Auch wenn diese Thema schon einen breiten Raum hier im Forum einnimmt (z.B. Christsein & Gesellschaft / Wissenschaft / Kriterien für Wunder ...), würde ich dieses Theman gern weiter diskutieren. Konkreter Anlass für mich ist der Post von @tojak https://forum.jesus.de/community/bibel-bibelstellen/was-stimmt-was-in-der-bibel-steht-und-was-nicht/paged/3/ vom 4. Februar 2026 18:03. Sein Post steht u.a. im Kontext der Diskussion um die in der Bibel berichteten Wunder, wie die Verwandlung von Wasser in Wein (Joh.2). tojak schreibt:
Ich erlebe es regelmäßig, dass Gläubige und Theologen gern sofort zur Relativitätstheorie und Quantenphysik springen möchten, wenn es um Bibelstellen vs. Physik geht. Dabei reicht Mittelstufen-Schulphysik völlig, um zu zeigen, dass manche Bibelstellen im Widerspruch zu gesichterten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Daran ändern auch neuere Erkenntnisse aus komplexeren Physik nichts.
Vorweg finde ich es erstmal wichtig herauszustellen, dass wir es nicht nur mit den beiden Themen a) Naturwissenschaft (NW) und b) Glaube zu tun haben, sondern als drittes c) die Erkenntnistheorie, quasi als übergeordnete Klammer mitzudenken ist. Spätestens seit Kant ist klar, dass a) und b) zwei Aussagenbereiche sind, die primäre nicht durch ihren Gegenstand hier - Natur und dort Wunder – bestimmt sind, sondern durch die Methoden, durch die jeweils in diesen Bereichen Erkenntnisse gewonnen werden. Als weitere, die aus meiner Sicht eigentliche sinnstiftende Ebene kommt die heilsgeschichtliche Betrachtung hinzu. Durch sie lässt sich ein Zusammenhang zwischen den drei Themenbereichen herstellen. Der lautet aus meiner Sicht, dass Gott die Naturwissenschaft zulässt, weil ein besseres Verständnis der Natur hilft (heidnischen) Aberglauben abzulegen und das Leben der Menschen erleichtert wird durch Anwendung entsprechender Erkenntnis zur Entwicklung effizienterer Produktionsmitteln und -weisen. Diese tendenzielle Befreiung des Zwangs zur Arbeit hat ihrerseits das heilsgeschichtliche Ziel, mehr Zeit und Muße für die Heiligung des Sabbat als dem eigentliche irdischen Lebensziel zu gewinnen. Heiligung des Sabbat beschränkt sich keineswegs auf den Sonntag, sondern meint die dem Menschen gegebene freie Zeit – ohne Zwang für sein Lebensunterhalt sorgen zu müssen – über die er entscheiden muss, wie er sie verbringen will. Zum Lobe Gottes etc. oder um sich in seiner ´Freizeit` an die materielle Welt zu binden.
Das Wesen der NW ist, dass sie Aussagen über die empirische-materielle Welt macht, insofern diese messbar ist, was heißt durch mathematische Verfahren beschrieben werden kann. Mit der Messbarkeit ist die Abhängigkeit der Erkenntnis von den menschlichen Sinnesorganen gegeben. Auch wenn diese durch technische Hilfen ´verbessert` werden, ändert das grundsätzlich nichts daran, dass wir auf die fünf Sinne angewiesen sind, die, wie auch Messinstrumente nur in Abhängig von Raum und Zeit (d.h. nicht-relativistisch) existieren. Grundsätzlich gehört zur NW die Möglichkeit dazu, Aussagen durch Experimente zu validieren. In wie weit die Mathematik es erlaubt, nw. Erkenntnisse von der sinnlichen Wahrnehmung zu lösen ist eine andere Frage. Was die Mathematik aber gezeigt hat, dass ihre Beweiskraft nicht von empirischen Erfahrungen abhängt (etwa aus der Kunst des Zählens), sondern von den Axiomen, die sich selbst gibt. Damit muss man sich auch klar machen, dass die Naturwissenschaften letztlich keine rein empirisch Wissenschaft ist, sondern auf eine metaphysische Grundlegung angewiesen ist. Dass scheint mit wichtig zu sein, um der Vorstellung Einhalt zu gebieten, die