Entweder es gibt einen Fortschritt, oder es gibt ihn nicht. Wenn es ihn nicht gibt, aber man einfach mal so tut als ob, dann betreibt man auch keine Wissenschaft mehr.

Außerdem: Vor etwa 60 Jahren hätte man gesagt: Kein Mathematiker, der diese Bezeichnung verdient hat, glaubt einem Computer, dass dieser ein Theorem bewiesen hat.

Wer hätte das gesagt?

Und vor 120 Jahren hätte man gesagt: Kein Mathematiker, der diese Bezeichnung verdient hat, führt Rechenoperationen mit unendlichen Mengen aus.

Aha. Und was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Forschung geht weiter... das ist jetzt nicht wirklich überraschend.

Dass man nicht mit unendlichen Mengen rechnen kann war lediglich eine Annahme - kein Axiom.

Und erst recht kein "Dogma".

 

 

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

 

 

Wer hätte das gesagt?

Einige der damals führenden Mathematiker hätten es nicht gesagt, sondern haben es gesagt. Der von ihnen genannte Grund war: Woher soll ich wissen, ob das was in dem Computer geschieht, mit rechten Dingen zugeht, wenn ich es selbst nicht überprüfen kann?

 

Aha. Und was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Forschung geht weiter... das ist jetzt nicht wirklich überraschend.

Dass man nicht mit unendlichen Mengen rechnen kann war lediglich eine Annahme - kein Axiom.

Und erst recht kein "Dogma".

Es war eine absolut dogmatische Behauptung. Denn heute rechnen wir ja mit unendlichen Mengen und erzielen wunderbare Fortschritte damit. Also was soll es dann anderes gewesen sein als eine dogmatische Behauptung?

 

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Es war eine absolut dogmatische Behauptung. Denn heute rechnen wir ja mit unendlichen Mengen und erzielen wunderbare Fortschritte damit. Also was soll es dann anderes gewesen sein als eine dogmatische Behauptung?

Sagte ich doch: eine Annahme.

Wäre es ein "Dogma" gewesen, hätte es bis heute nicht korrigiert werden können. Denn das ist es ja, was ein Dogma ausmacht.

Deshalb findet sich das ja heute auch nur noch im religiösen Bereich, nicht in der Wissenschaft.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Auch bei einem Dogma können sich Menschen entscheiden, ob sie daran glauben oder nicht. Es gibt nichts, was nicht korrigiert werden kann, egal wer sich dagegen stellt. Und bei den von mir genannten Dogmen hat sich der Großteil der Mathematiker entschieden, nicht mehr daran zu glauben. Nicht, weil es logische Gründe dafür gab, sondern weil sich die Welt als sehr viel schöner ohne das Dogma erwiesen hatte. So sagte zum Beispiel David Hilbert: Aus dem Paradies, das Cantor uns geschaffen, soll uns niemand vertreiben können.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cantors_Paradies

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Auch bei einem Dogma können sich Menschen entscheiden, ob sie daran glauben oder nicht. Es gibt nichts, was nicht korrigiert werden kann, egal wer sich dagegen stellt.

Deshalb ist das, was du hier beschreibst, auch kein "Dogma". Ich hatte doch geschrieben, dass der Begriff vorwiegend im Religiösen Gebraucht wird. "Gott hat sich den Menschen offenbart!" ist so ein Dogma der christlichen Kirchen (So wie vieles Andere). Vom Dogma abzurücken würde bedeuten, den Glauben aufzugeben.

Aber die Mathematik steht und fällt ja nicht mit dieser Aussage, sie geht einfach weiter, nachdem der Irrtum korrigiert wurde.

 

Nicht, weil es logische Gründe dafür gab, sondern weil sich die Welt als sehr viel schöner ohne das Dogma erwiesen hatte.

Damit hätten sie eines der zentralen Axiome aufgegeben und würden keine Mathematik mehr betreiben... man kann Logik nicht durch Schönheit ersetzen.

Falls denn hier mit "Schönheit" der gängige Begriff gemeint war und nicht irgendwas ganz anderes...

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Vom Dogma abzurücken würde bedeuten, den Glauben aufzugeben.

So hätten das die damals älteren Mathematiker auch gesehen. Dass nämlich die jüngeren den Glauben, sprich die echte Wissenschaft aufgeben. Nur sind die halt irgendwann ausgestorben oder altersmilde geworden. Letzeres gibt es ja beim christlichen Glauben auch. Dass zum Beispiel evangelikale Prediger, wenn sie alt werden, auch deutlich milder werden und keinen so strengen Glauben mehr predigen wie zuvor.

 

Aber die Mathematik steht und fällt ja nicht mit dieser Aussage, sie geht einfach weiter, nachdem der Irrtum korrigiert wurde.

Es war aber kein Irrtum, sondern ein Dogma. Ein Dogma, welches besagt: Nur DAS ist richtige Mathematik, alles andere ist es nicht. Genauso ein Dogma, wie die, die Du hier als allgemeingültige Wahrheit deklarierst, wenn Du Dich auf Wissenschaftstheorie beziehst. 

 

Damit hätten sie eines der zentralen Axiome aufgegeben und würden keine Mathematik mehr betreiben... man kann Logik nicht durch Schönheit ersetzen.

Wie oft muss ich es noch erklären? Es geht dabei nicht um Logik, sondern um Weltanschauungen. Das neue Paradigma ist nicht logischer als das alte. Es ist lediglich neu. Und es setzt sich durch, weil junge Wissenschaftler davon überzeugt sind, dass es die Wissenschaft weiter bringt. Weil sie vielleicht auch ihre eigene Vorstellung von der Wissenschaft haben und nicht die von den Alten übernehmen wollen. In der Physik gab es ähnliche Entwicklungen. Denk zum Beispiel an Einstein, der die Quantenmechanik nicht für eine ausgereifte physikalische Theorie hielt. Die meisten jüngeren hatten damit aber überhaupt kein Problem. Das hat teilweise dazu geführt, dass sie in ihrer Arroganz Einstein als dummen alten Mann betrachtet haben.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Es war aber kein Irrtum, sondern ein Dogma. Ein Dogma, welches besagt: Nur DAS ist richtige Mathematik, alles andere ist es nicht. Genauso ein Dogma, wie die, die Du hier als allgemeingültige Wahrheit deklarierst, wenn Du Dich auf Wissenschaftstheorie beziehst. 

Ich habe jetzt wirklich keine Lust, weiter auf deine falsche Wortwahl einzugehen. Wenn deine Argumentation lediglich darauf basiert, möglichst "starke" Begrifflichkeiten zu verwenden, weil das irgendwie dramatischer klingt, bitte sehr.

Aber ich bin da raus. Denn offenbar haben wir hier keine gemeinsame Diskussionsgrundlage.

lucan-7 antworten
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@lucan-7 Ich denke auch, dass es keinen Sinn mehr macht.

Natürlich sehe ich die falsche Wortwahl eher bei Dir. Denn ein Axiom ist etwas ganz anderes. Ein Axiom ist eine unbewiesene Aussage, die zusammen mit anderen Axiomen die Grundlage einer Theorie bildet. Ein Beispiel wäre das von mir genannte Parallelenaxiom von Euklid. Oder das Kraftgesetz von Newton (Kraft gleich Masse mal Beschleunigung).

Das was ich hier (meiner Meinung nach völlig zu recht) als Dogma bezeichne ist eine weltanschauliche Aussage, die einer ganzen Disziplin vorschreiben möchte, wie richtige Wissenschaft funktioniert.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Das was ich hier (meiner Meinung nach völlig zu recht) als Dogma bezeichne ist eine weltanschauliche Aussage, die einer ganzen Disziplin vorschreiben möchte, wie richtige Wissenschaft funktioniert.

Was ja offensichtlich nicht der Fall war, sonst wäre es ja nicht geändert worden.

Du verwechselt Dogmen mit Autorität einzelner Wissenschaftler, die den Diskurs bestimmen.

