Frage an römische Katholikinnen und Katholiken
Guten Morgen,
die Frage richtet sich an Christen, die mit einer römisch-katholischen Gemeinde verbunden sind.
Nutzt Ihr den Katechismus? Ist er für Euch hilfreich oder eher nicht? Wie seht Ihr den Aufbau, könnte er anders strukturiert sein? Was fehlt Euch?
Veröffentlicht von: @kerygmaNutzt Ihr den Katechismus? Ist er für Euch hilfreich oder eher nicht? Wie seht Ihr den Aufbau, könnte er anders strukturiert sein? Was fehlt Euch?
Ich nutze ihn, um gezielt Sachen nachzuschauen oder nachzulesen, aber nicht als gewöhnliche Lektüre von vorne nach hinten.
Da ich wie gesagt gezielt suche, habe ich mit dem Aufbau kein Problem, habe mich damit aber auch nicht vertieft beschäftigt.
Für den Einstieg empfehle ich das Kompendium des Katechismus.
Wie ist es für dich?
Veröffentlicht von: @joranbeyerVeröffentlicht von: @joranbeyerDas Problem ist, die Bibel sagt, man soll nichts hinzufügen zu der Bibel. Und das tun die Katholiken.
Bist du selbst katholisch?
Das sagt „die Bibel“ gar nicht. Wie sollte das auch „technisch“ gehen?
Einzelne Schriften können sich mit der Warnung vor dem „Hinzufügen“ nicht auf die kanonisierte Heilige Schrift bezogen haben, da die erst in einem langen, ca. 350 Jahre dauernden Prozess entstanden ist.
In diesen drei Jahrhunderten waren viele Schriften, die dann später nicht kanonisiert wurden, beliebt und im gottesdienstlichen Gebrauch, z.B. die Didache, der Hirte des Hermas, der erste Clemensbrief, die Briefe des Ignatius von Antiochien, der Barnabasbrief und die Polykarp-Briefe.
Wie hätten also in diesen drei Jahrhunderten Christen entscheiden sollen, was wozu „hinzugefügt“ wäre oder nicht hätte hinzugefügt werden dürfen?
So ist es.
Auch das Insistieren auf ein "Sola Scriptura" entkommt der Frage nach der Tradition nicht, sondern bleibt ein Teil von ihr.
Mich erinnert das an ein Foto, das ich leider nicht verlinken kann: Darauf ist eine Steckdosen-Verteilerleiste zu sehen, deren Stromkabel und Stecker nicht extern an einer anderen Steckdose angeschlossen ist, sondern in sich selbst, also in einen Stecker-Anschluss der eigenen Verteilerleiste 🙂
Man kann sich also auf die Kanonisierung berufen, aber die ist selbst ein Prozess der Tradition gewesen - diese kann man mit der Kanonischen Fixierung als "Ende der Fahnenstange" betrachten oder eben die weitere Tradition als geistgewirkte, gewollte und gerechtfertigte Maßgeblichkeit & Auslegung betrachten. Was nicht geht: Sich auf Bibelstellen einzelner Schriften eines - im Augenblick der Verfasstheit - eben noch nicht abgeschlossenen Kanons berufen.
L'Chaim
Veröffentlicht von: @awhlerMich erinnert das an ein Foto, das ich leider nicht verlinken kann: Darauf ist eine Steckdosen-Verteilerleiste zu sehen, deren Stromkabel und Stecker nicht extern an einer anderen Steckdose angeschlossen ist, sondern in sich selbst, also in einen Stecker-Anschluss der eigenen Verteilerleiste
Dann ist irgendwie schnell der Saft raus 🙂
Veröffentlicht von: @kerygmaMaria als Himmelskönigin
Was genau hat dich daran gestört?
Veröffentlicht von: @kerygmaDann haben wir übereinstimmende Konzepte.
Das freut mich zu hören. Und das ist zukunftsweisend, nicht das kleinliche Herumhacken auf konfessionellen Unterschieden, zumal eine solche Herumhackerei erfahrungsgemäß meist auf dem mangelnden Verständnis der anderen Seite beruht. Hinzukommt, dass derlei „Hackerei“ letztlich geistlich unfruchtbar bleibt und zur Verstärung der Unterschiede auf beiden Seiten führt.
Veröffentlicht von: @kerygmaDu kannst es sicher theoretisch absegnen, wenn Christen 150 mal Maria am Tag anrufen, aber das Vater Unser nur zweimal
Wie kommst du auf die Zahlen? Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz (so wie ich es tue und nur empfehlen kann), dann hat er
# 50 mal die Gottesmutter gegrüßt
# 50 mal Jesus hinsichtlich eines bestimmten „Geheimnisses“ angesprochen
# 5 mal das Vaterunser gesprochen
# 5 mal Jesus im dreieinigen Gott geehrt (Ehre sei dem Vater…)
# 5 mal ausdrücklich Jesus um die „Verzeihung der Sünden“ gebeten
# 12 wichtige Punkte des christlichen Jesus-Bekenntnisses bekräftigt (im Apostolicum)
# 2 mal durch Kreuzzeichen Jesus im dreieinigen Gott „körperlich“ unterstrichen
Nimmt man dann noch hinzu, dass ein sich lediglich wiederholender, „formelhafter“ Mariengruß (Lk 1, 28 + 42)
a) anders zu gewichten ist als die Anbetung Gottes im Vaterunser,
b) weniger stark ins Gewicht fällt als die innige Bitte um Vergebung der Sünden durch Jesus
c) und anders zu bewerten ist als das variierende Erinnern und Bekräftigen der Christusgeheimnisse
dann komme ich zu dem Schluss, dass das Rosenkranzgebet objektiv ein Jesusgebet ist, das lediglich „durch die Brille“ seiner Mutter hindurch gesprochen wird.