NW, ins besonders die Physik käme zu absoluten Erkenntnissen. Dem ist nicht so. Physikalische Theorien haben a) immer nur eine begrenzte Aussagekraft, die sich aus den Voraussetzungen ergeben, die sie sich selbst geben. Wenn also Theologen, zugegebener Maß vielleicht etwas unbeholfen, auf die Quantenphysik etc. verweisen, rechtfertigen sie weniger ihre eigenen Standpunkt, sondern ermahnen die Naturwissenschaftler, sich vor dem Hochmut zu bewahren, mit ihren Erklärungen an die Stelle Gottes treten zu können (ausführlicher z.B. in Paradoxien der Kosmologie, http://www.tydecks.info/online/themen_kosmologie_paradoxien.html, Beitrag für das Philosophische Colloquium der Akademie 55plus Darmstadt am 15.12.2014, Zugriff 25.4.26)
Das Wesen des Glaubens ist es, Tatsachen anzuerkennen, die nicht durch die Methoden der Naturwissenschaft erkannt werden können. An die Stelle mathematischer Verfahren tritt die Offenbarung. So wie die Logik für die Mathematik, fungiert die biblische Hermeneutik für die Glaubenstatsachen als Bezugs- und Reflektionswissenschaft. Im Bezug zur Welt unterscheiden sich NW und Glaube u.a. darin, dass NW Erklärungen produziert (Kausalzusammenhänge beschreibt), während der Glaube den Weg zu Sinn und Bedeutung weist, also auf die lebens- und handlungspraktische Relevanz von Erkenntnis, u.a. unter anderen auch von nw. Erklärungen verweist (das wäre u.a. unter dem Stichwort ´naturalistischer Fehlschluss zu thematisieren).
Die Bezugswissenschaft der bibl. Hermeneutik, also für Generierung von Sinn und Bedeutung, ist die Heilsgeschichte, die wiederrum ein anderer Name für die in der Welt verwirklichte Liebe Gottes ist. Die Liebe wie Gott sie versteht ist somit die letzte und höchste Instanz der Erkenntnis und das letzte Evidenzkriterium.
Vor diesem Hintergrund erschließt sich mir der Bericht über die Verwandlung von Wasser in Wein wie folgt: Dass sich Wasser in Wein verwandelt kann, ist eine Tatsache, die jeder Winzer bestätigen kann. Dazu bedarf es üblicherweise eines bestimmten Stoffwechsels, sowohl in der Rebe wie nachher im Gärfass. Nüchtern betrachtet ist Stoffwechsel die Verwandlung von Molekülen durch Zufuhr von (Sonnen)Energie. Noch abstrakter; Stoffwechsel ist gezielte Arbeit gegen die Entropie. Entropie ist die destruktive Tendenz der Materie, sich selbst zu vernichten, wenn nicht ein ordnende Kraft gezielt dagegen anarbeitet (vgl. den Beginn des Schöpfungsbericht 1.Mos. 1 ff). Gegen Entropie heißt, dass das Programm für eine höhere Ordnung in der Welt sorgt. Gezielt heißt, es gibt ein Programm gibt, das sich hier als genetisches des Weinstocks manifestiert. Das Programm selbst entspringt der Liebe des Schöpfergottes. Und die Energie, die das Programm belebt ist der Geist der von Gott ausgeht.
Jesus lehrt, dass man die Natur durch den Geist beeinflussen kann (Mt.21,21 f): "Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur vollbringen, was am Feigenbaum geschehen ist; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: >Erhebe dich und stürze dich ins Meer!<, so wird es geschehen; und alles, was ihr im Gebet gläubig erbittet, werdet ihr erhalten." Tatsächlich ist es ja so, dass im Verlauf der Erdgeschichte die Berge zum Teil tatsächlich an Masse verloren haben und ein Teil davon ins Meer gelangt ist. Klar, dass ist nicht die Bedeutung der Aussage. Aber es geht darum, dass sich der Glaube, wenn er in anschaulichen Bildern geschildert wird, auf reale Prozesse bezieht, durch die das oben beschriebene Programm erkennbar wird (so z.B. die Gleichnisse vom Samen). Jesus meint damit also nicht, man könne die Gesetze der Physik beeinflussen.