 

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Natürlich verwende ich das Wort Dogma nicht im strengen katholischen Sinne. Das dürfte ja klar sein. Aber auch dort wird ein Dogma nicht von Gott festgelegt, sondern, ganz objektiv betrachtet, von einzelnen Menschen. Auch wenn die vielleicht glauben, es wäre anders. Wenn Menschen innerhalb der Kirche nicht an das Dogma glauben möchten, kommt es vielleicht zu einer Kirchenspaltung.

 

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Aber auch dort wird ein Dogma nicht von Gott festgelegt, sondern, ganz objektiv betrachtet, von einzelnen Menschen. Auch wenn die vielleicht glauben, es wäre anders. Wenn Menschen innerhalb der Kirche nicht an das Dogma glauben möchten, kommt es vielleicht zu einer Kirchenspaltung.

Ganz genau!

Demnach hätte es nach deinen Ausführungen auch zu einer Spaltung der Mathematik kommen müssen.

Ist aber nicht passiert. Weil es eben kein "Dogma" war, sondern nur eine nicht zutreffende Annahme.

Aber "Dogma" hört sich natürlich dramatischer an... zumal es dir ja darum geht, der Wissenschaft die gleichen Fehler zu unterstellen wie der Theologie.

Das ist nur leider ziemlich durchschaubar.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Es ist der gleiche Fehler. Warum nimmst Du an, dass Wissenschaftler die besseren Menschen sind?

Und Spaltungen gab es auch zeitweise in der Mathematik, inbesondere im frühen 20. Jahrhundert. Da es zum Beispiel die Intuitionisten. Aber die sind praktisch ausgestorben, weil man gesehen hat, dass deren Ansatz keine so reichhaltige Mathematik erzeugt, dass man damit zufrieden war. 

Der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft ist vielleicht, dass man in der Wissenschaft oft gesagt hat: Ach, lass uns über die alten Fragen nicht mehr nachdenken. Wir tun einfach so, als wäre alles okay. Solange wir nicht komplett Schiffbruch erleiden, kann's schon nicht so schlimm sein. Das heißt, die alten Probleme wurden nicht gelöst, sondern man beschloss sie zu ignorieren. Ich erinnere mich noch gut an eine Topologie-Vorlesung, in der der Professor einen Beweis des späteren Intuitionisten Brouwer

https://de.wikipedia.org/wiki/Luitzen_Egbertus_Jan_Brouwer

an der Tafel vorstellte und und erzählte, dass Brouwer den Beweis zwar aufgestellt  aber später selbst nicht mehr an seine Gültigkeit geglaubt hätte. Sein einziger weiterer Kommentar dazu war: Aber wir haben solche Probleme (mit dem Beweis) nicht.

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@lucan-7 Was ich bei Dir zu sehen glaube ist, dass Du versuchst in der Wissenschaft das zu finden, was Du im christlichen Glauben nicht gefunden hast. Nämlich absolute Verlässlichkeit in den Grundlagen sowie eindeutige und für immer festgelegte Methoden und Kriterien.

Tatsache ist aber, dass nicht einmal die Logik absolut ist. Auch sie ist, zumindest in Teilen, Menschenwerk. Sonst hätte ein Mathematiker wie Brouwer nicht einen Beweis aufstellen und später selbst nicht mehr an seine Gültigkeit glauben können. Er hatte ja beide Male gute Gründe: als er an den Beweis glaubte und als er später nicht mehr daran glaubte.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Was ich bei Dir zu sehen glaube ist, dass Du versuchst in der Wissenschaft das zu finden, was Du im christlichen Glauben nicht gefunden hast. Nämlich absolute Verlässlichkeit in den Grundlagen sowie eindeutige und für immer festgelegte Methoden und Kriterien.

Versuchst du jetzt, durch Unterstellungen meine Argumentation als fehlerhaft darzustellen...?

Es wäre wohl sinnvoller, du würdest die Fehler aufzeigen, und keine Vermutungen über meine Hintergründe anführen.

 

Tatsache ist aber, dass nicht einmal die Logik absolut ist. Auch sie ist, zumindest in Teilen, Menschenwerk. Sonst hätte ein Mathematiker wie Brouwer nicht einen Beweis aufstellen und später selbst nicht mehr an seine Gültigkeit glauben können. Er hatte ja beide Male gute Gründe: als er an den Beweis glaubte und als er später nicht mehr daran glaubte.

Nur weil ein Mathematiker seine Meinung ändert ändert sich deshalb nicht die Logik... denn es dürfte ja eben jene absolute Logik gewesen sein, die ihn dazu brachte, seine früheren Ansichten zu widerrufen.

Und ob er damit nun letztlich recht hatte oder nicht sagt auch nichts über die Gültigkeit der Logik aus - sondern lediglich etwas darüber, wie schwer sie verstehen ist.

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Ich versuche nichts zu unterstellen. Ich wollte nur meinen Eindruck wiedergeben. Zu Deinen Argumenten habe ich ja schon genug gesagt.

 

Nur weil ein Mathematiker seine Meinung ändert ändert sich deshalb nicht die Logik... denn es dürfte ja eben jene absolute Logik gewesen sein, die ihn dazu brachte, seine früheren Ansichten zu widerrufen.

 

Er hat seine Meinung aber nicht geändert, weil da was schwer zu verstehen war. Der Beweis ist in der Tat sehr leicht zu verstehen. Er hat seine Meinung geändert, weil er an Teile der Logik nicht mehr glaubte. Genauer: An das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten, also dass für jede Aussage nur die Aussage oder ihr logisches Gegenteil wahr sein können. Er hielt dieses Prinzip nicht grundsätzlich für falsch, aber seine Anwendung auf Aussagen über unendliche Mengen. Und er hatte gute Gründe dafür. Der einzige Grund, warum wir heute nicht mehr über diese Gründe nachdenken ist, dass wir Pragmatiker geworden sind.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Er hat seine Meinung aber nicht geändert, weil da was schwer zu verstehen war. Der Beweis ist in der Tat sehr leicht zu verstehen. Er hat seine Meinung geändert, weil er an Teile der Logik nicht mehr glaubte. Genauer: An das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten, also dass für jede Aussage nur die Aussage oder ihr logisches Gegenteil wahr sein können. Er hielt dieses Prinzip nicht grundsätzlich für falsch, aber seine Anwendung auf Aussagen über unendliche Mengen. Und er hatte gute Gründe dafür.

Und diese "guten Gründe" können nur logischer Natur gewesen sein - oder sie wären irrelevant gewesen.

Er hat also nicht erkannt, dass die Logik falsch ist, sondern dass seine Annahmen über die Logik falsch waren.

 

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@lucan-7  Zumindest waren sie nicht zwingend logischer Natur. Denn sonst hätte er ja in kurzer Zeit alle seine Kollegen davon überzeugen können. Es gibt auch in der Logik viele Graubereiche. Gerade wenn es um Unendlichkeit geht. Brouwer kritisierte aus dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten ableitbare Aussagen der Form

  Wenn für kein x gilt: nicht A(x), dann gilt für alle x: A(x).

wenn das x alle Elemente einer unendlichen Menge durchlaufen kann.

Auf jeden Fall kann man solche Probleme nicht rein logisch lösen. Ein anderes Beispiel ist das Auswahlaxiom (axiom of choice), an dem sich einige Mathematiker stören. Es besagt u.a., dass man, gegeben ein beliebiges System von Mengen M(i), wobei i ein Index ist, eine neue Menge bilden kann, indem man aus jeder Menge M(i) genau ein Element auswählt. Das Problem ist, dass diese Auswahl oft nicht konkret getroffen werden kann. Es gibt keine Konstruktion dafür. Also muss man annehmen, dass es eine Art Entität gibt, die diese Auswahl trifft und der wir nicht in die Karten schauen können.

Ohne das Auswahlaxiom würde nur ein kleiner kümmerlicher Haufen der heutigen Mathematik übrig bleiben. Ich glaube, wir hätten dann nicht einmal die reellen Zahlen. Das ist das Problem. Deshalb haben sich die Mathematik auf den pragmatischen Standpunkt gestellt und das Auswahlaxiom akzeptiert. Nicht aus logischen Gründen.

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GoodFruit
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@lucan-7 Was soll denn Wissenschaftsbetrieb ohne Wissenschaftler sein? Das eine bedingt doch das andere. Und wer in so einem System drin ist, der kann sich überlegen, ob er mitspielt oder aussteigt. Gerettet ist das System dadurch nicht.

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Lucan-7
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@goodfruit 

Was soll denn Wissenschaftsbetrieb ohne Wissenschaftler sein? Das eine bedingt doch das andere.

Nein. Die christliche Lehre existiert ja auch dann noch, wenn sich kein Christ mehr daran hält.

Wenn alle Christen weltweit beschließen, dass sie sich von jetzt an ganz der Wollust hingeben und etliche verschiedene Götzen verehren, dann würde der bisherige christliche Glaube als Idee ja trotzdem weiter existieren, auch wenn er nicht mehr praktiziert wird. Und was dann neuerdings als "Christentum" bezeichnet würde hätte ja auch mit der echten Lehre nichts zu tun.

 

lucan-7 antworten
GoodFruit
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@lucan-7 Ein Konzept, das nicht mehr gelebt wird, ist tot.

Klar kann man sich irgendwann einmal bemühen, in einer Reformation den alten Geist wiederzubeleben. Aber das ist schwierig, wie zahlreiche Bemühungen, das Christentum wieder in das Mindset des Urchristentums hineinzubringen, beweisen.

Klar ist Christentum kein Hedonismus. Wenn Du aber das Christentum als Gegenteil von lustvollem Leben ausmachst, könnte es sein, dass Du irgendeine Interims-Verformung als Standard nimmst und die Freude der Urgemeinde übersiehst.

Übrigens ist nicht einmal Epikurs (der ja immerhin Lehrer des Lukrez war, der gedanklich die Renaissance und damit die Entstehung der Naturwissenschaften Jahrhunderte nach seinem Tod auslöste) Philosophie Hedonismus. Die Freuden, die Epikur anstrebte, waren nicht orgasmischer Materialismus, sondern die Befreiung von Nöten und Schmerzen. Also mehr das, was wir auch im Buddhismus haben.

Freut Euch alle Zeit!

goodfruit antworten
Lucan-7
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@goodfruit 

Ein Konzept, das nicht mehr gelebt wird, ist tot.

Aber es ist immer noch ein Konzept.

 

 

 

lucan-7 antworten
GoodFruit
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@lucan-7 Das Christentum gibt es seit Jesus Christus ans Kreuz gegangen und auferstanden ist. Die Kirche hat dem Ziel, das uns Jesus vorgegeben hat bzw. der Art der Nachfolge, die Jesus gestiftet hat, mal mehr und mal weniger gut entsprochen.

Für viele bleibt dabei aber eine Geschichte voll des Missbrauchs, falscher Machtgelüste und einer oft diesen Zwecken untergeordneten Theologie.

Wenn ich merke, dass etwas an sich sehr Gutes in Gefahr gerät, dann ist es wert darum zu kämpfen.

Klar kann man auch immer versuchen zu reformieren - und weil das Angebot Jesu fortbesteht sind wir immer noch hier auf Jesus.de.

Aber wenn ich eine Sache, deren Historie deutlich jünger ist und die nun an einem Scheideweg steht, die der Zeit Konstantins im Christentum entspricht (Machteinflüsse werden prägend für die ganze Sache) achte und liebe, dann tue ich gut daran, sie in ihrer ursprünglichen Bedeutung zu erhalten und nach Kräften dafür zu kämpfen, dass sie nicht missbraucht und damit inhaltlich ruiniert wird.

Ich bin bemüht mein Weltbild auch von Seiten der Naturwissenschaft auf dem Laufenden zu halten. Das aber wird zusehends schwieriger, wenn ich jeden Artikel erst einmal durch ein Filter geben muss, der in peer-reviewten Journalen veröffentlichen Unfug und durch politische Einflussnahme beeinflusste Artikel heraussortieren bzw. um den Bias korrigieren muss.

Dass ich bei Themen, die mir wichtig sind, bis Google Suchseite 100 und möglicherweise noch anderen Suchmaschinen und Suchstrategien durchgehen muss, bin ich längst gewohnt. Aber es gibt ein Maß an Unkorrektheit, das man einfach nicht mehr sauber rausbekommt. Und damit wird die Wissenschaft auf Dauer ihrem Auftrag nicht mehr gerecht. 

Wir müssen uns daher schon jetzt ein Netz an Weisheitsliteratur und alternativer Möglichkeiten, funktionierende Weltbilder zu formen, knüpfen, um die Lücke einer desolat gewordenen Naturwissenschaft schließen zu können. An sich sollte das kein Problem sein - ist die Menschheit doch Jahrtausende lang auch ohne ausgekommen. Aber es sollte halt die Kenntnis unserer philosophischen und theologischen Wurzeln da sein, um auch auf dieser Basis demokratische Konsensbildung zu ermöglichen.

goodfruit antworten
Chai
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Und dennoch sagt Jesus, dass das Evangelium auch von Kindern verstanden werden kann.

Wenn ich alles, was den Glauben verkompliziert, weglasse, bleibt das Wissen, dass da Einer ist, der diese Welt in seiner Hand hat. 

Das klingt naiv, aber ist (für mich) immer noch leichter zu glauben als viele wissenschaftliche Erklärungen.

Über Einzelheiten und Auslegungen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein, aber die Existenz dieses Gottes ist (für mich) nicht zu leugnen. 

(Und sorry, ich klinge hier viel frommer, als ich mich fühle oder von meinem frommen Umfeld wahrgenommen werde.)

chai antworten
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@chai  Von Kindern kann das Evangelium schon verstanden werden. Aber irgendwie muss man es ja auch den Intellektuellen unter den Erwachsenen erklären 😉

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Chai
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@suchender_2-1 Ja, die haben's vermutlich manchmal schwerer. Da steht vielleicht manchmal der Intellekt im Weg. 😉

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@chai 

So ist es. Mich treibt heute z.b. die Frage um

Wenn dem Menschen die Herrschaft über alle Tiere gegeben wurde, wie erklärt sich dann die Existenz der Hauskatze?

Katzenbesitzer werden wissen, was ich meine 

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Chai
 Chai
(@chai)
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@chey 😀

chai antworten
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@chai

es gibt Menschen, die können sich auch vor nicht so intelligenten Menschen beugen, versuchen, 

sie auf ihre Art zu verstehen. Demut und Sanftmut sind nicht die neuesten Managementtechniken.,

die Aufstieg und Erfolg verheißen. So wie Christus. ER war mutig, bezog Stellung für die

eher schwächeren Menschen, und verstieß gegen einengende Lebensregeln.

Er bezeichnete sich selbst als sanftmütig und von Herzen demütig, und fordert uns auf, von

IHM zu lernen. Dazu braucht es keine Uni, der Alltag ist da der ideale Ort um zu lernen.

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MrOrleander
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@chai 

Wenn ich alles, was den Glauben verkompliziert, weglasse, bleibt das Wissen, dass da Einer ist, der diese Welt in seiner Hand hat. 

Das ist der Punkt. Du glaubst, daß es da einen gibt, der die Welt in seiner Hand hat, und das es sich bei diesem um den Gott handelt, der in der Bibel beschrieben wird, der in der Welt wirkt, seinen Sohn ein Evangelium verkünden läßt usw. 

Wissen kannst Du das alles nicht. Vielleicht gibt es einen, der die Welt in seiner Hand hat, aber er nennt sich Allah oder Brahma. 

Das klingt naiv, aber ist (für mich) immer noch leichter zu glauben als viele wissenschaftliche Erklärungen.

An wissenschaftliche Erklärungen mußt Du ja auch gar nicht glauben. Zu unserem Verständnis des Gottes, der sich in der Bibel offenbart, kann Wissenschaft nichts beitragen: Das wurde hier im Thread ja schon mehrfach dargelegt. 

Über Einzelheiten und Auslegungen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein, aber die Existenz dieses Gottes ist (für mich) nicht zu leugnen. 

Völlig in Ordnung und ein Resultat Deines Glaubens, nicht einer wissenschaftlichen Beschäftigung. 

mrorleander antworten
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@mrorleander 

Wissen kannst Du das alles nicht.

Die Frage ist: Wo fängt Wissen an? Können wir überhaupt irgendetwas (sicher) wissen? Wenn ja, was wäre ein Beispiel?

 

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@suchender_2-1 wenn etwas reproduzierbar messbar ist z.b. Fallgeschwindigkeit

 

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@chey Aber gerade, wenn es um Physik geht, wissen wir ja gar nicht eigentlich, wovon wir sprechen. Was ist zum Beispiel eine Kraft? Was ist Energie? Was sind Raum und Zeit? Wir haben auf der einen Seite eine Theorie, die gewisse Vorhersagen erlaubt, und auf der anderen Seite Experimente, die im besten Fall diese Vorhersagen bestätigen, oder zumindest nicht widerlegen. Denn eigentlich kann ja die Naturwissenschaft nichts beweisen. Dazu müsste man zeigen, dass ein Experiment zu jeder Zeit und an jedem Ort das vorhergesagte Ergebnis liefert. Aus philosophischer Sicht sehe ich da noch nicht viel Wissen. Wir können zum Beispiel auch nicht wissen, ob es einen Urknall gegeben hat. Wir interpretieren halt Daten dahingehend unter Zuhilfenahme unserer Theorien.

Und zu guter letzt ist zu bemerken, dass die Physik zu einem großen Teil auf Mathematik basiert. Und Mathematik wiederum steht auch auf wackeligem Grund, wie wir seit ihrer Grundlagenkrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts wissen.

Also so wahnsinnig große Sicherheit steckt in diesem Wissen nicht.

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@suchender_2-1 du meinst, wenn wir nicht mehr an Naturgesetze und Materie glauben, verschwindet beides? 🤣 

Sorry, ich bin kein Naturwissenschaftler, das ist nicht mein Gebiet, aber den Unterschied von Glaube zu Naturwissenschaften meine ich intuitiv zu verstehen und denke daher, du liegst hier völlig daneben. 

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@chey 

du meinst, wenn wir nicht mehr an Naturgesetze und Materie glauben, verschwindet beides?

Also mir kommt die materielle Welt oft wie ein Traum vor, aus dem man vielleicht erwacht, wenn man stirbt. Aber das ist nur meine persönliche Wahrnehmung.

Dass Materie das ist, was wir uns gemeinhin darunter vorstellen (also so etwas wie massive Anhäufungen von irgendwelchen Teilchen an bestimmten Orten des Raumes) ist eine Vorstellung, die die Physik längst abgelegt hat. Nach der Quantenmechanik ist zum Beispiel ein Elektron etwas, was über den gesamten Raum verschmiert ist. In manchen Experimenten, wo wir konkrete Messungen durchführen, verhält es sich so wie ein Teilchen (also eine kleine Kugel), in anderen Experimenten wie ein Welle (ähnlich den Wellen auf einer Wasseroberfläche). Als eine Welle ist es nicht im Raum lokalisiert. Je tiefer die Physik in diese Welt des Kleinsten eindringt, desto seltsamer wird alles. Auf jeden Fall stellen wir dabei fest, dass unsere Wahrnehmung uns sehr wenig über die innerste Natur der Materie verrät.

Die Physiker Hans-Peter Dürr, ein Schüler des großen Werner Heisenberg, sagte, die Materie sei nur kondensierter Geist. Und die eigentliche Substanz der Welt sei Liebe. Ich hatte das Glück, einen Vortrag von ihm zu hören, als ich gerade anfing Mathematik und Physik zu studieren.

Nach vielen Jahren der universitären Forschung bin ich heute Industrie-Mathematiker und arbeite an der Konstruktion echter Maschinen (hauptsächlich Roboter). Ich denke also, ein bißchen etwas verstehe ich von Physik.

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@suchender_2-1 Und dennoch scheinst du Schwierigkeiten mit der Unterscheidung von Glaube und Wissen zu haben.

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@chey Ich selbst stoße da in meinem Leben auf gar keine Schwierigkeiten.

 

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Jack-Black
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@suchender_2-1 Dass Materie das ist, was wir uns gemeinhin darunter vorstellen (also so etwas wie massive Anhäufungen von irgendwelchen Teilchen an bestimmten Orten des Raumes) ist eine Vorstellung, die die Physik längst abgelegt hat.

Die Physik hegt Vorstellungen und legt sie dann wieder ab? Oder sind es nicht doch eher Wissenschaftler, deren Forschungsgebiet physikalische Gegenstände umfasst?

Je tiefer die Physik in diese Welt des Kleinsten eindringt, desto seltsamer wird alles. Auf jeden Fall stellen wir dabei fest, dass unsere Wahrnehmung uns sehr wenig über die innerste Natur der Materie verrät.

Öhm - naja. Wahrnehmung meint üblicherweise: das bewußte Aufnehmen von Sinneseindrücken - die dann interpretiert werden. Darin gerade besteht Wissenschaftlichkeit: anhand von Befunden (Daten, gern auch schon systematisch erfasst) die Modelle, mittels denen man sich die Zusammenhänge natürlicher Ereignisse anschaulicher zu machen sucht, stets zu erneuern und zu verbessern. Ohne unsere Wahrnehmung würden wir nix wahr nehmen, auch keine neuen Papers zum letzten Stand der Diskussion über den Teilchen-Welle-Dualismus, das kosmologische Standardmodell usw. usf.. Unsere Wahrnehmung entsprechender Forschungsergebnisse verrät uns also einiges über die "Natur" (das So-Sein) der Materie. Ob nun gleich über die "innerste Natur", sei mal dahingestellt - das ist eine rhethorische Füll-Phrase, die ungefähr soviel Informationsgehalt hat wie Aussagen dieser Art:

die Materie sei nur kondensierter Geist. Und die eigentliche Substanz der Welt sei Liebe.

Nämlich: keinen. Aber bedeutungsvoll anhören tut sich's allerdings.  😎 😍 

 

Freilich sind wir evolutionsbiologisch darauf hin selektiert, mittelst unserer Sinnesorgane Ereignisse auf mesokosmischer Ebene wahrzunehmen und unser Verhalten hinsichtlich solcher Ereignisse effektiv zu optimieren: nicht auf wahrheitliche Interpretation von Daten hin sind unsere Sinnesorgane entwickelt, sondern auf Funktionalität. Und hinsichtlich der Interessen unserer Vorfahren reichte das Modell von Materie als einer mehr oder minder festgefügten Masse kleinerer Einheiten (Atome) über viele Millionen Jahre locker aus: denn aufgrund dieses Modells von Materie ließen sich Fallen bauen, Spaten zum Beackern des Bodens, Werkzeuge zum Hausbau und Waffen zum Töten von Konkurrenten.

Womit wir wieder bei den Wissenschaften angelangt wären: Ausgerechnet im Bereich des effektiven Tötens von Konkurrenten waren ja Wissenschaftler über die Jahrhunderte hinweg immer besonders gefragt, weil sie nämlich die notwendige Verfeinerung unserer Modelle der Natur vorantrieben zur Herstellung immer wirkmächtigerer Waffen. Wenn z.B. jemand Geld verdienen möchte, kann er hingehen zum Fürsten und sagen: "Ich weiß (habe ein präziseres Modell als meine Konkurrenten darüber, wie sich Eisen im Schmiedeprozess verhält), wie man besonders tödliche Schwerter herstellt, die nicht so schnell brechen im Kampf und nicht so schnell schartig werden." Und dann sagt der Fürst: "Okay, schmiede mir mal ein solches Schwert." Und falls das Probeschwert die Anforderungen erfüllt, kommen Folgeaufträge, die dann fürstlich entlohnt werden.

Wenn der Geschäftsmann allerdings nicht weiß (also über keine entsprechenden Modelle des Verhaltens von Eisen im Rahmen des Schmiedeprozesses verfügt), wie man so ein verbessertes Schwert schmiedet, dann landet er gegebenenfalls unter einem der älteren, etwas zerbrechlicheren und zur Schartigkeit neigenden Schwerter, das sich im Werkzeugkoffer des Scharfrichters befindet...

Über die Zeit hinweg betrachtet lässt sich in diesem ökonomischen Gebiet etwas Interessantes erkennen: die Schwerter werden immer besser, immer schärfer, immer stabiler, und dann werden sie abgelöst von Musketen, Hinterladern, Maschinengewehren, Sprengmunition, Atombomben, Cyberwar-Robotern, autonomen agierenden Drohnen und Laserkanonen im Orbit... Wie kommt es nun, dass Ingenieure übermorgen wissen, wie man (und dazu reicht dann das viele tausend Jahre vorzugsweise herangezogene Modell von Materie nicht mehr ganz aus) von Quantencomputern gesteuerte Laserkanonen im Orbit baut, während sie vor fünfhundert Jahren noch nicht mal wussten, wie man gezogene Läufe für Musketen hinbekommt?

Da wurde anscheinend irgendwie Wissen geschaffen; und um diese, für kriegslüsterne Fürsten ja sehr erfreuliche Entwicklung zu beschleunigen, wurden wissenschaftliche Fakultäten gegründet, mit Steuermitteln ausgestattet und so weiter und so fort.

 Und nun bin ich mal gespannt darauf, endlich zu erfahren, welches theologische Wissen, also welche überprüfbaren Modelle darüber, wie Gott* sich verhält , in den - sagen wir mal - letzten tausend Jahren geschaffen wurde. Am liebsten wäre mir die Nennung eines Wissens-Sprungs der in der Theologie dem der Entwicklung des Teilchen-Welle-Modells in der Teilchenphysik entspräche, da hier ja ständig Analogien aus der Physik herangezogen werden, wo es doch eigentlich um die Theologie geht...

🙂

 

 

 

 

 

*ER muss dazu nicht restlos definiert sein, so wenig, wie Eisen restlos definiert werden muß, um Wissen darüber generieren zu können, wie man Stahl draus schmiedet.

jack-black antworten
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@jack-black nach Atomwaffen kommen wieder Keulen.

I

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Jack-Black
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@chey Ja, mit Rückschlägen ist stets zu rechnen. 😀

jack-black antworten
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@jack-black 

das ist eine rhethorische Füll-Phrase, die ungefähr soviel Informationsgehalt hat wie Aussagen dieser Art:

die Materie sei nur kondensierter Geist. Und die eigentliche Substanz der Welt sei Liebe.

Nämlich: keinen. Aber bedeutungsvoll anhören tut sich's allerdings.

Laut der Shannon'schen Informationstheorie*, der wir das sogenannte Informationszeitalter, in dem wir leben, überhaupt zu verdanken haben, hat meine Aussage in etwa genauso viel Informationsgehalt wie eine typische Aussage in deutscher Sprache mit gleicher Anzahl an Symbolen. Der Informationsgehalt einer Aussage bemisst sich nämlich grob gesagt an der Anzahl der Möglichkeiten, die es gibt, eine andere Aussage gleicher Länge zu machen. Um es etwas genauer zu formulieren, müsste ich den Inhalt einer Grundvorlesung in Wahrscheinlichkeitstheorie als bekannt voraussetzen. Deshalb möchte ich Dich fragen, auf welcher Theorie Deine Aussage beruht, dass die meine keinen Informationsgehalt hat.

 

* Ich nehme an, Du hast Shannon's wegweisendes Paper "A mathematical theory of communication" gelesen: https://pure.mpg.de/rest/items/item_2383164/component/file_2383163/content

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Laut der Shannon'schen Informationstheorie*, der wir das sogenannte Informationszeitalter, in dem wir leben, überhaupt zu verdanken haben, hat meine Aussage in etwa genauso viel Informationsgehalt wie eine typische Aussage in deutscher Sprache mit gleicher Anzahl an Symbolen.

Sorry, aber das ist Unsinn. Der entscheidend "Informationsgehalt" bezieht sich hier nicht auf die Anzahl definierter Worte, sondern auf deren kombinierten Bedeutungsinhalt.

Rein mathematisch betrachtet hat der Satz:

"Die liquiden Vögel oszillieren blau innerhalb der Tangente des Titanen."

den gleichen Informationsinhalt wie:

"Die erwachsenen Zebras gallopieren schnell über das Gras der Steppe."

 

Denn in beiden Fällen wird die gleiche Anzahl von Worten verwendet, welches wiederum jedes für sich definiert ist und eine bestimmte Bedeutung hat.

Trotzdem ist der eine Satz sinnvoll in seiner Aussage, der andere nicht.

Da helfen auch keine Tricksereien...

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Da liegst Du leider komplett daneben. Ich zitiere aus der oben verlinkten Publikation:

"The word information, in this theory, is used in a special sense that must not be confused with its ordinary usage. In particular, information must not be confused with meaning.
In fact, two messages, one of which is heavily loaded with meaning and the other of which is pure nonsense, can be exactly equivalent, from the present viewpoint, as regards information. It is this, undoubtedly, that Shannon means when he says that "the semantic aspects of communication are irrelevant to the engineering aspects." But this does not mean that the engineering aspects are necessarily irrelevant to the semantic aspects."

Und das ist nicht irgendeine Publikation. Sie wurde über 150.000 mal zitiert bis zum heutigen Tage und legt die Grundlage für alles, was Informationsübertragung über technische Kanäle betrifft. Auch wenn Du Dir ein Passwort im Internet auswählst, ist Shannon's Definition von Information entscheidend, was die Qualität des Passworts angeht. So weit mir bekannt, ist es noch niemandem gelungen eine exakte Theorie von Information aufzustellen, die Information im Sinne von Bedeutung o.ä. definieren würde. Zumindest keine von Bedeutung 😉

Der Informationsgehalt meiner Aussage ist also wahrscheinlich durchschnittlich. Aber seine Bedeutung ist gar nicht zu überschätzen. Menschen richten ihr Leben neu aus, wenn sie zu der Erkenntnis gelangt sind, die in der Aussage zum Ausdruck kommt.

Das Wissen dagegen, von dem Jack-Black so auführlich schreibt, das uns immer tödlichere und präziser tötende Waffen beschert hat, hat die Menschheit ja wirklich sehr weit gebracht. Das muss man schon sagen! Eine Menschheit, die mit solchen Waffen ausgestattet ist und auf der anderen Seite die Theologie und überhaupt das Wissen über Gott vollständig vergessen hat, möchte ich mir nicht ausmalen. Möglicherweise steuern wir aber genau darauf zu.

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Da liegst Du leider komplett daneben. Ich zitiere aus der oben verlinkten Publikation:

Was du hier zitierst ist genau das, was ich kritisiere. Was mathematisch an "Information" erfasst und beschrieben werden kann ist nur ein Bruchteil dessen, was Information für die Kommunikation durch Menschen von Bedeutung ist.

Denn Mathematik kann den Bedeutungskontext nicht eindeutig erfassen. Je nach Kontext kann ein ganz bestimmter Satz eine Sachaussage, ein Lob oder eine Beleidigung sein. Oder auch etwas völlig Nichtssagendes.

Jack hat eine Aussagen aus einem Posting von dir kritisiert:

die Materie sei nur kondensierter Geist. Und die eigentliche Substanz der Welt sei Liebe.

und zu recht dargestellt, dass diese Aussage keinen konkreten Inhalt hat, ausser irgendwie bedeutungsvoll zu klingen. Denn "Liebe" und "Geist" sind nicht als Materie oder Substanz definiert, die Aussage ist demnach unsinnig.

Dass sie aus bestimmten Zeichenfolgen besteht ändert an dieser Tatsache nichts.

lucan-7 antworten
Gelöschtes Profil
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@lucan-7  Dass die Aussage unsinnig ist, siehst Du so. Aber sehr viele Menschen können darin etwas ganz konkretes und sogar sehr präzises erkennen, weil sie sehr konkrete und präzise Erfahrungen mit Geist und Liebe gemacht haben.

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Aber sehr viele Menschen können darin etwas ganz konkretes und sogar sehr präzises erkennen, weil sie sehr konkrete und präzise Erfahrungen mit Geist und Liebe gemacht haben.

Etwas mit seiner Phantasie zu füllen macht es nicht "präzise".

Das sind Phrasen, die gerne im religiösen Kontext verwendet werden.

Da keiner genau weiß, was es genau bedeuten soll, kann jeder ihm die eigene, ganz persönliche Bedeutung geben, die man wünscht... und sich dadurch der Illusion hingeben, die Aussage hätte genau die Bedeutung, die man sich erhofft.

lucan-7 antworten
Jack-Black
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@lucan-7 "Die liquiden Vögel oszillieren blau innerhalb der Tangente des Titanen."

Na, besser liquide als bankrotte Vögel, denn wer kein Geld hat, sollte auch nicht besoffen durch die Gegend oszillieren... 😀

jack-black antworten
Jack-Black
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@suchender_2-1  Ich nehme an, Du hast Shannon's wegweisendes Paper "A mathematical theory of communication" gelesen: https://pure.mpg.de/rest/items/item_2383164/component/file_2383163/content

 

Nein, tatsächlich noch nicht, was für ein Versäumnis! 😯 Hole ich aber nach, sobald Du aus eben diesem wegweisenden Paper zitierst, welches neue Wissen über Gott von der Theologie in den letzten hundert Jahren generiert wurde. Denn wir wollen ja on topic bleiben, nicht wahr? 🤪 

jack-black antworten
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@jack-black  Das ist tatsächlich ein Versäumnis. Denn ohne dieses Paper würden wir diese Diskussion hier gar nicht führen. 🙂

GoodFruit hat bereits sehr ausführlich und gut dargestellt, welche Aufgaben der Theologie als Wissenschaft zukommen. Wir können gerne darüber sprechen, welche dieser Aufgaben sinnvoll sind und ob die Theologie sie erfüllen kann. Es führt zu nichts, die Theologie ständig mit einer Naturwissenschaft zu verwechseln. Ich könnte auch die Gegenfrage stellen: Welches Wissen hat die Philosophie in den letzten 100 Jahren generiert?

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Jack-Black
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@suchender_2-1

Es führt zu nichts, die Theologie ständig mit einer Naturwissenschaft zu verwechseln.

Wer täte dies denn? Ich ganz gewiß nicht*.

Ich könnte auch die Gegenfrage stellen: Welches Wissen hat die Philosophie in den letzten 100 Jahren generiert?

Du könntest alle möglichen Fragen stellen, um der Kernfrage auszuweichen: welches (gern auch unabhängig vom ideologischen Hintergrund der Fachleute überprüfbares**...) Wissen über Gott vermochte die Theologie zu generieren? Ich spreche da in der Vergangenheitsform, um mich nicht mit spekulativ-hypothetischen Szenarien davon, was die Theologie eventuell, bei gutem Wetter und hinreichenderm Kaffeesatz in den nächsten zweitausend Jahren an Wissen generieren könnte, abgeben zu müssen.

 

 

 

 

*Und wenn dieser Strohmann jetzt noch ein weiteres Mal hier abgefackelt werden sollte, bin ich raus - dies nur als Hinweis am Rande.

**Dein Lieblings-Ablenkungsbeispiel, die Mathematik, braucht dafür ja auch keine empirischen Belege, in der gibt's nämlich Beweise - also nein, dieses Kriterium ist kein "Verwechseln mit einer Naturwissenschaft"...

jack-black antworten
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@jack-black  Du bist es doch, der die Theologie mit den Naturwissenschaften vergleicht. So wie Du etwa ausführlichst dargestellt hast, welches Wissen generiert wurde, das dann zur Herstellung von Waffen verwendet wurde.

Meine Gegenfrage ist absolut berechtigt und zielführend: Welches Wissen hat die Philosophie in den letzten 100 Jahren generiert? Wenn es da keines gibt, dann hätte die Philosophie wohl nichts an einer Universität verloren. Oder sehe ich das falsch?

Und der Vergleich mit der Mathematik ist absolut berechtigt. Auch in der Theologie gibt es Beweisführungen, genauso wie übrigens in der Philosophie. Diese Beweisführungen sind absolut vergleichbar mit denen der Mathematik. Es wird gezeigt, dass wenn A gilt, auch B gelten muss. So wie in Gödels Gottesbeweis. Nichts anderes tut auch die Mathematik. So wie in der Mathematik sind nicht alle Beweisführungen der Theologie so weit formalisierbar, dass ein Computer sie überprüfen kann. Auch hier sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied.

Wenn Du eine seriöse Diskussion führen möchtest, dann bitte ich Dich, dass Du Dich auf die Beiträge von GoodFruit beziehst, der die Aufgaben der Theologie als Wissenschaft ausführlich dargestellt hat.

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Also so wahnsinnig große Sicherheit steckt in diesem Wissen nicht.

Philosophisch betrachtet hast du recht. In letzter Konsequenz bleibt uns eigentlich gar nichts als "Wissen".

Nur gilt das dann natürlich erst recht für alles andere... vom Glauben bleibt da schon gar nichts mehr übrig, wenn man wirklich so weit gehen wollte.

Die Frage ist also, innerhalb welchen Rahmens wir sinnvollerweise von "Wissen" sprechen sollten, um uns überhaupt darüber zu verständigen. Und ein solcher Rahmen kann nur lauten, dass nur das als "Wissen" gelten sollte, das auch sinnvoll als solches begründet werden kann.

Es geht also darum, Dinge in Relation zu setzen.

Wer das nicht mehr tut... der hat auch selbst keine Argumente mehr.

lucan-7 antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
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@chai 

Wenn ich alles, was den Glauben verkompliziert, weglasse, bleibt das Wissen, dass da Einer ist, der diese Welt in seiner Hand hat. 

Das wäre eine Überzeugung. Von Wissen würde ich da nicht sprechen. 

Das kommt jetzt aber stark darauf an, wie man Wissen definiert. Im der Umgangssprache würde ich deiner Aussage zustimmen, im wissenschaftlichen Dialog würde ich es jedoch kritisieren. 

Über Einzelheiten und Auslegungen kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein, aber die Existenz dieses Gottes ist (für mich) nicht zu leugnen. 

Natürlich kann man das Leugnen. Nennt sich Atheismus. 

lhoovpee antworten
Chai
 Chai
(@chai)
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Veröffentlicht von: @lhoovpee

@chai 

Wenn ich alles, was den Glauben verkompliziert, weglasse, bleibt das Wissen, dass da Einer ist, der diese Welt in seiner Hand hat. 

Das wäre eine Überzeugung. Von Wissen würde ich da nicht sprechen. 

Das kommt jetzt aber stark darauf an, wie man Wissen definiert. Im der Umgangssprache würde ich deiner Aussage zustimmen, im wissenschaftlichen Dialog würde ich es jedoch kritisieren.  

Bleibt nur noch die Frage, ob ich einem solchen 'wissenschaftlichen Dialog' folgen könnte (und wollte). 

Ich habe mich durch obigen wissenschaftlichen Dialog gearbeitet und er bringt mich kein Stück weiter.
Mein Wissen (oder von mir aus auch meine Überzeugung) über diesen Einen trägt mich durchs Leben.

chai antworten


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Nachdem ich in diesem Thread schon viel über Mathematik und Probleme der Logik geschrieben habe, will ich nochmals anhand von zwei Beispielen versuchen klar zu machen, wovon ich eigentlich genau spreche. Ob es mir gelingt sie verständlich darzustellen, weiß ich nicht. Aber ich hoffe, dass dadurch etwas klarer wird, wo die Probleme liegen und warum Mathematik eben keine völlig objektive Wissenschaft ist. Und schließlich auch: Was sie aus meiner Sicht mit Theologie zu tun hat.

Das erste Beispiel betrifft die sogenannte Kontinuumshypothese. Diese ist recht einfach zu verstehen. Wir kennen die natürlichen Zahlen {1,2,3,...} und die reellen Zahlen. Letztere sind anschaulich alle Punkte auf der unendlich ausgedehnten Zahlengeraden. Die Kontinuumshypothese betrifft die Frage, ob es eine Teilmenge M der reellen Zahlen gibt, die echt größer als die der natürlichen Zahlen ist und echt kleiner als die ganze Menge der reellen Zahlen. Kleiner und größer sind hier zu verstehen im Sinne der Mächtigkeit von Mengen (also grob gesagt der Anzahl ihrer Elemente). Das heißt, die Menge M soll sich weder 1-zu-1 auf die der natürlichen Zahlen noch 1-zu-1 auf die der reellen Zahlen abbilden lassen, sondern eben dazwischen liegen.

Auch wenn wir keine Ahnung haben, ob es so eine Menge M gibt, sagt uns die Logik, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder sie existiert oder sie existiert nicht. Ein Drittes gibt es nicht... oder? Tatsächlich lautet die Antwort hier anders. Es kann bewiesen werden, dass die Annahme M existiere der Definition der reellen Zahlen nicht widerspricht, aber genauso wenig die Annahme ihrer Nicht-Existenz. Das bedeutet, man darf die Existenz der Menge M annehmen und dies sogar als Axiom setzen. Ebenso darf man das mit der Nicht-Existenz der Menge M tun. (Aber natürlich nicht beides gleichzeitig. Hier gilt die intuitive Logik schon.) Wenn man nun den Satz vom ausgeschlossenen Dritten in Bezug auf die Existenz der Menge M retten möchte, müsste man annehmen, dass die reellen Zahlen in einem platonischen Sinne als Idee existieren und nicht nur als schwaches Abbild davon, das wir durch unsere Definitionen beschreiben. Und in dieser Idee ist entweder die Existenz der Menge M enthalten oder nicht. Aber wer kann das schon wissen? Nur ein Gott könnte es überprüfen.

Das zweite Beispiel betrifft das Auswahl-Axiom und ist etwas schwieriger, weil es mehr Mathematik beinhaltet. Man stelle sich einen Kreis vor, als nur die Kreislinie. Punkte auf diesem Kreis kann man durch eine Rotation um den Kreismittelpunkt entlang des Kreises verschieben. So eine Rotation bildet also Kreispunkte auf Kreispunkte ab und man kann sie mehrfach hintereinander ausführen oder auch rückwärts, also als Rotation in die entgegengesetzte Richtung um den gleichen Winkel. Der Winkel, um den rotiert wird, sei eine irrationale Zahl (wenn wir ihn in Grad angeben). Es ist dann leicht einzusehen, dass die mehrfach hintereinander ausgeführte Rotation niemals wieder zum Startpunkt zurückführt. Die Mathematiker sagen, es gibt keine periodischen Orbits. Der Orbit eines Punktes z auf dem Kreis unter der Rotation ist die Menge aller Kreispunkte, die man erwischt, wenn man bei z startend vorwärts oder rückwärts rotiert, und zwar beliebig oft. Der Orbit des Punktes z werde mit O(z) bezeichnet. Es lässt sich des weiteren leicht zeigen, dass zwei solche Orbits entweder identisch sind oder sich in keinem einzigen Punkt überschneiden. Die Menge aller Orbits bildet deshalb eine Zerlegung des Kreises in disjunkte Mengen. Nun kommt das Auswahlaxiom ins Spiel. Laut dieses Axioms darf man eine neue Menge bilden, indem man aus jedem Orbit genau einen Repräsentanten auswählt. Also diese Auswahl macht man nicht selbst, das wäre gar nicht möglich. Die Auswahl macht das Axiom. Die so gebildete Menge werde mit M bezeichnet. Es ist eine gewisse Teilmenge des Kreises. Diese ganze Menge können wir nun wieder vorwärts und rückwärts rotieren. Da sie aus jedem Orbit einen Repräsentanten enthält, ist die Vereinigung aller rotierten Versionen von M der ganze Kreis. Und das hat nun seltsame Konsequenzen, wenn wir der Frage nachgehen, ob die Menge M so etwas wie ein 1-dimensionales Volumen hat (was man dann eher Länge nennen würde). Wenn wir annehmen, die Menge M hätte ein Volumen, so könnte dies nur 0 oder eine positive endliche Zahl sein. Denn negatives Volumen gibt es nicht und unendliches Volumen gibt es auf dem Kreis auch nicht, weil der Kreis im Gegensatz zur Geraden sich nicht unendlich ausdehnt. Aber die Annahme, das Volumen von M wäre 0, würde zum Ergebnis führen, dass der ganze Kreis Volumen 0 hat, weil er eine Vereinigung lediglich abzählbar vieler rotierter Kopien von M ist. Das muss also falsch sein. Wenn wir dagegen annehmen, dass M positives Volumen hat, kommen wir auch zu einem Widerspruch. Denn dann müsste der Kreis unendliches Volumen haben, weil unter Rotation das Volumen erhalten bleibt und alle rotierten Kopien von M sich nicht schneiden. Konsequenz: Der Menge M kann in keiner sinnvollen Weise ein Volumen zugeordnet werden.

Auf dieser Konstruktion, in einer komplizierteren Variante, beruht das Banach-Tarski Paradoxon, das es erlaubt Volumen aus dem Nichts zu erzeugen. Und das wäre ein Wunder wie die Brot- und Fischvermehrung durch Jesus. Da für mich die Objekte der Mathematik ebenso real sind wie Brote und Fische, sehe ich da zumindest keinen großen Unterschied. 

Also das Problem in dem zweiten Beispiel ist das Auswahlaxiom, das irgendetwas tut, worin wir keinen Einblick haben und was wir selbst niemals bewerkstelligen könnten. Aber wenn wir versuchen auf das Axiom zu verzichten, bleibt nur ein jämmerlicher kleiner Haufen von der Mathematik übrig, mit dem niemand zufrieden wäre.

 

 

 

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Auf dieser Konstruktion, in einer komplizierteren Variante, beruht das Banach-Tarski Paradoxon, das es erlaubt Volumen aus dem Nichts zu erzeugen. Und das wäre ein Wunder wie die Brot- und Fischvermehrung durch Jesus. Da für mich die Objekte der Mathematik ebenso real sind wie Brote und Fische, sehe ich da zumindest keinen großen Unterschied. 

Es sind aber keine realen Objekte.

Und dass sich ein "1-dimensionales Volumen" anders verhält als ein Volumen über drei Dimensionen dürfte jetzt auch nicht wirklich überraschend sein...

Und wo ist da jetzt der Zusammenhang zur Theologie, auf den du ja hinauswolltest?

 

lucan-7 antworten
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@lucan-7  Ich sehe diese Objekte durchaus als real. Wie definierst Du denn real? 

Es geht bei dem zweiten Beispiel nicht um die Dimensionszahl. Das funktioniert in jeder Dimension und sogar in abstrakteren Räumen, wo gar keine Dimensionszahl definiert ist. Das Banach-Tarski Paradoxon lebt ja beispielsweise in Dimension 3. Und, na ja, dass man einfach so Volumen aus dem Nichts schaffen kann, wenn Du das nicht überraschend findest... Dann findest Du wahrscheinlich gar nichts überraschend. Also mich überrascht sehr vieles in der Mathematik. Immer noch und immer wieder.

Zusammenhang mit Theologie:

1. Mathematik ist keine objektive Wissenschaft. Der subjektive Anteil besteht in der Wahl der Axiome. Wenn aber nicht mal die Mathematik objektiv ist, dann ist Objektivität einfach kein gutes Kriterium um Wissenschaften zu beurteilen. Zumindest muss man genauer hinschauen, was der objektive und was der subjektive Anteil ist. Das eben auch bei der Theologie.

2. Mathematik enthält Annahmen, die der Existenz eines übermenschlichen Wesens sehr nahe kommen (Auswahlaxiom).

3. Wunder gibt es in der Mathematik und in der Theologie.

 

 

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Lucan-7
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@suchender_2-1 

Ich sehe diese Objekte durchaus als real. Wie definierst Du denn real?

Ich denke, dass es verschiedene Ebenen der Realität gibt, die wir unterscheiden sollten. In deinem Beispiel also etwa "Dinge, die in unserer Vorstellung existieren" von "Dingen, die auch ausserhalb davon existieren".

Je nach Thematik können auch andere Ebenen dessen sinnvoll sein, was wir als "real" bezeichnen - denn auch die "Realität", die wir wahrnehmen, existiert ja nur in unserer Vorstellung.

 

Und, na ja, dass man einfach so Volumen aus dem Nichts schaffen kann, wenn Du das nicht überraschend findest... Dann findest Du wahrscheinlich gar nichts überraschend.

Finde ich tatsächlich nicht überraschend, denn genau das ist ja auch beim Urknall passiert. Auch der widerspricht ja allen unseren Vorstellungen.

Deshalb habe ich mich schon lange davon verabschiedet, meine eigene Wahrnehmung und Vorstellungswelt als Maßstab für physikalische oder mathematische Erkenntnisse zu nehmen... unsere Alltagserfahrung hilft da nicht weiter, im Gegenteil.

 

3. Wunder gibt es in der Mathematik und in der Theologie.

"Wunder" ist eine subjektive Zuschreibung aufgrund mangelnder Weitsicht oder Vorstellungskraft. Sinnvoll ist die Verwendung des Begriffes aber nicht.

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

Ich denke, dass es verschiedene Ebenen der Realität gibt, die wir unterscheiden sollten. In deinem Beispiel also etwa "Dinge, die in unserer Vorstellung existieren" von "Dingen, die auch ausserhalb davon existieren".

Ich glaube diese Ebenen kann man nicht sauber trennen. Was, wenn etwas in der kollektiven Vorstellung der Menschen existiert? Wie zum Beispiel Objekte der Mathematik.

Finde ich tatsächlich nicht überraschend, denn genau das ist ja auch beim Urknall passiert. Auch der widerspricht ja allen unseren Vorstellungen.

Dann ist aber irgendwie gar nichts überraschend, oder? Wenn Du jetzt mit einem Würfel 100 mal hintereinander eine 6 würfeln würdest, würde Dich das überraschen? Oder würdest Du sagen: Ja, das ist halt ein Würfel und diese Möglichkeit gibt es und die wurde jetzt halt realisiert? Ich meine, wenn einen nichts überrascht, dann geht man auch keiner Sache wirklich nach und findet nichts Neues heraus. Dinge überraschend zu finden ist doch einer der Hauptantriebe für Forschung. Einstein hat ja beispielsweise gesagt, dass er als Erwachsenser immer noch die Fragen eines Kinds gestellt hat, weil er eben nicht die schulterzuckende Haltung übernommen hatte, dass die Dinge halt so seien wie sie seien. 

"Wunder" ist eine subjektive Zuschreibung aufgrund mangelnder Weitsicht oder Vorstellungskraft. Sinnvoll ist die Verwendung des Begriffes aber nicht.

Du würdest den Begriff also gar nicht verwenden? Ich fände ein Leben in einer Welt ohne Wunder gar nicht lebenswert.

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Ich glaube diese Ebenen kann man nicht sauber trennen. Was, wenn etwas in der kollektiven Vorstellung der Menschen existiert? Wie zum Beispiel Objekte der Mathematik.

Die Trenung dieser Realitätsebenen ist so lange sinnvoll, bis man gute Gründe gefunden hat, diese nicht mehr zu vollziehen.

Diese Gründe sollte man dann aber auch haben.

 

Dann ist aber irgendwie gar nichts überraschend, oder?

Überraschend ist das Unwahrscheinliche. Dass 100 mal eine 6 gewürfelt wird ist sehr unwahrscheinlich, daher wäre es überraschend. Dass es zufällig geschieht ist möglich - aber es wäre nicht die einzige Möglichkeit, daher kann man immer noch nachschauen ob der Würfel manipuliert wurde.

Wenn wir hier aber über, ich sage mal, "innere" Physikalische Vorgänge sprechen, dann gilt ja unsere Alltagserfahrung nicht mehr. "Überraschend" wäre es wohl eher, wenn sich Atome wie Billiardkugeln verhalten würden. Aber in dem Bereich müssen wir uns halt von unseren Vorstellungen lösen und die Dinge einfach so nehmen, wie sie sind.

 

Du würdest den Begriff also gar nicht verwenden? Ich fände ein Leben in einer Welt ohne Wunder gar nicht lebenswert.

"Ein Wunder" ist sinnvoll, wenn man es als Ausdruck eines Gefühls versteht. Aber nicht als natürliches Phänomen.

 

lucan-7 antworten
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@lucan-7 

"Überraschend" wäre es wohl eher, wenn sich Atome wie Billiardkugeln verhalten würden.

Das kannst Du auch nur heute sagen, also quasi "after the fact". Für die Physiker von damals war es gerade überraschend, dass sich die Atome nicht wie Billiardkugeln verhalten.

 

Aber in dem Bereich müssen wir uns halt von unseren Vorstellungen lösen und die Dinge einfach so nehmen, wie sie sind.

Es ist nur ein großer Irrtum anzunehmen, dass wir in diesem Bereich wüssten könnten wie die Dinge wirklich sind. Wir entwickeln halt Theorien, die für die wenigen Experimente, die wir überhaupt machen können, möglichst gute Vorhersagen machen. Es kommen ja trotz dieser Theorien immer wieder überraschende Dinge dazu, wenn wir neue Experimente machen. Als pragmatisches Kriterium für verschiedene Theorien, die die gleichen Vorhersagen machen, haben wir Ockhams Rasiermesser. Aber wer sagt, dass die einfachste Theorie auch (weltanschaulich) die richtigste ist? Es gibt viele Möglichkeiten ein und denselben Sachverhalt zu beschreiben. Auch für die Quantenmechanik gibt es auf der weltanschaulichen Ebene verschiedene Interpretationen, von denen sich halt eine am meisten durchgesetzt hat.

 

"Ein Wunder" ist sinnvoll, wenn man es als Ausdruck eines Gefühls versteht. Aber nicht als natürliches Phänomen

Ja, klar. Trotzdem gibt es Dinge, die bei vielen Menschen Verwunderung auslösen. Zum Beispiel wenn einer über das Wasser läuft.

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@suchender_2-1 

Das kannst Du auch nur heute sagen, also quasi "after the fact". Für die Physiker von damals war es gerade überraschend, dass sich die Atome nicht wie Billiardkugeln verhalten.

Kann sein... aber warum sollte ich aus den Vorstellungen von vor 100 Jahren heraus argumentieren?

 

Es ist nur ein großer Irrtum anzunehmen, dass wir in diesem Bereich wüssten könnten wie die Dinge wirklich sind.

Das ist wieder die Frage des Rahmens, innerhalb dessen "Wissen" möglich ist.

Aber in erster Linie gilt es ja, erst einmal das als gegeben hinzunehmen, was die Experimente an Ergebnissen bringen. Und dafür dann mögliche Erklärungen zu finden.

 

Trotzdem gibt es Dinge, die bei vielen Menschen Verwunderung auslösen. Zum Beispiel wenn einer über das Wasser läuft.

Auch Jesus hätte nicht über das Wasser laufen können... technisch gesehen wäre er geschwebt 😉

 

lucan-7 antworten
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