Hinzu kommt, dass durch die regelmäßig gebeteten, im deutschsprachigen Bereich verbreiteten fünf (nicht nur vier) Rosenkränze zweimal die Woche das vollständige Evangelium „durchgebetet“ wird und zwar wie folgt inhaltlich fokussiert:
1 Menschwerdung Gottes in Jesus (5 freudenreiche Jesus-Geheimnisse)
2 Öffentliches Wirken Jesu (5 lichtreiche Jesus-Geheimnisse)
3 Leiden und Sterben Jesu (5 schmerzreiche Jesus-Geheimnisse)
4 Auferstehung und Verherrlichung Jesu (5 glorreiche Jesus-Geheimnisse)
5 Vollendung der Welt in Jesus Christus (trostreiche Geheimnisse)
Mir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist. Deshalb bete ich ihn gern.
Ob und in welcher Weise bestimmte Gebetsformen und Frömmigkeitssübungen einer Gotteserfahrung dienlich oder eher abträglich sind, hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich noch nie Gebetsformen anderer Konfessionen negativ beurteilt habe, sondern immer noch interessiert zur Kenntnis nehme und schaue, ob sie mir selbst guttun und weiterhelfen.
Lustigerweise waren es gerade die vehementen evangelikalen Vorbehalte gegen das Rosenkranzbeten, die vor ca. fünf Jahren mein Interesse für diese Gebetsart geweckt haben.
Ebenso bemerkenswert finde ich es im Nachhinein, dass es gerade meine muslimischen Schüler und Bekannten waren, von denen ich an den Wert eines regelmäigen Gebetslebens erinnert wurde…
Wo ist in deiner Aufzählung der Dank als konkrete Bestätigung für den Empfang der Vergebung?
Baust du auch Zeit ein, auf Antworten Jesu zu hören? (Meine Schafe hören meine Stimme...) oder geht es gleich weiter in die nächste Aktivität?
Veröffentlicht von: @holger-fWie kommst du auf die Zahlen? Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz
Danach noch die lauretanische Litanei, wie es z.B. in meinem Bekanntenkreis durchaus üblich war.
https://www.vatican.va/special/rosary/documents/litanie-lauretane_ge.html
Dazu 3 mal am Tag den Engel des Herrn, woran Dich das Angelusläuten der Kirche vor Ort erinnern wird. Und immer, wie es sich traditionell gehört, jedesmal ein Ave Maria, wenn Du an einer Marienstatue oder einem Marienbild vorbeikommst, auch bei Dir daheim.
Veröffentlicht von: @holger-fMir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist.
Es gibt eben auch nichts zu leisten. Man kann sich das Himmelreich nicht verdienen. Diese Idee der Mitarbeit, die dazu führt, dass niemand weiß, ob er im Stand der Gnade ist, halte ich für Gift, und sie war auch der Grund, warum Luther die Trennung zwischen Rechtfertigung und Heiligung wichtig fand.
Veröffentlicht von: @holger-fEbenso bemerkenswert finde ich es im Nachhinein, dass es gerade meine muslimischen Schüler und Bekannten waren, von denen ich an den Wert eines regelmäigen Gebetslebens erinnert wurde…
Der Islam ist der Ausdruck einer Gesetzesreligion schlechthin. Wenn ich da an die Sunnah denke, wo jedes Detail vorgeschrieben ist, was getan werden muss. Das halte ich für eine ziemlich schlechte Inspiration für das eigene spirituelle Leben.
Veröffentlicht von: @kerygmaVeröffentlicht von: @holger-fWie kommst du auf die Zahlen? Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz
Danach noch die lauretanische Litanei, wie es z.B. in meinem Bekanntenkreis durchaus üblich war.
https://www.vatican.va/special/rosary/documents/litanie-lauretane_ge.html
Dazu 3 mal am Tag den Engel des Herrn, woran Dich das Angelusläuten der Kirche vor Ort erinnern wird.
Und immer, wie es sich traditionell gehört, jedesmal ein Ave Maria, wenn Du an einer Marienstatue oder einem Marienbild vorbeikommst, auch bei Dir daheim.
Nur mal so ganz laienhaft gefragt - der Tag hat 24 Stunden - wie lange ist man da mit vorgegebenen Gebeten beschäftigt?
Mir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist.
Es gibt eben auch nichts zu leisten. Man kann sich das Himmelreich nicht verdienen.
Das ist doch sehr tröstlich.
Veröffentlicht von: @deborah71Baust du auch Zeit ein, auf Antworten Jesu zu hören?
Das ist ein guter und wichtiger Hinweis! Danke dafür!
Allerdings kann man auf diese Frage ja nur kommen, wenn man unterstellt, dass ich (oder ein anderer Rosenkranzbeter) „nur“ den Rosenkranz bete, was du erstens nicht wissen kannst und zweitens nicht der Fall ist…
Eine Kerze anzünden und still „hinzuhören“ was mir Gott zu sagen hat, ist auch eine von mir sehr gepflegte und deshalb erfahrungsbasiert empfehlenswerte Gebetsform.
Solche Momente sind auch beim Beten des Rosenkranzes eingeplant. Zugegenermaßen besteht der Hauptzweck des Rosenkranzbetens darin, Gott in Jesus Christus zu preisen und dies in der meditierenden Vergegenwärtigung der christuszentrierten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In dieser Vergegenwärtigung kann Gott aber genauso „sprechen“ wie im stillen Verharren…