Allerdings muss man auch sehen, dass das, was wir als physikalische Gesetz kennen, mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Insofern bin ich eher zurückhaltend, wenn es um die Frage geht, was möglich ist und was nicht. Man muss sich eingestehen, dass wir aufgrund unsere menschliche Beschränktheit weit davon entfernt sind, die Kräfte der Natur, d.h. den Geist der wirkt, zu verstehen. Ich stelle mir gerade vor, Kopernikus wurde heute im Fernsehen eine Sendung über den aktuellen Stand der Astrophysik sehen. Ich glaube, der würde aufs erste wohl alles für Schwindel halten.
Allerdings würde er sich wahrscheinlich sehr schnell in diese Denkweise einarbeiten können - und zwar weshalb: weil er neben seinem Wissen auch den festen Glauben hat, dass das, was er herausgefunden hat, richtig ist. Und dieser Glaube, ich gehe davon aus, dass er den dann ins Heute mitbringt, würde ihn befähigen die moderne Astrophysik zu verstehen.
Übertragen sehe ich die Sache so: Gott hat die Naturgesetze geschaffen aus seinem Geist der Liebe und Wahrheit. Liebe bedeutet, dass die Naturgesetze die materielle Lebensbedingungen schaffen, was das Gute - Lebensspende für die Schöpfung - bedeuten. Wahrheit bedeutet, dass die Gesetz unumstößlich sind für die, die in der materiellen Schöpfung leben. Damit will ich andeuten, dass es fraglich ist, ob im Himmel, dem Reich Gottes diese Gesetze noch relevant sind. Geht man davon aus, dass die Bestimmung des Menschen das Himmelreich ist, heißt das, dass er sein diesbezüglich irdische Denken überwinden muss um Gott richtig zu verstehen. Mit anderen Worten, wenn es einem Menschen gelingt seinen Glauben zu entwickeln und zu festigen, dann kann er auch bei sich und anderen Veränderungen bewirken, die der Versetzung eines Berges gleichkommen, nämlich im übertragen Sinne.
Gehen wir zum `Weinwunder` zurück. Neben der Auffassung, dass tatsächlich eine substanzielle Verwandlung stattgefunden hat kann man sich auch vorstellen, dass alle Hochzeitsgäste von der Anwesenheit Jesus derartig ´beeindruckt` waren, dass sie das Wasser als Wein geschmeckt haben. Und zwar nicht im Sinne einer Art ´Massenhysterie`, sondern als Wirkung des Geist der Liebe Jesus des Herrn, die denjenigen die das Wunder mitbekommen, etwas zu denken geben soll oder mit andere Worten, das sich Jesus dort, offenbart. Zu bedenken ist, dass diese nach dem Joh. Evg. der erste öffentliche Auftritt nach der Taufe durch Johannes ist. Ich will damit aufzeigen, dass die generelle Botschaft der Wunder die ist, menschliches Denken von den physikalischen Gesetzen, d.h. von den Bedingungen irdischen Denkens zu befreien, um so frei für eigentliche das Verständnis der Offenbarung zu machen. D.h. hießt, man muss sich jetzt noch darüber nachdenken, warum das Wunder auf einer Hochzeit stattfindet. Hochzeit ist ein Liebesbündnis und es liegt nahe, dass Gott die Menschen, die sich auf so ein Liebesbündnis untereinander einlassen dazu eingeladen sind, ein analoges Bündnis mit ihm einzugehen. So antwortet Jesus seiner Mutter, als sie ihn darum bat, ob er nicht für neuen Wein sorgen könne, zuerst einmal mit den Worten (Joh.2,4): ""Laß mich nur gewähren, Frau! Meine Stunde ist noch nicht gekommen."" Die Antwort ist ja seltsam. Es sei denn Jesus bezieht die von Ihm erwartete Verwandlung in Wein auf sich selbst: aus dem lebendigen Wasser seine Lebens und seiner Lehre geht am Ende eine geistliche Transformation hervor. Die, die von dem Wasser kosten das Jesus bereitet (nämlich seine frohe Botschaft) werden darin den wahren Wert (Wein = geistige Getränk) erkennen. "So machte Jesus zu Kana in Galiläa den Anfang mit seinen Zeichen. Er offenbarte dadurch seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn".